idw – Informationsdienst Wissenschaft

Nachrichten, Termine, Experten

Grafik: idw-Logo
Grafik: idw-Logo

idw - Informationsdienst
Wissenschaft

Medienpartner:
Wissenschaftsjahr


Teilen: 
11.03.2011 15:38

Vernetzte Versorgung

Stefan Zorn Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Medizinische Hochschule Hannover

    Rehaforscher begleiten in die „Medizinisch-beruflich orientierte Rehabilitation“

    Die medizinische Rehabilitation soll durchgängig einen stärkeren Arbeitsbezug erhalten. Zu dieser zentralen Botschaft auf dem Rehabilitationswissenschaftlichen Kolloquium (vom 14. bis 16. März in Bochum) hat die Deutsche Rentenversicherung ein flächendeckendes Stufenmodell vorgelegt. Wie sich die „Medizinisch-beruflich orientierte Rehabilitation“ (MBOR) in der Versorgungspraxis umsetzen lässt, wird derzeit in einem Modellprojekt in sieben Rehazentren erprobt. Die wissenschaftliche Begleitung wurde der Medizinischen Hochschule Hannover in Kooperation mit der Universität Würzburg übertragen.

    „Das Modellprojekt soll das Stufenkonzept in der Praxis testen und zugleich Empfehlungen für ein flächendeckendes Angebot von MBOR-Konzepten liefern“, beschreibt die DRV Bund das Ziel. Die Psychologin Dr. Monika Schwarze von der Koordinierungsstelle Angewandte Rehabilitationsforschung an der Klinik für Rehabilitationsmedizin hat mit dem Projektteam dazu ein umfangreiches Methodendesign entworfen. Neben Erhebungen zur Strukturqualität der Kliniken wollen die Rehaforscher in Interviews mit Mitarbeitern, wiederholten Rehabilitandenbefragungen und einer detaillierten Auswertung ärztlicher Entlassberichte u.a. prüfen:
    - Wie zielgenau werden Patienten mit besonderen beruflichen Problemen identifiziert (Qualität der Zuweisung) ?
    - Wie ist die Qualität der Maßnahmen in den Rehakliniken einzustufen (Qualität der Durchführung) ?
    - Wie beurteilen die Patienten die MBOR-Angebote und ihre Effekte (Akzeptanz, Ergebnisqualität)?

    Stufenkonzept für berufliche Problemlagen
    „Der zusätzliche Nutzen medizinisch-beruflich orientierter Maßnahmen für Patienten mit besonderen beruflichen Problemlagen ist indikationsübergreifend belegt“, betont Dr. Rolf Buschmann-Steinhage, Leiter des Bereichs Reha-Wissenschaften bei der Deutschen Rentenversicherung Bund, die das Projekt fördert. Frühere bundesweite Forschungsprojekte machten zudem deutlich, dass durchschnittlich ein Drittel der erwerbsfähigen Rehabilitanden in ihrer – sozialgesetzlich verankerten - beruflichen Teilhabe so stark beeinträchtigt sind, dass herkömmliche Rehabilitationsangebote nicht ausreichen. Bei langer Arbeitsunfähigkeit, beinträchtiger Leistungsfähigkeit, chronischer Überlastung, Stress durch Konflikte im Berufsleben, Burnout-Risiken oder Arbeitslosigkeit sollen daher evaluierte, möglichst mulitmodale Therapien und Trainings die Patienten befähigen, ihre berufliche Problematik zu bewältigen.

    Ein Basisangebot (Stufe A) besteht dabei in berufsbezogenen Assessments (von kurzen Screenings bis zu weiterführender arbeitsbezogener Diagnostik), Motivierung, Sozialberatung und niederschwelligen Gruppenangeboten etwa zur Stressbewältigung. In ausgewählten Rehakliniken erweitert sich das Angebot um berufsbezogene psychoedukative Gruppen, Arbeitsplatztrainings und Belastungserprobungen (Stufe B) bis hinzu spezifischen Maßnahmen in Schwerpunktkliniken (Stufe C) für Patienten mit besonders hohem Bedarf an berufsbezogener Unterstützung. Spätestens hier wird die durchgängig angestrebte Vernetzung mit Betriebsärzten und Berufsförderungswerken unabdingbar.

    Wichtiger Schritt zu bedarfsgerechter Rehabilitation
    Bereits seit zwei Jahrzehnten wächst die Zahl berufsbezogener Angebote in den Kliniken. „Die Versorgungspraxis folgt dabei allerdings selten einer systematischen Strategie“, weiß Dr. Schwarze. So zeigte eine bundesweite Versorgungsanalyse aus dem Jahr 2003, „dass orthopädische Rehabilitanden mit ausgeprägter Berufsproblematik nur in etwa zehn bis 15 Prozent der damals befragten Kliniken eine bedarfsgerechte Versorgung mit berufsbezogenen Leistungen erhielten“. Das Forschungsprojekt zum MBOR-Management gilt daher als wichtiger Schritt auf dem Weg zu einer evidenzbasierten, bedarfsadäquaten Rehabilitation.

    „MBOR-Management“
    Projekt zur formativen Evaluation der Medizinisch-beruflich orientierten Rehabilitation (MBOR), Kooperationsprojekt der Universität Würzburg und Medizinischen Hochschule Hannover

     MH Hannover

    Klinik für Rehabilitationsmedizin
    (Direktor Prof. Dr. med. Christoph Gutenbrunner)
    Koordinierungsstelle Angewandte Rehablitationsforschung
    Dr. Monika Schwarze
    Dr. Matthias Bethge

    Institut für Epidemiologie, Sozialmedizin und Gesundheitssystemforschung
    Forschungsbereich Integrative Rehabilitationsforschung
    (Leiter Prof. Dr. Thorsten Meyer)
    Dr. Iris Brandes (gesundheitsökonomische Begleitung)

     Universität Würzburg

    Institut für Psychotherapie und Medizinische Psychologie
    (Direktor Prof. Dr. med. Dr. phil. Hermann Faller)
    Dr. Silke Neuderth
    Dr. Heiner Vogel

    Projektdauer: 01.10.2010 bis 31.03.2012;
    im Auftrag der Deutschen Rentenversicherung Bund

    Kontakt zur Projektleitung:
    Medizinische Hochschule Hannover
    Klinik für Rehabilitationsmedizin
    Koordinierungsstelle Angewandte Rehabilitationsforschung
    Carl-Neuberg-Str. 1, 30625 Hannover
    Schwarze.Monika@MH-Hannover.de


    Weitere Informationen:

    http://www.forschung.deutsche-rentenversicherung.de - Rehabilitationswissenschaftliches Kolloquium


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten
    Medizin
    überregional
    Forschungsprojekte, Wissenschaftliche Tagungen
    Deutsch


    Hilfe

    Die Suche / Erweiterte Suche im idw-Archiv
    Verknüpfungen

    Sie können Suchbegriffe mit und, oder und / oder nicht verknüpfen, z. B. Philo nicht logie.

    Klammern

    Verknüpfungen können Sie mit Klammern voneinander trennen, z. B. (Philo nicht logie) oder (Psycho und logie).

    Wortgruppen

    Zusammenhängende Worte werden als Wortgruppe gesucht, wenn Sie sie in Anführungsstriche setzen, z. B. „Bundesrepublik Deutschland“.

    Auswahlkriterien

    Die Erweiterte Suche können Sie auch nutzen, ohne Suchbegriffe einzugeben. Sie orientiert sich dann an den Kriterien, die Sie ausgewählt haben (z. B. nach dem Land oder dem Sachgebiet).

    Haben Sie in einer Kategorie kein Kriterium ausgewählt, wird die gesamte Kategorie durchsucht (z.B. alle Sachgebiete oder alle Länder).