idw – Informationsdienst Wissenschaft

Nachrichten, Termine, Experten

Grafik: idw-Logo
Grafik: idw-Logo

idw - Informationsdienst
Wissenschaft

Thema Corona

Imagefilm
Science Video Project
idw-News App:

AppStore



Teilen: 
20.09.2006 10:03

IAB-Studie zur Zeitarbeit: Boomende Branche mit hoher Fluktuation

Wolfgang Braun Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit (IAB)

    Mit der Flexibilisierung des Arbeitnehmerüberlassungsrechts wurden die Beschäftigungsverhältnisse der Leiharbeiter immer kürzer, berichtet das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB). Die Deregulierung habe aber auch positive Effekte: Arbeitslose erhalten häufiger die Gelegenheit zu einer Erwerbstätigkeit in der Zeitarbeitsbranche.

    Die Zeitarbeitsbranche expandiert seit Jahren mit hohen Wachstumsraten. So hat sich die Zahl der Leiharbeitnehmer von 47.000 im Juni 1980 auf 453.000 im Juni 2005 beinahe verzehnfacht.
    Allerdings ist die Leiharbeitsquote - die Zahl der Leiharbeitnehmer im Verhältnis zu allen sozialversicherungspflichtig Beschäftigen - nach wie vor niedrig. Im Jahr 2005 lag sie bei 1,7 Prozent.
    Erst wenn man die Dynamik der Branche berücksichtigt, wird die Bedeutung der Zeitarbeit deutlich: Im Jahr 2005 wurden 738.000 neue Leiharbeitsverhältnisse geschlossen und 724.000 beendet.
    Die Beschäftigungsdauer in der Zeitarbeitsbranche streut breit. Es gibt viele Leiharbeitnehmer, die nur wenige Tage beschäftigt sind. Doch finden sich auch Leiharbeiter, die über mehrere Jahre bei einem Zeitarbeitsbetrieb tätig sind. Im Jahr 2003 standen etwa 65 Prozent der Leiharbeiter nach einem Monat noch im gleichen Arbeitsverhältnis. Nach zwei Monaten waren es nur noch rund 50 Prozent und nach sechs Monaten 25 Prozent. Nur 13 Prozent aller Leiharbeiter waren ein Jahr oder länger ununterbrochen beim selben Zeitarbeitsbetrieb tätig.
    Die Befürchtung, dass Unternehmen systematisch reguläre Arbeitskräfte durch Leiharbeiter ersetzen, wird durch die IAB-Studie nicht bestätigt. Lange Arbeitsverhältnisse sind selten - und nur sie wären geeignet, reguläres Personal zu ersetzen.
    Immer häufiger erhalten Arbeitslose - wenn auch meist nur für kurze Zeit - die Gelegenheit zu einer Erwerbstätigkeit in der Zeitarbeitsbranche. Nur ein Teil fällt im Anschluss in die Arbeitslosigkeit zurück.
    Dennoch zieht die IAB-Studie eine zwiespältige Bilanz der wiederholten Flexibilisierung des Arbeitnehmerüberlassungsrechts in den vergangenen Jahren: Das dadurch erzielte Beschäftigungswachstum in der Zeitarbeitsbranche sei mit einer Verkürzung der Beschäftigungsdauer einhergegangen. "Der Beschäftigungsgewinn ist anscheinend nur um den Preis einer geringeren Beschäftigungsstabilität zu haben", lautet das Fazit der Nürnberger Arbeitsmarktforscher.
    Die IAB-Studie kann unter http://doku.iab.de/kurzber/2006/kb1406.pdf abgerufen werden.

    Leiharbeit, Zeitarbeit oder Arbeitnehmerüberlassung?
    "Leiharbeit" und "Arbeitnehmerüberlassung" sind die Begriffe des Gesetzgebers. Die Branche selbst spricht von "Zeitarbeit". Alle drei Begriffe meinen dasselbe.


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Gesellschaft, Politik, Recht, Wirtschaft
    überregional
    Forschungsergebnisse, Wissenschaftliche Publikationen
    Deutsch


    Hilfe

    Die Suche / Erweiterte Suche im idw-Archiv
    Verknüpfungen

    Sie können Suchbegriffe mit und, oder und / oder nicht verknüpfen, z. B. Philo nicht logie.

    Klammern

    Verknüpfungen können Sie mit Klammern voneinander trennen, z. B. (Philo nicht logie) oder (Psycho und logie).

    Wortgruppen

    Zusammenhängende Worte werden als Wortgruppe gesucht, wenn Sie sie in Anführungsstriche setzen, z. B. „Bundesrepublik Deutschland“.

    Auswahlkriterien

    Die Erweiterte Suche können Sie auch nutzen, ohne Suchbegriffe einzugeben. Sie orientiert sich dann an den Kriterien, die Sie ausgewählt haben (z. B. nach dem Land oder dem Sachgebiet).

    Haben Sie in einer Kategorie kein Kriterium ausgewählt, wird die gesamte Kategorie durchsucht (z.B. alle Sachgebiete oder alle Länder).