idw – Informationsdienst Wissenschaft

Nachrichten, Termine, Experten

Grafik: idw-Logo
Grafik: idw-Logo

idw - Informationsdienst
Wissenschaft

Medienpartner:
Wissenschaftsjahr


Teilen: 
02.05.2011 11:04

Theodor-Frerichs-Preis der DGIM geht an Freiburger Krebsforscher

Anna Julia Voormann Pressestelle
Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin e. V.

Wiesbaden – Hepatitis-C-Viren, die Erreger einer schweren Leberentzündung, bleiben außerhalb des Körpers wesentlich länger infektiös als bisher angenommen. Dies konnte Dr. med. Sandra Ciesek von der Medizinischen Hochschule Hannover jetzt mit einem neuen Zellkulturmodell zeigen. Ihre Tests ergaben außerdem, dass die Viren eine oberflächliche Reinigung mit mehreren Desinfektions¬mitteln überstehen. Für ihre Erkenntnisse zeichnete die Deutsche Stiftung Innere Medizin (DSIM) die Medizinerin im Rahmen des 117. Internistenkongresses der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM) mit dem Präventionspreis der DGIM aus. Der Preis ist mit 10 000 Euro dotiert.

Mit bis zu 130 Millionen Infizierten gehört Hepatitis C zu den weitest verbreiteten Infektionskrankheiten der Welt. In Deutschland leben nach Angaben des Robert Koch-Instituts etwa eine halbe Million Virusträger. Sie erleiden nach anfänglich nur grippeähnlichen Symptomen unbehandelt eine Leberentzündung bis hin zum Leberkrebs. Zwischen 15 und 60 Prozent der Betroffenen stecken sich beim Arzt oder im Krankenhaus an. Diese sogenannte nosokomiale Infektion erfolgt ausschließlich über den Blutweg. Ausreichende Hygiene könnte dies verhindern. Jedoch müsste diese sehr viel weiter reichen, als bisher angenommen, folgert Ciesek aus ihren Ergebnissen.

Lange Zeit war es nicht möglich, das Hepatitis-C-Virus in Zellkulturen zu vermehren. Die Überlebenszeiten der Viren außerhalb des Körpers waren unbekannt. Sandra Ciesek entwickelte deshalb ein neues Zellkulturmodell. „Es zeigt uns, dass wir die Stabilität des Virus bisher deutlich unterschätzt haben“, so die 1978 geborene Assistenzärztin: Bei Raumtemperatur sei das Virus noch nach 28 Tagen ansteckend, bei vier Grad Celsius sogar noch nach 150 Tagen. Zudem überlebt es nicht nur, wie bisher angenommen, in sichtbaren Verunreinigungen mit menschlichem Blutserum. Auch auf vermeintlich sauberen Oberflächen wie Plastik, Stahl oder auf Handschuhen verbirgt es sich. Selbst wenn Ärzte das Virus nicht mit einem Gentest nachweisen könnten, bestünde Ansteckungsgefahr, so die Preisträgerin. Weitere Tests ergaben, dass bestimmte Desinfektionsmittel die Viren nur bei unverdünnter Anwendung vollständig abtöten.

“Diese neuen Erkenntnisse sind für den klinischen Alltag und den sicheren Umgang mit HCV-haltigem Material von großer Relevanz”, begründet die Jury aus Vorstand und Ausschuss der DGIM ihre Entscheidung. Die Tests könnten helfen, das Risiko nosokomialer Infektionen künftig zu senken.

Die DGIM verleiht den Präventionspreis der Deutschen Stiftung für Innere Medizin jährlich für herausragende Publikationen aus dem deutschsprachigen Raum über Themen der Primär- und Sekundär-Prävention innerer Erkrankungen. Sowohl experimentelle Ergebnisse als auch epidemiologisch interessante Fragestellungen kommen für die Preisverleihung in Betracht.

Studie:
http://jid.oxfordjournals.org/content/201/12/1859.full.

Bei Veröffentlichung Beleg erbeten.

Kontakt für Journalisten:
Anna Julia Voormann
Postfach 30 11 20
70451 Stuttgart
Telefon: 0711 8931-552
Fax: 0711 8931-167
voormann@medizinkommunikation.org
http://www.dgim2011.de
http://www.dgim.de


Ergänzung vom 02.05.2011

Theodor-Frerichs-Preis der DGIM geht an Freiburger Forscher
Wichtiger Mechanismus für Spender-Empfänger-Erkrankung bei Leukämietherapie aufgeklärt

Wiesbaden – Mit Stammzellen können Ärzte den Blutkrebs Leukämie häufig heilen. Doch die Spenderzellen vernichten nicht nur die Krebszellen, sie greifen auch gesunde Zellen des Empfängers an. Warum diese sogenannte Graft-versus-Host-Erkrankung mitunter lebensbedrohlich verläuft, haben Wissenschaftler jetzt erforscht. Für die in der Zeitschrift Nature Medicine veröffentlichten Erkenntnisse zeichnet die Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM) Privatdozent Dr. Robert Zeiser vom Universitätsklinikum Freiburg mit dem Theodor-Frerichs-Preis 2011 aus. Die DGIM verlieh den mit 30 000 Euro dotierten Preis im Rahmen der Festlichen Abendveranstaltung ihres 117. Kongresses am 1. Mai 2011 in Wiesbaden.

Krebserkrankungen wie etwa Leukämie oder Lymphknotenkrebs behandeln Ärzte seit Jahrzehnten erfolgreich mit Stammzellen aus Knochenmarkspenden. Doch häufig greifen die Stammzellen vom Spender – dem Graft – das gesunde Gewebe des Empfängers – dem Host – an. Dann kommt es zur sogenannten Graft-versus-Host-Erkrankung (GvHD). Sie schädigt Gewebe wie Haut, Darm und Leber. In bestimmten Fällen verläuft die Abstoßungsreaktion lebensbedrohlich. Dies betrifft insbesondere Patienten, die vor der Stammzellübertragung eine Strahlentherapie durchlaufen haben.

Weshalb gerade diese Patienten betroffen sind, hat die Arbeitsgruppe um Dr. Zeiser jetzt aufdeckte. Die Forscher zeigten, dass das Gewebe nach der Strahlentherapie die Signal¬substanz Adenosintriphosphat (ATP) freisetzt. Dies verschlechtert die GvHD. Im Tiermodell gelang es Zeiser und Kollegen auf zwei Wegen, die schädliche Wirkung von ATP zu verhindern: Indem er den Empfänger für ATP blockiert, macht er das ATP unwirksam. Darüber hinaus verbessert die Gabe des Enzyms „Apyrase“ die Überlebenschancen der Tiere. Apyrase spaltet ATP, bevor dieses seine schädliche Signalwirkung entfaltet.

“Die Erkenntnisse des 1975 geborenen Krebsforschers Zeiser sind von unmittelbarer Bedeutung für die Transplantationsmedizin”, begründen die Juroren der DGIM ihre Entscheidung: “Es steht zu erwarten, dass Ärzte mit diesen neuen Behandlungsansätzen unkontrollierte Immunantworten bei GvHD, aber auch Transplantationsabstoßung oder Sepsis, zukünftig gezielter behandeln können.”

Der Preis ist nach dem Präsidenten des ersten Deutschen Kongresses für Innere Medizin – dem Internisten Friedrich Theodor von Frerichs – benannt. Mit dem Preis würdigt die DGIM die beste zur Bewerbung eingereichte, möglichst klinisch-experimentelle Arbeit auf diesem Gebiet im deutschsprachigen Raum. Die Fachgesellschaft verleiht die Auszeichnung jährlich im Rahmen der Festlichen Abendveranstaltung ihrer Jahrestagung in Wiesbaden.

Die ausgezeichnete Studie:

Wilhelm K, Ganesan J, Müller T, Dürr C, Grimm M, Beilhack A, Krempl CD, Sorichter S, Gerlach UV, Jüttner E, Zerweck A, Gärtner F, Pellegatti P, Di Virgilio F, Ferrari D, Kambham N, Fisch P, Finke J, Idzko M, Zeiser R. Graft-versus-host disease is enhanced by extracellular ATP activating P2X7R. Nature Medicine 2010; 16(12):1434-8URL

Bei Veröffentlichung Beleg erbeten.

Pressekontakt für Rückfragen:
DGIM Pressestelle
Anna Julia Voormann
Postfach 30 11 20
70451 Stuttgart
Telefon: 0711 8931-552
Fax: 0711 8931-167
voormann@medizinkommunikation.org
http://www.dgim2011.de
http://www.dgim.de


Merkmale dieser Pressemitteilung:
Journalisten
Medizin
überregional
Forschungs- / Wissenstransfer, Wettbewerbe / Auszeichnungen
Deutsch


Hilfe

Die Suche / Erweiterte Suche im idw-Archiv
Verknüpfungen

Sie können Suchbegriffe mit und, oder und / oder nicht verknüpfen, z. B. Philo nicht logie.

Klammern

Verknüpfungen können Sie mit Klammern voneinander trennen, z. B. (Philo nicht logie) oder (Psycho und logie).

Wortgruppen

Zusammenhängende Worte werden als Wortgruppe gesucht, wenn Sie sie in Anführungsstriche setzen, z. B. „Bundesrepublik Deutschland“.

Auswahlkriterien

Die Erweiterte Suche können Sie auch nutzen, ohne Suchbegriffe einzugeben. Sie orientiert sich dann an den Kriterien, die Sie ausgewählt haben (z. B. nach dem Land oder dem Sachgebiet).

Haben Sie in einer Kategorie kein Kriterium ausgewählt, wird die gesamte Kategorie durchsucht (z.B. alle Sachgebiete oder alle Länder).