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01.09.2026 11:17

25 Jahre Psychoonkologie am UKR: Weil Krebs mehr als den Körper betrifft

Matthias Dettenhofer Unternehmenskommunikation
Universitätsklinikum Regensburg (UKR)

    Eine Krebsdiagnose stellt das Leben auf den Kopf. Seit 25 Jahren unterstützt der Psychoonkologische Dienst des Universitätsklinikums Regensburg (UKR) Patienten und ihre Angehörigen dabei, mit Ängsten, Sorgen und den Veränderungen durch die Erkrankung umzugehen. Was 2001 mit einer einzigen, durch die Deutsche José Carreras Leukämie-Stiftung und die Leukämiehilfe Ostbayern finanzierten Stelle begann, ist heute ein fester Bestandteil der onkologischen Versorgung am UKR. Zehn Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter begleiten Patienten und Familien und sind für die onkologischen Zentren des UKR auch im Rahmen ihrer Zertifizierungen von zentraler Bedeutung.

    „Warum gerade ich?“ „Wie geht es jetzt weiter?“ „Was, wenn die Behandlung nicht hilft?“ – Mit einer Krebsdiagnose kommen nicht nur medizinische Fragen auf die Betroffenen zu. Innerhalb kürzester Zeit kann sich das gesamte Leben verändern: Beziehungen, Familie, Beruf, finanzielle Sicherheit und die eigene Zukunft stehen plötzlich infrage. Zwischen Untersuchungen, Therapieentscheidungen und Klinikaufenthalten bleibt dabei oft wenig Raum für das, was sich im Inneren abspielt. Genau hier setzt die Psychoonkologie an.
    Bereits vor 25 Jahren erkannte die Klinik und Poliklinik für Innere Medizin III des UKR, dass eine gute Krebsbehandlung mehr braucht als medizinische Expertise allein. 2001 wurde deshalb der Psychoonkologische Dienst am UKR etabliert. Die zunächst einzige Stelle wurde durch die Deutsche José Carreras Leukämie-Stiftung und die Leukämiehilfe Ostbayern finanziert. Aus diesem ersten Schritt entwickelte sich über ein Vierteljahrhundert ein umfassendes Angebot, das heute aus neun Psychologinnen und Psychologen sowie einem ärztlichen Psychotherapeuten besteht.

    „Eine Krebserkrankung betrifft immer den ganzen Menschen. Die medizinische Behandlung ist selbstverständlich der zentrale Baustein, aber sie findet nicht losgelöst von der Psyche des Patienten und seiner Lebenssituation statt. Ängste, Unsicherheit, familiäre Belastungen oder die Frage, wie es nach der Therapie weitergeht, können den Umgang mit der Erkrankung entscheidend beeinflussen. Unsere Psychologinnen und Psychologen helfen dabei, diese Belastungen frühzeitig wahrzunehmen und die Patienten auf ihrem Weg zu unterstützen“, sagt Professor Dr. Wolfgang Herr, Direktor der Klinik und Poliklinik für Innere Medizin III (Hämatologie, Onkologie, Stammzelltransplantation & Zelltherapie, Hämostaseologie, Palliativmedizin und Psychoonkologie).

    Psychoonkologie beginnt bereits beim Verdacht

    Damit Unterstützung möglichst früh ansetzen kann, wird am UKR bereits bei einem Verdacht auf eine onkologische Erkrankung ein Screening durchgeführt, bei dem Patienten ihre psychische Belastung einschätzen sollen. Zusätzlich haben auch die behandelnden Ärzte einen Blick dafür, ob eine psychoonkologische Betreuung sinnvoll erscheint. Gleichzeitig können sich Patienten und Angehörige jederzeit direkt an den Psychoonkologischen Dienst wenden, wenn sie Gesprächsbedarf haben.
    Denn nicht jeder Mensch reagiert gleich auf eine Krebsdiagnose. Während manche Betroffene zunächst gut mit der Situation zurechtkommen, entwickeln andere starke Ängste oder fühlen sich durch die Vielzahl an Informationen und Entscheidungen überfordert. Manche benötigen nur ein Gespräch, andere wünschen sich über Monate oder Jahre Unterstützung.

    „Wir schauen sehr genau hin, was der einzelne Patient braucht. Manchmal geht es zunächst nur darum, die vielen Gedanken zu sortieren und wieder etwas Orientierung zu bekommen. In anderen Fällen begleiten wir Menschen über einen längeren Zeitraum. Entscheidend ist, dass die Patienten wissen: Sie müssen mit ihren Sorgen nicht alleine bleiben“, erklärt Dr. Martin Vogelhuber, Ärztlicher Psychotherapeut und Medizinischer Leiter des Psychoonkologischen Dienstes.
    Die Gespräche können dabei ganz unterschiedliche Themen haben. Der Psychoonkologische Dienst unterstützt bei der Verarbeitung der Diagnose, bei Ängsten und Belastungsreaktionen, im Umgang mit der Therapie und ihren Nebenwirkungen sowie bei Fragen des Alltags. Auch Angehörige werden einbezogen und erhalten Unterstützung. Bei Bedarf vermitteln die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ambulante Hilfsangebote oder den Kontakt zu Selbsthilfegruppen.

    Eine Hand, die bleibt

    Im Mittelpunkt der psychoonkologischen Arbeit steht dabei etwas scheinbar Einfaches: das Gespräch. Es schafft Raum für Sorgen, die im hektischen Klinikalltag häufig keinen Platz finden. Es kann helfen, Ängste zu benennen, schwierige Entscheidungen zu sortieren und neue Kraft für die nächste Etappe zu finden.
    „Viele Betroffene können sich nicht sofort öffnen. Eine Krebsdiagnose ist ein Einschnitt, der erst einmal verarbeitet werden muss. Deshalb ist Kontinuität so wichtig. Wir möchten den Patienten vermitteln, dass wir da sind, zuhören und sie auch durch schwierige Phasen begleiten“, sagt Ingrid Schön, Psychologische Leiterin des Psychoonkologischen Dienstes.
    Dabei geht es nicht darum, Patienten ihre Angst zu nehmen oder schwierige Gefühle einfach „wegzumachen“. Vielmehr sollen sie lernen, mit der neuen Situation umzugehen und ihre eigenen Ressourcen wiederzuentdecken.

    Wenn Mama oder Papa Krebs hat

    Eine besondere Herausforderung ist die Situation, wenn Eltern minderjähriger Kinder an Krebs erkranken. Die Angst um die eigene Gesundheit verbindet sich dann mit der Sorge um die Kinder: Wie sage ich meinem Kind, dass ich Krebs habe? Wie viel soll es wissen? Was darf ich ihm zumuten? Und wie kann ich verhindern, dass es mit seinen Ängsten allein bleibt?
    Für diese Familien gibt es am UKR eine besondere Anlaufstelle: die Kinder- und Familiensprechstunde des Psychoonkologischen Dienstes. Sie richtet sich ausdrücklich an Kinder und Jugendliche, deren Eltern von einer Krebserkrankung betroffen sind.
    „Kinder spüren sehr genau, wenn sich in der Familie etwas verändert. Sie haben ihre eigenen Fragen und Ängste – und manchmal auch Vorstellungen, die viel belastender sind als die Realität. Deshalb ist es wichtig, offen mit ihnen zu sprechen und ihnen die Möglichkeit zu geben, ihre Fragen zu stellen. Unsere Kinder- und Familiensprechstunde soll Eltern hierbei unterstützen und gleichzeitig den Kindern einen eigenen Raum geben“, erklärt Ingrid Schön.
    Damit nimmt der Psychoonkologische Dienst nicht nur den erkrankten Menschen in den Blick, sondern die gesamte Familie. Denn Krebs betrifft nicht nur denjenigen, bei dem die Erkrankung diagnostiziert wurde.

    Heute unverzichtbarer Teil der onkologischen Versorgung

    25 Jahre nach seiner Gründung ist die Psychoonkologie am UKR fest in der Versorgung verankert. Für alle onkologischen Zentren des UKR ist sie zudem im Rahmen der jeweiligen Zertifizierungen relevant. Damit hat sich auch das Verständnis davon verändert, was moderne Onkologie leisten muss.
    „Dass die Psychoonkologie heute ein fester Bestandteil unserer onkologischen Zentren ist, zeigt, wie sehr sich die Krebsmedizin in den vergangenen 25 Jahren weiterentwickelt hat. Wir wissen heute: Eine erfolgreiche onkologische Behandlung bedeutet nicht allein, einen Tumor möglichst wirksam zu bekämpfen. Wir müssen ebenso dafür sorgen, dass Patienten mit der Erkrankung, der Therapie und den Folgen für ihr Leben umgehen können. Die Arbeit des psychoonkologischen Teams ist deshalb ein wesentlicher Bestandteil einer ganzheitlichen Onkologie“, betont Professor Herr.

    Aus einer einzelnen, spendenfinanzierten Stelle ist ein zehnköpfiges Team geworden. Geblieben ist der Grundgedanke von vor 25 Jahren: Krebspatienten brauchen nicht nur eine medizinische Behandlung, sondern auch Menschen, die ihnen zuhören, Orientierung geben und sie in einer der schwierigsten Situationen ihres Lebens begleiten.

    Und manchmal beginnt diese Hilfe mit einer ganz einfachen Frage: „Was beschäftigt Sie gerade?“


    Bilder

    Das Team des Psychoonkologischen Dienstes des UKR unterstützt seit 25 Jahren Patientinnen und Patienten nach einer Krebsdiagnose.
    Das Team des Psychoonkologischen Dienstes des UKR unterstützt seit 25 Jahren Patientinnen und Patien ...
    Quelle: Franziska Holten
    Copyright: © UKR


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten, Studierende, Wissenschaftler, jedermann
    Medizin, Psychologie
    überregional
    Buntes aus der Wissenschaft, Organisatorisches
    Deutsch


     

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