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01.09.2026 14:42

+++FORSCHUNGSTICKER UNI BONN: Mehr Nachhaltigkeit bei der Ernährung+++

Johannes Seiler Dezernat 8 - Hochschulkommunikation
Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

    In Afrika südlich der Sahara haben Herzkreislauf- und Stoffwechselerkrankungen rapide zugenommen. Wie hängen nachhaltige Ernährungsweisen, die nährstoffreich, umweltfreundlich, erschwinglich und soziokulturell akzeptabel sind, mit kardiometabolischen Erkrankungen zusammen? Ein internationales Forschungsteam um Prof. Dr. Ina Danquah, Hertz-Chair for Innovation for Planetary Health am Transdisziplinären Forschungsbereich „Sustainable Futures” und Direktorin am Zentrum für Entwicklungsforschung der Universität Bonn, hat diese Frage bei ghanaischen Erwachsenen an unterschiedlichen Standorten untersucht.

    UM WAS GEHT ES?
    Wir haben untersucht, wie nachhaltig die Ernährung von Erwachsenen in Ghana und von ghanaischen Migrantinnen und Migranten in Europa ist. Außerdem wollten wir herausfinden, ob eine nachhaltigere Ernährung das Risiko für Fettleibigkeit, Typ-2-Diabetes und Bluthochdruck verringert. Eine nachhaltige Ernährung belastet das Klima möglichst wenig und ist bezahlbar. Gleichzeitig soll sie den Körper mit allen wichtigen Nährstoffen versorgen und zu den kulturellen und sozialen Gewohnheiten der Menschen passen.

    WAS IST DAS WICHTIGSTE ERGEBNIS?
    Bei 2.183 untersuchten Personen war die Ernährung insgesamt wenig nachhaltig. Die Unterschiede zwischen ihnen waren dabei gering. Die Ernährung von Erwachsenen in Ghana war nachhaltiger als die Ernährung von ghanaischen Migrantinnen und Migranten in Europa. Außerdem war die Ernährung bei älteren Menschen und bei Menschen mit einem niedrigeren Bildungsniveau nachhaltiger. Auch Menschen, die weniger Kalorien zu sich nahmen, ernährten sich nachhaltiger. Überraschenderweise gab es jedoch kaum einen Zusammenhang zwischen einer nachhaltigeren Ernährung und Fettleibigkeit, Typ-2-Diabetes oder Bluthochdruck. Wir vermuten, dass die fehlenden Zusammenhänge auf die insgesamt geringe Nachhaltigkeit und die niedrige Variabilität der Ernährung zurückzuführen sind.

    WIE SIND SIE BEI DER STUDIE VORGEGANGEN?
    Wir haben zunächst die Ernährung der Studienteilnehmenden erfasst. Mithilfe eines mathematischen Verfahrens haben wir aus diesen Daten Ernährungsweisen konstruiert, die die genannten Anforderungen an eine nachhaltige Ernährung erfüllen. Anschließend haben wir untersucht, wie stark sich die Ernährung der Studienteilnehmenden von diesen optimalen Ernährungsweisen unterscheidet. So konnten wir einschätzen, wie nachhaltig ihre Ernährung tatsächlich war. Danach haben wir untersucht, ob die Nachhaltigkeit der Ernährung mit der Entwicklung von Fettleibigkeit, Typ-2-Diabetes oder Bluthochdruck zusammenhängt.

    WAS WAR DIE GRÖSSTE HERAUSFORDERUNG?
    Die Nachbeobachtung der Studienteilnehmenden fand während der Corona-Pandemie statt. Besonders in Ghana war die Durchführung schwierig, da es dort häufig keine festen Adressen gibt und die Teilnehmenden deshalb schwer zu erreichen waren. Auch bei der Auswertung gab es Herausforderungen: Frauen und Männer benötigen unterschiedlich viele Nährstoffe. Außerdem unterscheiden sich die üblichen Portionsgrößen in Ghana von denen in Europa. Deshalb mussten die Berechnungen an das Geschlecht, die jeweiligen Portionsgrößen und den Standort angepasst werden.

    GIBT ES EINEN ANWENDUNGSBEZUG?
    Die Ergebnisse helfen uns dabei, Ernährungsweisen zu entwickeln, die mehrere Vorteile gleichzeitig haben: Sie können der Entstehung von Krankheiten vorbeugen, das Klima zu schützen, bezahlbar zu sein und trotzdem gut zu schmecken.

    WAS EMPFEHLEN SIE?
    Die Ergebnisse zeigen, dass nachhaltige Ernährungsweisen in Subsahara-Afrika auf pflanzlichen Lebensmitteln basieren sollten. Vor allem rotes Fleisch und Fleischprodukte könnten häufiger durch pflanzliche Lebensmittel wie Hülsenfrüchte und Vollkornprodukte ersetzt werden. Auch etwas mehr Fisch und Meeresfrüchte könnten Teil der Ernährung sein. Insgesamt sollte man weniger Lebensmittel essen, die viele Kalorien, aber vergleichsweise wenig Nährstoffe enthalten.

    WIE GEHT ES WEITER?
    Wir haben die mithilfe von mathematischen Berechnungen entwickelten Beispiele für nachhaltige Ernährungsweisen mit Erwachsenen in Ghana und mit ghanaischen Migrantinnen und Migranten in Deutschland besprochen. Dabei haben wir gefragt, ob diese Ernährungsweisen im Alltag umsetzbar, von den Menschen akzeptiert und kulturell passend sind. Diese Ergebnisse werden uns helfen herauszufinden, ob und wie diese Beispiele für nachhaltige Ernährungsweisen in zukünftigen Studien und Gesundheitsprogrammen eingesetzt werden können.

    WIE LAUTET DIE QUELLE?
    Clara Bergmann, Gabriel Kallah-Dagadu, Eva van der Linden, Karlijn A.C. Meeks, Kerstin Klipstein-Grobusch, Mary Nicolaou, Peter Henneman, Silver Bahendeka, Erik Beune, Charles Agyemang, Ina Danquah: Sustainable diets and cardiometabolic conditions among Ghanaian adults under transition: Findings from the RODAM-Pros Cohort Study, The American Journal of Clinical Nutrition, DOI: https://doi.org/10.1016/j.ajcnut.2026.101471, URL: https://authors.elsevier.com/sd/article/S0002-9165(26)00280-7

    WO KANN ICH MEHR ERFAHREN?
    Prof. Dr. Ina Danquah, Hertz-Chair for Innovation for Planetary Health am Transdisziplinären Forschungsbereich „Sustainable Futures” und Direktorin am Zentrum für Entwicklungsforschung der Universität Bonn, E-Mail: ina.danquah@uni-bonn.de, Tel. +49 (0)228 731970


    Wissenschaftliche Ansprechpartner:

    Prof. Dr. Ina Danquah
    Hertz-Chair for Innovation for Planetary Health am Transdisziplinären Forschungsbereich „Sustainable Futures” und Direktorin am Zentrum für Entwicklungsforschung
    Universität Bonn
    E-Mail: ina.danquah@uni-bonn.de
    Tel. +49 (0)228 731970


    Originalpublikation:

    Clara Bergmann, Gabriel Kallah-Dagadu, Eva van der Linden, Karlijn A.C. Meeks, Kerstin Klipstein-Grobusch, Mary Nicolaou, Peter Henneman, Silver Bahendeka, Erik Beune, Charles Agyemang, Ina Danquah: Sustainable diets and cardiometabolic conditions among Ghanaian adults under transition: Findings from the RODAM-Pros Cohort Study, The American Journal of Clinical Nutrition, DOI: https://doi.org/10.1016/j.ajcnut.2026.101471, URL: https://authors.elsevier.com/sd/article/S0002-9165(26)00280-7


    Weitere Informationen:

    https://www.uni-bonn.de/de/forschung-lehre/forschungsprofil/transdisziplinaere-f...


    Bilder

    Aus der Basiserhebung der Studie wurden mit einer Optimierungssoftware nachhaltige Ernährungsweisen berechnet und mit den Daten der Erhebung verglichen. Bei 2.183 untersuchten Personen war die Ernährung insgesamt wenig nachhaltig.
    Aus der Basiserhebung der Studie wurden mit einer Optimierungssoftware nachhaltige Ernährungsweisen ...

    Copyright: Abbildung: Clara Bergmann


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten, jedermann
    Ernährung / Gesundheit / Pflege, Medizin, Umwelt / Ökologie
    überregional
    Forschungsergebnisse, Wissenschaftliche Publikationen
    Deutsch


     

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