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25.10.2007 12:00

Helden leiden weniger: Förderpreis für Schmerzforschung an Züricher Forscher verliehen

Meike Drießen Pressestelle
Deutsche Gesellschaft zum Studium des Schmerzes e.V. (DGSS)

    "Ganz tapfer sein" hilft tatsächlich: Wer sich als Held fühlt und seinem Schmerz einen Sinn beimisst, der hat darunter weniger zu leiden als jemand, der sich als Feigling fühlt und vermeintlich umsonst gepiesackt wird. Diesen Zusammenhang zwischen der eigenen Rollenwahrnehmung und dem Schmerzempfinden belegten Züricher Forscher um Prof. Dr. Gerd Folkers (Collegium Helveticum, Uni ETH Zürich). Sie ließen Probanden im Rollenspiel als Helden eine Prinzessin retten oder als Feiglinge in ein Labyrinth eingesperrt werden. Helden tolerierten schmerzhaftere Reize als Kontrollpersonen, bei Feiglingen sank die Schmerztoleranz sogar. Für ihre Studie wurden die Wissenschaftler beim Deutschen Schmerzkongress in Berlin mit dem mit 3500 Euro dotierten zweiten Preis der Kategorie Grundlagenforschung des Förderpreises für Schmerzforschung 2007 ausgezeichnet. Der Preis wird jährlich vergeben von der Deutschen Gesellschaft zum Studium des Schmerzes e.V. Stifterin ist die Grünenthal GmbH (Aachen).

    Leiden für die Rettung der Prinzessin

    Schmerz entsteht durch das enge Zusammenspiel physiologischer und psychologischer Faktoren. Die Forscher vermuteten, dass das Rollenerleben bestimmte Emotionen auslöst und verstärkt, und dass demnach eine Veränderung des eigenen Rollenerlebens Einfluss auf die Schmerzwahrnehmung haben müsste. Um diese Hypothese zu überprüfen, ließen sie 21 Probanden in verschiedene Rollen schlüpfen: In einem Szenario übernahmen sie die Rolle des Helden, der eine Prinzessin retten muss. In einem Labyrinth begegneten sie schließlich ihrem Widersacher, der ihnen anbot, die Prinzessin freizugeben, wenn sie dafür bereit wären zu leiden. Hitzereize am Unterarm waren der Preis für die Befreiung der Prinzessin. In einem anderen Spiel dachten sich die Probanden in die Rolle des Feiglings hinein. Passiv und eingesperrt waren sie den Schikanen des Gegners ausgeliefert und mussten den sinnlosen Schmerz über sich ergehen lassen. Zur Kontrolle testeten die Forscher die Schmerztoleranz außerdem nach der Lektüre eines wissenschaftlichen Textes und nach einer zehnminütigen Ruhepause.

    Rollenspiele als Strategie in der Schmerzbehandlung

    Um die Schmerztoleranz zu ermitteln, maßen die Wissenschaftler die Leitfähigkeit der Haut, ließen die Studienteilnehmer die Intensität des Schmerzes selbst einschätzen und zeichneten ihre Stimmen vor und nach dem Experiment auf. Bei der Auswertung zeigte sich, dass die Probanden in der Heldenrolle den Schmerz zwar intensiver, aber nicht unangenehmer empfunden hatten als in der Rolle des Feiglings und bei der Kontrollmessung. Sie tolerierten höhere Temperaturen als die Feiglinge und die Kontrollen. In der Rolle des Feiglings hingegen sank die Schmerztoleranz sogar gegenüber der Kontrolle: niedrigere Temperaturen wurden schon als schmerzhaft empfunden. Die Schmerztoleranz der Frauen war generell niedriger und ihre Schmerzbewertung war höher als die der Männer. Die Fähigkeit, in der Rolle ihre Schmerztoleranz zu steigern, war aber bei beiden Geschlechtern gleich. "Das Rollenerleben beeinflusst deutlich die Schmerzempfindung", fasst Prof. Gerd Folkers zusammen. "Rollenspiel-Strategien könnten daher von großem Nutzen für neue Schmerzbehandlungen sein."

    Kontakt

    Prof. Dr. Gerd Folkers, Collegium Helveticum, Tel. +44 632/2307, E-Mail: folkers@collegium.ethz.ch


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Ernährung / Gesundheit / Pflege, Medizin
    überregional
    Forschungsergebnisse
    Deutsch


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