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26.04.2011 16:43

Lungenkrebs: neuer Ansatz für die Chemotherapie

Sylvia Kloberdanz Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Wilhelm Sander-Stiftung

    Eine erhöhte Konzentration des Enzyms „Histondeacetylase 2“ in Tumorzellen scheint die Überlebenschancen von Lungenkrebspatienten zu verringern. Dies hat das Forscherteam um Dr. Oliver H. Krämer an der Universität Jena herausgefunden. Nun wollen die Wissenschafter die Mechanismen klären, durch die das Enzym das Tumorwachstum fördert. Ziel ist es, darauf aufbauend Anknüpfungspunkte für eine Chemotherapie ausfindig zu machen.

    Eine Fehlregulation bestimmter Eiweiße in der Körperzelle kann die Entstehung von Tumoren und letztendlich von Krebs hervorrufen. Durch die Streuung von Krebszellen, die sogenannte Metastasierung, entstehen Tochtergeschwüre des Tumors im Körper. Die Bildung solcher Metastasen verschlechtert die Heilungschancen einer Krebserkrankung drastisch. Chemotherapeutische Medikamente gehören zum Arsenal klinischer Strategien gegen Krebs. Um die richtigen Chemotherapeutika zu finden, ist es wichtig, die molekularen Veränderungen in der Zelle detailliert zu verstehen. In zahlreichen Tumoren haben Forscher das Enzym „Histondeacetylase 2“, kurz „HDAC2“, in erhöhter Konzentration festgestellt. Dr. Oliver H. Krämer und sein Team konnten in Kooperation mit Prof. Dr. Iver Petersen, Universitätsklinikum Jena, bei Lungenkrebsproben zeigen, dass ein erhöhter Spiegel dieses Eiweißes die Überlebenschancen der Patienten verringert. Die Wissenschaftler gehen deshalb davon aus, dass HDAC2 eine wichtige Rolle bei der Tumorbildung spielt. Bereits bekannt war, dass HDAC2 als Steuerungselement die Produktion und Funktion von Eiweißen in der Zelle reguliert.

    In Kooperation mit dem Biochemiker Prof. Dr. Thorsten Heinzel aus Jena und dem Toxikologen Prof. Dr. Martin Göttlicher am Helmholtz Zentrum München haben die Forscher detailliertere Beobachtungen gemacht: HDAC2 alleine oder zusammen mit ihm verwandten Proteinen aktiviert unter anderem Gene und Eiweiße, die eine Metastasierung begünstigen. Umgekehrt führte eine Hemmung von HDAC2 durch geeignete Substanzen im Tiermodell zu einer Verminderung des Wachstums von Tumoren und blockierte die Metastasierung. Auf Grund dieser Tatsachen kann HDAC2 nicht nur als ein wichtiges Indiz dienen, um bösartige Zellen und Gewebe zu identifizieren, sondern bietet gleichzeitig einen möglichen Angriffspunkt für die Therapie von Krebs.
    Die Arbeitsgruppe um Dr. Oliver Holger Krämer testet in einem von der Wilhelm Sander-Stiftung geförderten Forschungsprojekt verschiedene Chemotherapeutika in Kombination mit einer gezielten Hemmung von HDAC2 als denkbare Therapiemöglichkeit für Krebserkrankungen.

    Die Wilhelm Sander-Stiftung fördert dieses Forschungsprojekt mit über 90.000 Euro. Stiftungszweck der Stiftung ist die medizinische Forschung, insbesondere Projekte im Rahmen der Krebsbekämpfung. Seit Gründung der Stiftung wurden dabei insgesamt über 190 Mio. Euro für die Forschungsförderung in Deutschland und der Schweiz bewilligt. Die Stiftung geht aus dem Nachlass des gleichnamigen Unternehmers hervor, der 1973 verstorben ist.

    Kontakt:
    PD Dr. Oliver H. Krämer (Projektleitung)
    Abteilung Biochemie am Zentrum für Molekulare Biomedizin (CMB) der Friedrich-Schiller-Universität Jena.
    E-Mail: Oliver.Kraemer@uni-jena.de


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten, Wissenschaftler
    Medizin
    überregional
    Forschungsprojekte
    Deutsch


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