idw – Informationsdienst Wissenschaft

Nachrichten, Termine, Experten

Grafik: idw-Logo
Grafik: idw-Logo

idw - Informationsdienst
Wissenschaft

Medienpartner:
Wissenschaftsjahr


Teilen: 
12.04.2011 11:08

Forschungspreis zur Medizin in der NS-Zeit an Tübinger Doktorandin

Michael Seifert Hochschulkommunikation
Eberhard Karls Universität Tübingen

    Sabine Rueß wurde für ihr Buch über Stuttgarter jüdische Ärzte während des Nationalsozialismus ausgezeichnet

    In Berlin nahm kürzlich Dr. Sabine Rueß den Hauptpreis der zum dritten Mal verliehenen Forschungspreise für die historische Aufarbeitung der Rolle der Ärzteschaft in der NS-Zeit entgegen. Rueß erhielt den Preis für ihr Buch „Stuttgarter jüdische Ärzte während des Nationalsozialismus“, das auf ihrer am Institut für Ethik und Geschichte der Medizin der Universität Tübingen verfassten Dissertation basiert. Doktorvater war Prof. Dr. med. Albrecht Hirschmüller. Die mit insgesamt 10 000 Euro dotierten Forschungspreise wurden vom Bundesgesundheitsministerium, der Bundesärztekammer und der Kassenärztlichen Bundesvereinigung gestiftet. Rueß arbeitet derzeit als Assistenzärztin in der Abteilung für Psychosomatische Medizin im Robert-Bosch-Krankenhaus in Stuttgart.

    Für die Jury ist die Arbeit „nicht nur ein herausragendes Gedenkbuch, das die Opfer aus der Anonymität“ heraushole. Es sensibilisiere auch die nachwachsende Ärztegeneration dafür, dass Zivilcourage möglich und ein bleibendes Thema ärztlicher Ethik sei.

    1933 begann mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten eine systematische und juristisch legitimierte Ausschaltung aller jüdischen Ärzte. Im Deutschen Reich waren 1933 mindestens 6500 Ärzte von der rassistisch begründeten Verfolgung der nationalsozialistischen Machthaber betroffen. In Stuttgart lebten zu diesem Zeitpunkt 86 jüdische Ärzte und Ärztinnen. In ihrem Buch hat Sabine Rueß deren Lebensläufe rekonstruiert. In den Biographien der jüdischen Ärzte spiegelt sich die Ausschaltung und Absonderung von ihren nichtjüdischen Kollegen wieder, die in der Verfolgung, der physischen Vernichtung oder der lebensrettenden Emigration endete. Der existentielle biographische Bruch, die Demütigung, die sukzessive
    Entrechtung, die Angst vor der physischen Vernichtung und die Schwierigkeiten des Neuanfangs in der Emigration, aber auch die Fortsetzung der Diskriminierung in der Auseinandersetzung um Wiedergutmachung werden in den Einzelschicksalen dargestellt.

    Universität Tübingen
    Hochschulkommunikation
    Leiterin Myriam Hönig

    Abteilung Presse, Forschungsberichterstattung, Information
    Michael Seifert
    Telefon +49 7071 29-76789
    Telefax +49 7071 29-5566
    http://michael.seifert[at]uni-tuebingen.de
    http://www.uni-tuebingen.de/aktuelles


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten
    Geschichte / Archäologie, Medizin, Philosophie / Ethik
    überregional
    Forschungsergebnisse, Wettbewerbe / Auszeichnungen
    Deutsch


    Hilfe

    Die Suche / Erweiterte Suche im idw-Archiv
    Verknüpfungen

    Sie können Suchbegriffe mit und, oder und / oder nicht verknüpfen, z. B. Philo nicht logie.

    Klammern

    Verknüpfungen können Sie mit Klammern voneinander trennen, z. B. (Philo nicht logie) oder (Psycho und logie).

    Wortgruppen

    Zusammenhängende Worte werden als Wortgruppe gesucht, wenn Sie sie in Anführungsstriche setzen, z. B. „Bundesrepublik Deutschland“.

    Auswahlkriterien

    Die Erweiterte Suche können Sie auch nutzen, ohne Suchbegriffe einzugeben. Sie orientiert sich dann an den Kriterien, die Sie ausgewählt haben (z. B. nach dem Land oder dem Sachgebiet).

    Haben Sie in einer Kategorie kein Kriterium ausgewählt, wird die gesamte Kategorie durchsucht (z.B. alle Sachgebiete oder alle Länder).