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02.11.2026 10:42

Soziologin Allmendinger beschreibt kleine, ländliche Universitäten als Stütze der Demokratie

Friedrich Schmidt Pressestelle
Universität Vechta

    Universitäten im ländlichen Raum stärken den gesellschaftlichen Zusammenhalt, fördern im gegenseitigen Austausch Wissen, Wirtschaft sowie Politik und wirken gegen populistische Kräfte. Das hat die Soziologin Prof. Dr. h.c. Jutta Allmendinger, Ph.D., Vorsitzende der Wissenschaftlichen Kommission Niedersachsen (WKN), zur Eröffnung des Akademischen Jahres 2026/27 an der Universität Vechta betont. In ihrem Festvortrag „Wo Zukunft gemacht wird: Universitäten und die Stärke ländlicher Räume“ sprach sie am 29. Oktober vor vielen Hochschulmitgliedern sowie Gästen aus Wissenschaft, Politik, Kirche und Region in der Aula.

    In ihrer Keynote beleuchtete Allmendinger die spezifischen Stärken kleinerer Universitäten. Sie betonte, dass diese nicht versuchen sollten, Großuniversitäten im Kleinformat zu kopieren, sondern durch passgenaue Profile und eine enge Verwurzelung in der Region Maßstäbe zu setzen .

    Nach Allmendingers Worten fallen die Stimmen für extreme Parteien dort deutlich niedriger aus, wo Bildungseinrichtungen in der Nähe sind. Streng kausal sei das nicht, aber die Korrelation sei klar. Für sie sei dies einer der Gründe, auch kleine, ländliche Universitäten zu erhalten. „Wir wissen, dass unsere Demokratie dadurch bedroht ist, dass wir uns immer seltener begegnen“, sagte sie. In Vechta sei das anders: „Hier sieht man sich, hier kennt man sich, hier entfremdet man sich weniger.“

    Die Größe der Universität sei dabei nicht ausschlaggebend, sagte Allmendinger. Wichtiger sei, welche Türen eine Universität wie Vechta öffnen könne. Dafür nannte sie unterschiedliche Felder: Die Universität solle Menschen auch mit 40, 50 oder 60 Jahren offenstehen, für eine zweite oder dritte Ausbildung „Wir müssen Bildung viel breiter fassen als etwas, das uns nur auf den Erwerbsarbeitsmarkt vorbereitet“, forderte Allmendinger. Sie plädierte dafür, Lebensläufe durchlässiger zu gestalten und Bildungsangebote für zweite oder dritte Ausbildungsphasen in späteren Lebensjahren systematisch zu öffnen – ein Ansatz, den die Universität Vechta bereits sehr gut in ihrer Praxis lebe. Dafür brauche es andere Finanzierungsmodelle, etwa nach schwedischem Vorbild. Auch die Vernetzung in die Region praktiziere die Universität Vechta bereits gut. Bei Mobilität, Pflege, Landwirtschaft und mehr könne Vechta weiterhin mit Kommunen, Unternehmen und Einrichtungen Modelle erproben, die später auch anderswo gebraucht würden. Und schließlich habe Vechta eine gewisse Freiheit zum Ausprobieren: Die Universität könne bis 2031 fast die Hälfte ihrer Professuren neu besetzen. „Dies ist eine riesige Chance!“. Allmendinger regte an, dabei auch Personen zu berufen, die nicht dem üblichen akademischen Karriereweg entsprechen.

    Vechta könne und müsse dabei keine Exzellenzuniversität werden. Die Universität brauche ein eigenes Profil und eigene Maßstäbe, etwa den Anteil von Studierenden aus nichtakademischen Familien. Die Finanzierung allein an Studierendenzahlen zu koppeln, sei überholt. Die WKN denke zudem über einen Landespreis für Universitäten nach, die ihr Profil besonders eng mit der Region verknüpften.

    Vechta und das Oldenburger Münsterland kämpfen für seine Universität. Die Vorbereitung auf den Abend nannte Allmendinger die beste Einstimmung auf zwei Papiere des Wissenschaftsrats, darunter eines zur Demokratie. Ihre Amtszeit bei der WKN werde sie mit Vechta abschließen, kündigte sie an, und zwar indem sie zeige, was die Universität erreicht habe. Den Studierenden gab sie mit: „Ich kann nur raten, dass Sie die Sorge nicht zum wichtigsten Fach Ihres Studiums machen.“

    Interimspräsident Prof. Dr. Thomas Bals unterstich die Fortführung des Reformkurses und zeigte erste Erfolge: 13 Prozent mehr Studienanfängerinnen und -anfänger als im Vorjahr. Das sei trotz der Rückkehr zu G9 in Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein gelungen. Mit den neuen Studiengängen Betriebswirtschaftslehre, Kindheitspädagogik und Psychologie rechne er im kommenden Jahr mit rund 200 zusätzlichen Studienanfängern und einer Auslastung von mehr als 90 Prozent. Bis 2030 will die Universität 4.000 Studierende erreichen.

    Staatssekretär Prof. Dr. Joachim Schachtner (Niedersächsisches Ministerium für Wissenschaft und Kultur) würdigte in seinem Grußwort den Reformprozess. Die zurückliegenden Jahre seien für die Universität keine einfache Zeit gewesen. Sie habe die Empfehlungen der WKN zu ihrem Fächer- und Studienangebot weitgehend aufgegriffen und ihre Mittel auf die Vorhaben konzentriert, die am meisten zu Profil und Zukunftsfähigkeit beitragen. Dazu zählen die Weiterentwicklung des Zwei-Fächer-Bachelors, zusätzliche fachliche Profile und neue Angebote. Ebenso habe die Universität entschieden, auf Angebote zu verzichten, die nicht empfohlen wurden. Mit ihren praxisnahen Studiengängen sichere sie Fachkräfte und stärke den ländlichen Raum, auch als Ort der Demokratiebildung.

    AStA-Sprecherinnen Charlotte Weber und Anissa Helmes betonten, dass eine Universität von den Menschen, die sie gestalten, lebte. Die überschaubare Größe der Universität Vechta sei dabei eine Stärke, etwa weil der AStA im regelmäßigen Austausch mit dem Präsidium Anliegen der Studierenden direkt vortragen könne. Zugleich benannten sie Aufgaben: Die Studienbedingungen müssten gesichert werden und die Universität müsse mit unterschiedlichen Lebensrealitäten der Studierenden umgehen. Eine Universität zeige ihre Stärke nicht dadurch, dass sie keine Herausforderungen kenne, sondern wie sie damit umgehe.

    Timo Fuchs aus dem Team Marketing und Kommunikation moderierte den Abend. Musikalisch begleiteten Celine Winkler und Ines Huismann, Studentinnen des Fachs Musik, mit Stücken aus ihren anstehenden Abschlussprüfungen. Den DAAD-Preis 2026 erhielt in diesem Jahr Fabrice Mamert Mbena Onana.

    Allmendinger schloss mit einem Rückblick: In den 1990er hätten viele Menschen in Vechta die damalige Hochschule in Vechta vor der Schließung bewahrt. Heute könne die Region stolz darauf sein, welche Zukunft möglich werde, weil es diese Universität gebe.


    Weitere Informationen:

    https://www.mynewsdesk.com/de/universitaet-vechta/pressreleases/mehr-als-ein-ort...


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    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten, Wirtschaftsvertreter, Wissenschaftler, jedermann
    Gesellschaft, Pädagogik / Bildung, Politik
    regional
    Forschungs- / Wissenstransfer, Schule und Wissenschaft
    Deutsch


     

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