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13.04.2010 14:55

Der Heimvorteil im Fußball - Wie wirkt sich Zuschauerlärm auf Schiedsrichterentscheidungen aus?

Sabine Maas Presse-, Informations- und Transferstelle
Deutsche Sporthochschule Köln

    Heimvorteil - unumstößliches Fußballgesetz, aber gibt es ihn wirklich? Und wenn ja, wie kommt er eigentlich zustande?

    Der Heimvorteil ist eines der am besten untersuchten Phänomene im Sport, das Gebrüll der Zuschauer für "ihre" Mannschaft scheint dabei einer der bestimmenden Faktoren zu sein. Aber was steckt dahinter, warum wirkt sich die Geräuschkulisse positiv auf die Heimmannschaft aus? Welche psychologischen Prozesse beeinflussen die Akteure? Christian Unkelbach (Universität Heidelberg) und Daniel Memmert (Deutsche Sporthochschule Köln) untersuchten die Zusammenhänge vor dem Hintergrund der These, dass sich der Zuschauerlärm vor allem auf die Schiedsrichterentscheidungen auswirkt und so einen Heimvorteil bewirkt.

    Die Sportwissenschaftler analysierten den Heimvorteil (gemessen als Differenz der Tore von Heim- und Auswärtsmannschaft) in 1.530 Spielen der ersten Bundesliga im Hinblick auf den Zusammenhang von Publikumslärm (gemessen als prozentuale Ausnutzung der Zuschauerkapazität unter Berücksichtigung der Stadionbauweise) und Schiedsrichterentscheidung (Zahl der gelben Karten). Die Auswertung der Daten ergab einen Zusammenhang zwischen Zuschauerlärm und der Häufigkeit von gelben Karten gegen das Auswärtsteam. Bezogen auf das Heimteam konnte kein signifikanter Zusammenhang festgestellt werden. Gut gefüllte Fußballstadien führen demnach zu mehr gelben Karten gegen die Auswärtsmannschaft - vor allem in reinen Fußballstadien.

    Doch ist es wirklich so, dass sich der Zuschauerlärm direkt auf die Schiedsrichterentscheidung auswirkt? In einer Studie mit 20 Schiedsrichtern des Deutschen Fußball-Bundes präsentierte das Wissenschaftlerteam den Probanden per Video 56 Foul-Szenen, von denen die Hälfte in der Realität zu einer gelben Karten geführt hatte, mit lauter und weniger lauter Zuschauergeräuschkulisse. Jeder Schiedsrichter wurde aufgefordert, seine Entscheidung, wie im realen Spiel, unmittelbar zu treffen. Unkelbach und Memmert fanden, dass Schiedsrichter bei hohem Lärmpegel signifikant häufiger eine gelbe Karte zeigen, als in der identischen Situation ohne Lärm. Die Vermutung liegt nahe, dass Schiedsrichter unbewusst den Lärm des Publikums als Hinweis für die Schwere eines Fouls nutzen.

    Zuschauerlärm beeinflusst also über die Schiedsrichterentscheidungen das Spiel und führt dadurch zum Heimvorteil.

    KONTAKT FÜR WEITERE INFOS:
    Univ.-Prof. Dr. Daniel Memmert
    Institut für Kognitions- und Sportspielforschung
    Deutsche Sporthochschule Köln
    Tel.: 0221 4982-4330
    Mail: memmert@dshs-koeln.de

    PD Dr. Christian Unkelbach
    Psychologisches Institut
    Universität Heidelberg
    Tel.: 06221 547701
    Mail: christian.unkelbach@
    psychologie.uni-heidelberg.de


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Sportwissenschaft
    überregional
    Forschungsergebnisse
    Deutsch


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