idw – Informationsdienst Wissenschaft

Nachrichten, Termine, Experten

Grafik: idw-Logo
Grafik: idw-Logo

idw - Informationsdienst
Wissenschaft

idw-Abo


Instanz:
Teilen: 
01.09.2026 11:30

Das Gehirn altert nicht in Einzelteilen

Nina Meckel Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Deutsche Gesellschaft für Geriatrie (DGG)

    Prof. Joanna Wardlaw gehört zu den Wissenschaftlerinnen, die seit Jahrzehnten versuchen, eines der großen Rätsel der Hirnalterung zu lösen. Warum verlieren manche ältere Menschen ihre Selbstständigkeit schneller als andere? Die schottische Neuroradiologin sucht die Antwort nicht in einzelnen Veränderungen des Gehirns, sondern im Gesamtbild. Für diesen neuen Blick auf das alternde Gehirn hat sich inzwischen ein Begriff etabliert: Brain Frailty.

    „Lange haben wir einzelne Veränderungen im Gehirn getrennt betrachtet. Heute wissen wir: Das Gehirn altert nicht in Einzelteilen. Erst wenn wir die verschiedenen Veränderungen gemeinsam betrachten, entsteht das Gesamtbild, das wir für gute klinische Entscheidungen brauchen.“

    Die Direktorin des Row Fogo Centre for Research into Ageing and the Brain und der Edinburgh Imaging Research Facilities an der University of Edinburgh zählt international zu den führenden Expertinnen für Hirnalterung und Erkrankungen der kleinen Hirngefäße. Seit vielen Jahren erforscht sie, wie etwa Gefäßschäden oder Mikroblutungen mit Hirnatrophie und neurodegenerativen Veränderungen zusammenwirken – und welchen Einfluss dieses Zusammenspiel auf Kognition, Mobilität und Selbstständigkeit älterer Menschen hat.

    Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile

    Moderne Bildgebung macht Veränderungen im Gehirn und in Blutgefäßen heute so gut sichtbar wie nie zuvor. Spezielle, sehr sensitive MRT-Verfahren etwa ermöglichen, Verbindungsstörungen zwischen bestimmten Gehirnregionen, Störungen des Flüssigkeitsflusses durch das Gehirn und des Abtransports von Abfallstoffen genau darzustellen. Doch einzelne Befunde erzählen oft nur einen Teil der Geschichte. Erst wenn unterschiedliche Hinweise zusammengeführt werden, entsteht ein Gesamtbild, das Risiken besser und früher einschätzen und individuelle Krankheitsverläufe besser verstehen lässt.

    Das wiederum ermöglicht eine gezieltere Prävention und Versorgung. „Jede einzelne Veränderung liefert einen wichtigen Hinweis. Wirklich verstehen können wir das alternde Gehirn aber erst, wenn wir diese Hinweise zusammenführen.“

    Früh erkennen, länger selbstständig bleiben

    Für Joanna Wardlaw geht es dabei nicht darum, immer mehr Informationen aus CT- oder MRT-Aufnahmen zu gewinnen. Entscheidend ist, welchen Nutzen dieses Wissen für Menschen hat. „Unser Ziel ist nicht, möglichst viele Veränderungen zu entdecken. Unser Ziel ist, das Gesamtbild früh genug zu erkennen, damit Menschen möglichst lange selbstständig leben können.“ In klinischen Studien wird dieses Wissen zudem genutzt, um Patienten aktiv zu behandeln und Zustandsverschlechterungen zu verhindern.

    Ende September kommt Prof. Joanna Wardlaw nach Frankfurt. Auf dem gemeinsamen Jahreskongress der Deutschen Gesellschaft für Geriatrie (DGG) und der Deutschen Gesellschaft für Gerontologie und Geriatrie (DGGG) diskutiert sie mit Altersmedizinerinnen, Altersmedizinern und Alternsforschenden, welche Konsequenzen dieses neue Verständnis der Hirnalterung für Prävention, Diagnostik und die Versorgung älterer Menschen hat.

    Keynote:
    Prof. Joanna Wardlaw
    Keynote: „Brain Frailty – Warning Signs, Impact and Management“
    https://www.gerontologie-geriatrie-kongress.org/programm/donnerstag/session/keyn...

    Gemeinsamer Jahreskongress von DGG und DGGG
    Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt a. M.
    Campus Westend, Hörsaal 3
    Donnerstag, 24. September 2026, 14.30 Uhr
    https://www.gerontologie-geriatrie-kongress.org/

    Zur Person

    Prof. Joanna Wardlaw ist Direktorin des Row Fogo Centre for Research into Ageing and the Brain und der Edinburgh Imaging Research Facilities an der University of Edinburgh sowie Teil des UK Dementia Research Institute. International anerkannt ist sie für ihre Arbeiten zur Pathophysiologie und Behandlung der zerebralen Kleingefäßerkrankung, der Hirnalterung und des akuten ischämischen Schlaganfalls sowie zum Einsatz bildgebender Diagnoseverfahren beim akuten Schlaganfall. Sie gründete 2007 ein schottlandweites Netzwerk für bildgebende Forschung, leitete mit ihrem Fachwissen in der Bildgebung mehrere multizentrische randomisierte klinische Studien und initiierte Online-Fernstudiengänge. Wardlaw leitete zudem eine britische Initiative zur Festlegung von Standards für den Umgang mit Zufallsbefunden bei der bildgebenden Forschung und förderte gemeinsam mit internationalen Kollegen die Entwicklung von Standards für die Bildgebung bei zerebralen Kleingefäßerkrankungen. Die Wissenschaftlerin veröffentlichte über 400 Fachartikel und wurde für ihre Arbeit mit mehreren Preisen und Ehrenmitgliedschaften ausgezeichnet – unter anderem 2018 mit dem Karolinska Stroke Award für ihr Lebenswerk zur Förderung des Wissens über Schlaganfälle und dem William M. Feinberg Award der American Stroke Association für herausragende Leistungen in der klinischen Schlaganfallforschung.

    Akkreditieren Sie sich noch heute für den Gerontologie- und Geriatrie-Kongress vom 23. bis 26. September in Frankfurt – es lohnt sich!

    Wir unterstützen Sie gerne bei der Organisation von Einzelgesprächen, Interviews oder bei der Suche nach den richtigen Expertinnen und Experten vor Ort. Senden Sie uns einfach eine E-Mail an: presse@dggeriatrie.de


    Weitere Informationen:

    https://www.dggeriatrie.de/presse/pressemeldungen/2625-pm-das-gehirn-altert-nich...


    Bilder

    Prof. Joanna Wardlaw
    Prof. Joanna Wardlaw

    Copyright: privat


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten, Studierende, Wissenschaftler
    Ernährung / Gesundheit / Pflege, Medizin
    überregional
    Forschungs- / Wissenstransfer, Wissenschaftliche Publikationen
    Deutsch


     

    Hilfe

    Die Suche / Erweiterte Suche im idw-Archiv
    Verknüpfungen

    Sie können Suchbegriffe mit und, oder und / oder nicht verknüpfen, z. B. Philo nicht logie.

    Klammern

    Verknüpfungen können Sie mit Klammern voneinander trennen, z. B. (Philo nicht logie) oder (Psycho und logie).

    Wortgruppen

    Zusammenhängende Worte werden als Wortgruppe gesucht, wenn Sie sie in Anführungsstriche setzen, z. B. „Bundesrepublik Deutschland“.

    Auswahlkriterien

    Die Erweiterte Suche können Sie auch nutzen, ohne Suchbegriffe einzugeben. Sie orientiert sich dann an den Kriterien, die Sie ausgewählt haben (z. B. nach dem Land oder dem Sachgebiet).

    Haben Sie in einer Kategorie kein Kriterium ausgewählt, wird die gesamte Kategorie durchsucht (z.B. alle Sachgebiete oder alle Länder).