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16.09.2026 16:39

Neue Studie: Wasserstofftechnologien eröffnen Ostdeutschland milliardenschwere Wertschöpfungspotenziale

Claudia Hanisch Kommunikation
Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE

    Die Herstellung von Wasserstofftechnologien eröffnet Ostdeutschland erhebliche Chancen für Wertschöpfung, industrielle Entwicklung und Beschäftigung. Eine neue Studie der Initiative für Wasserstoff in Ostdeutschland (IWO), erstellt vom WifOR Institute und dem Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE, zeigt: Im Jahr 2045 kann die Produktion von Elektrolyseuren und ihren Vorprodukten jährlich bis zu 2,2 Milliarden Euro Bruttowertschöpfung in Ostdeutschland erzeugen.

    »Die Studie zeigt, dass die wirtschaftlichen Chancen der Wasserstoffwirtschaft weit über die Erzeugung und Nutzung von Wasserstoff hinausgehen. Gerade die Herstellung der dafür benötigten Technologien eröffnet neue Potenziale für industrielle Wertschöpfung und Beschäftigung in Ostdeutschland«, sagt Dominik Härle, Geschäftsführer der Initiative für Wasserstoff in Ostdeutschland.

    Industrielle Wertschöpfung rückt in den Fokus

    Die Ergebnisse lenken den Blick auf einen bisher wenig betrachteten Aspekt der Wasserstoffwirtschaft: die industrielle Fertigung von Elektrolyseuren und die damit verbundenen Wertschöpfungs- und Arbeitsmarktpotenziale. Damit schafft die IWO eine neue industriepolitische Perspektive auf die Wasserstoffwirtschaft. Die wirtschaftliche Chance besteht nicht nur darin, Wasserstoff zu produzieren, sondern auch darin, die Technologien zu exportieren, die den weltweiten Wasserstoffhochlauf überhaupt erst ermöglichen. Elektrolyseure bestehen aus einer Vielzahl von Komponenten und Vorprodukten. Von ihrem Ausbau profitieren daher nicht nur die Elektrolyseurhersteller selbst, sondern auch Unternehmen aus dem Maschinenbau, der Metallverarbeitung und der Elektroindustrie. Für Ostdeutschland ist dies von besonderer Bedeutung.
    »Der Aufbau einer Wasserstoffwirtschaft beginnt nicht erst bei der Wasserstoffproduktion. Er beginnt bei den Technologien, die den Wasserstoffhochlauf ermöglichen. Die Herstellung von Elektrolyseuren verbindet Forschung, Innovation und industrielle Fertigung auf besondere Weise«, sagt Dr. Tom Smolinka, Abteilungsleiter Membranelektrolyse am Fraunhofer ISE.
    Im Ergebnis zeigen die Szenarien für 2045 für Ostdeutschland ein Bruttowertschöpfungspotential in einer Spanne von 480 Mio. bis 2,2 Milliarden Euro auf. Das Basisszenario mit rund 1,4 Milliarden Euro bewegt sich damit in der heutigen Größenordnung der Herstellung von Papier und Papierwaren in Ostdeutschland. Die 2,2 Milliarden Euro entsprechen der heutigen Bruttowertschöpfung der Kokerei und Mineralölverarbeitung. Das wirtschaftliche Potenzial reicht deutlich über die Elektrolyseurhersteller hinaus. Wie viel Wertschöpfung in Ostdeutschland verbleibt, hängt wesentlich von der Einbindung regionaler Zulieferer ab. Zugleich benötigt die Elektrolyseherstellung unter anderem Metallerzeugnisse, elektronische Erzeugnisse, elektrische Ausrüstungen, Maschinen sowie chemische und materialbezogene Vorleistungen.
    Mit der wirtschaftlichen Entwicklung sind auch relevante Beschäftigungspotenziale verbunden. Im Basisszenario ergibt sich für 2045 ein Beschäftigungseffekt von rund 12.570 Personen, davon etwa 8.080 bei den Elektrolyseurherstellern und 4.490 in den ostdeutschen Zulieferketten. Je nach Marktszenario reicht die Größenordnung von rund 4.300 bis 20.000 Personen. Der Schwerpunkt liegt dabei mit 58 Prozent des Effekts auf Fachkrafttätigkeiten, weitere rund 30 Prozent auf Spezialisten und Experten.
    »Die Studie macht deutlich, dass von einer wachsenden Wasserstoffwirtschaft nicht nur die Hersteller von Elektrolyseuren profitieren. Wertschöpfung und Beschäftigung entstehen entlang der gesamten Lieferkette. Besonders bemerkenswert ist dabei der hohe Anteil qualifizierter Tätigkeiten, die für die industrielle Transformation Ostdeutschlands von großer Bedeutung sind«, sagt Florian Fickler, Teamlead für den Bereich Arbeitsmarktforschung beim WifOR Institute.

    Wertschöpfung entsteht dort, wo Technologien hergestellt werden

    Die Studie macht deutlich, dass die wirtschaftlichen Chancen der Wasserstoffwirtschaft weit über die Produktion und Nutzung von Wasserstoff hinausreichen. Zusätzliche Wertschöpfung entsteht insbesondere dort, wo die Technologien für den Wasserstoffhochlauf entwickelt, produziert und über regionale Lieferketten in die industrielle Wertschöpfung eingebunden werden.
    Für Ostdeutschland eröffnet sich damit die Möglichkeit, bestehende industrielle und technologische Stärken in einem weltweit wachsenden Zukunftsmarkt einzubringen. Die Ergebnisse zeigen zugleich, dass die Standortwahl für Produktion und Zulieferung erhebliche Auswirkungen auf Wertschöpfung und Beschäftigung hat. Ein wesentlicher Teil der wirtschaftlichen Effekte entsteht entlang der Lieferketten und damit dort, wo industrielle Fertigung stattfindet.
    »Die Studie zeigt, dass mit dem Wasserstoffhochlauf erhebliche industrielle Wertschöpfungs- und Beschäftigungseffekte verbunden sind. Wo Elektrolyseure und ihre Komponenten produziert werden, entscheidet wesentlich darüber, wo Wertschöpfung und Arbeitsplätze entstehen. Wenn Deutschland und Europa beim Aufbau der Wasserstoffwirtschaft auf eine starke industrielle Basis setzen, profitieren davon nicht nur technologische Souveränität und Versorgungssicherheit, sondern auch Wertschöpfung und Arbeitsplätze«, sagt Dominik Härle.

    Zwei ausgewiesene Experten

    Die IWO hat zwei ausgewiesene Experten mit dieser Studie beauftragt: WifOR Institute und Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE.
    WifOR Institute ist ein unabhängiges Wirtschaftsforschungsinstitut mit Schwerpunkt auf makroökonomischen Analysen. Im Bereich Arbeitsmarkt analysiert es die ökonomischen und beschäftigungsbezogenen Wirkungen von Transformationen – von Wertschöpfungs- und Beschäftigungseffekten über Qualifikationsbedarfe bis hin zu strategischen Implikationen für Arbeitsmarkt-, Industrie- und Wirtschaftspolitik.
    Das Fraunhofer ISE in Freiburg zählt zu den führenden europäischen Forschungseinrichtungen im Bereich erneuerbarer Energien. Forscherinnen und Forschern arbeiten dort an technischen Lösungen entlang der gesamten Wasserstoff-Wertschöpfungskette – von der Materialforschung über die Entwicklung und Optimierung von Elektrolyseprozessen bis hin zur Systemintegration in Energieinfrastrukturen.

    Ostdeutschland bündelt die Kräfte für Wasserstoff

    Die Initiative für Wasserstoff in Ostdeutschland e.V. (IWO) ist die gemeinsame Plattform der sechs Bundesländer im Osten Deutschlands, um die Wasserstoffwirtschaft länderübergreifend voranzutreiben. Sie bündelt die regionalen Expertisen und Stärken aus Berlin, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen. Der Bund unterstützt die Initiative als Netzwerkmitglied.
    Die Gründung der IWO geht auf einen Beschluss der Ministerpräsidentenkonferenz Ost 2022 zurück. Grundlage war die Riemser Erklärung in der festgehalten wurde: »Ostdeutschland besitzt für die Umsetzung eines Wasserstoffhochlaufes entlang der gesamten Wertschöpfungskette Stärken, die sich komplementär ergänzen können. Eine effiziente länderübergreifende Zusammenarbeit bietet die Möglichkeit, Synergien zu erschließen und Kosten zu reduzieren.«
    In diesem Sinne ist es die Mission der IWO, die vorhandenen Chancen und Potentiale zu erschließen und Ostdeutschland als Schlüsselregion für die Wasserstoffwirtschaft zu etablieren. IWO vernetzt Akteure aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Verwaltung und fördert die überregionale Kooperation aller Mitglieder. Ein zentrales Ziel ist es dabei, die Rahmenbedingungen für Wasserstoffprojekte zu optimieren.


    Wissenschaftliche Ansprechpartner:

    Erik Schumacher | Referent Wasserstofftechnologien: erik.schumacher@h2iwo.de


    Originalpublikation:

    https://h2iwo.de/publikationen/wertschoepfungs-und-arbeitsmarktpotenziale-der-wa...


    Bilder

    Die neue Studie vom WifOR Institute und dem Fraunhofer ISE, zeigt das milliardenschwere Wertschöpfungspotenzial von Wasserstofftechnologien für  Ostdeutschland auf.
    Die neue Studie vom WifOR Institute und dem Fraunhofer ISE, zeigt das milliardenschwere Wertschöpfun ...

    Copyright: IWO

    Die neue Studie vom WifOR Institute und dem Fraunhofer ISE, zeigt das milliardenschwere Wertschöpfungspotenzial von Wasserstofftechnologien für  Ostdeutschland auf.
    Die neue Studie vom WifOR Institute und dem Fraunhofer ISE, zeigt das milliardenschwere Wertschöpfun ...

    Copyright: IWO


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten, Wirtschaftsvertreter, Wissenschaftler
    Chemie, Maschinenbau, Wirtschaft
    überregional
    Forschungsergebnisse, Kooperationen
    Deutsch


     

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