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29.07.2026 11:22

Klimastadt mit Gedächtnis: Augsburger Historiker gewinnt Städtebau-Preis

Michael Hallermayer Stabsstelle Kommunikation und Marketing
Universität Augsburg

    Die Stadt Öhringen in Baden-Württemberg hat ein Projekt ausgezeichnet, an dem die Universität Augsburg beteiligt ist. Der Augsburger Geschichtswissenschaftler Prof. Dr. Stefan Lindl entwickelte dafür die Grundkonzeption nach seinem städtebaulichen Leitbild „Authentische Stadt“. Ziel des Projekts „Idyll an der Ohrn“ ist es, historisch argumentierend einer Stadt bei ihrer klimapositiven Entwicklung und Transformation ihre Charakteristik zu bewahren.

    Stadtplanung soll nicht nur das äußere Erscheinungsbild verändern, sondern die historisch gewachsene Struktur der Stadt verstehen, bewahren und sinnvoll weiterentwickeln. So entsteht eine Stadt, die ihre Geschichte sichtbar erzählt und gleichzeitig für die Zukunft gestaltet wird“, sagt Stefan Lindl.

    Ein authentisches Erscheinungsbild entsteht dabei durch präzises materielles Weiterbauen im und am Bestand. Als Grundlage dienen historische Werte – ein Modell, das Prof. Dr. Lindl an der Universität Augsburg entwickelt hat. „Klimaschutz, Klimaanpassung, Denkmalschutz und geschichtswissenschaftliche Stadtforschung werden mit Landschaftsarchitektur, Hochbau und Stadtplanung verbunden“, erklärt Stefan Lindl. „So entsteht das, was ich ‚engaged historiography‘ nennen, also eine Stadtentwicklung, die auf historischer Argumentation beruht, Stadtgeschichte und -geschichten betont, um eine komplexe urbane Transformation vor dem Hintergrund der Klimaerhitzung zu gewährleisten“, sagt Lindl. Geschichte dürfe trotz vor allem technischer Anpassungsmaßnahmen nicht verdrängt werden, sondern solle als Konzeptionsgrundlage dienen.
    Ortsmitte als „Schwammstadt“

    Genauso sieht es das Konzept auch in Ohrnberg vor: Entstehen sollen in der Ortsmitte ein Bürgerhaus, ein Café und ein Buswartehaus mit Fahrrad-Reparatur-Service. „Das Bürgerhaus nimmt den Bestand des Feuerwehrmagazins auf und entwickelt es weiter. Das Magazin hatte früher die Funktion der örtlichen Vereinstreffs. Die Räumlichkeiten werden als Erinnerungsräume gewürdigt“, sagt der Professor.

    Die Ortsmitte soll außerdem nach dem Prinzip einer Schwammstadt gestaltet werden, also als Ort, der Wasser aufnehmen kann und das Mikroklima steuert. „Dazu zählen die Aufnahme und Speicherung von Regenwasser ebenso wie die Kühlung und ökologische Aufwertung“, sagt Lindl. Grundsätzlich sieht der Entwurf eine neue Dorfmitte als „Oase“ für Bürgerinnen und Bürger, Vereine und den Tourismus. „Die behutsame Bespielung der verkehrsfreien Mitte mit Bäumen sowie einem Brunnenelement im Zentrum folgt dem literarischen Topos des ‚locus amoenus‘, der seit der römischen Antike einen lieblichen Ort mit lichtem Schatten an einem Bach oder Flusslauf beschreibt“, erklärt Stefan Lindl.

    Geschichtswissenschaft als entwerfende Disziplin

    Das Projekt „Idyll an der Ohrn“ wurde federführend vom Augsburger Landschaftsarchitekturbüro Studio Morgenwald in Zusammenarbeit mit den Architekten von studio weiter (Baden-Baden / Berlin), dem Mobilitätsplanungsbüro 1komma2 sowie Prof. Dr. Stefan Lindl (Europäische Regionalgeschichte, Universität Augsburg) entwickelt. Es steht exemplarisch für eine klimapolitisch wirksame und zugleich theoriegeleitete Planungspraxis.

    Mit der Auszeichnung des Projekts wird deutlich: Geschichtswissenschaft ist nicht nur retrospektiv, sondern kann als entwerfende Disziplin wirksam werden – insbesondere dort, wo nachhaltige Transformation ein präzises Verständnis der historischen Strukturen voraussetzt.


    Wissenschaftliche Ansprechpartner:

    Prof. Dr. Stefan Lindl
    Europäische Regionalgeschichte
    Telefon: +49 821 598 - 5544
    E-Mail: stefan.lindl@philhist.uni-augsburg.de


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    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten, jedermann
    Geschichte / Archäologie
    regional
    Wettbewerbe / Auszeichnungen
    Deutsch


     

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