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19.05.2011 14:36

Medikamente per Mausklick und „Überlebenskunst“

Irina Urig Pressestelle der Universität des Saarlandes
Universität des Saarlandes

    Saar-Uni mit zwei Exponaten auf Wissenschaftsschiff vertreten - MS Wissenschaft geht im Juli und August auch in Merzig, Saarlouis und Saarbrücken vor Anker

    Die MS Wissenschaft ist ein umgebautes Binnenfrachtschiff, das allgemein verständliche Wissenschaftsaussstellungen an Bord hat. Die Initiative Wissenschaft im Dialog (WiD) schickt das Schiff seit 2002 regelmäßig auf eine Tour durch ganz Deutschland. Im „Wissenschaftsjahr 2011 – Forschung für unsere Gesundheit“ hat die MS Wissenschaft eine Ausstellung zu Themen der Gesundheitsforschung an Bord. Eröffnet wird die Schau am heutigen Donnerstag, 19. Mai, in Stuttgart. Mit dabei sind in diesem Jahr auch zwei Exponate der Universität des Saarlandes: Die Fachrichtung Bioinformatik zeigt ihre Software BALLView, mit der Pharmazeuten am Computer Wirkstoffe entwickeln können. Ebenfalls zu sehen ist ein Teil der Ausstellung „Überlebenskunst“, die der Homburger Klinik für Pädiatrische Hämatologie und Onkologie und dem Luxemburger Verein „Ein Herz für krebskranke Kinder“ gehört. Auf großen Bildtafeln sind Kinder abgebildet, die schwere Krankheiten haben.

    Rechts die Visualisierung eines menschlichen Enzyms in Komplex mit einem Wirkstoff- Molekül und links die erklärende Webpage dazu – so sieht die e-Learning-taugliche Version der Software BALLView aus, die Professor Andreas Hildebrandt und die Saarbrücker Bioinformatiker für die Ausstellung auf der MS Wissenschaft entworfen haben. Auf einem 3-D-Fernseher können sich die Besucher beispielsweise anschauen, wie Aspirin wirkt. „Ein Molekül namens Cyclooxygenase produziert bestimmte Signale, die Prostaglandine. Diese lösen dann den Kopfschmerz aus. Auf dem 3-D-Monitor sehen wir, wie das Medikament Aspirin an der Cyclooxygenase andockt, die Bildung von Prostaglandinen verhindert und so den Schmerz blockiert. Der Wirkstoff steckt dabei quasi wie ein Schlüssel im Schloss“, erklärt Bioinformatiker Stefan Nickels. Wissenschaftler in Saarbrücken und Tübingen haben die Software BALLView programmiert, um die Entwicklung neuer Medikamente zu beschleunigen. Mit Hilfe der Software können Pharmazeuten wie in einem 3-D-Kino in die virtuelle Welt von Wirkstoff-Molekülen, DNA und Viren eintauchen. So gewinnen sie einen besseren räumlichen Eindruck von Molekülen und können damit leichter den Wirkstoff finden, der wie ein Schlüssel in das so genannte Rezeptor-Molekül im Körper passt.

    Das Programm BALLView wird bereits von vielen Forschern rund um den Globus in Forschung und Lehre eingesetzt. „Durch die Software hat man quasi ein kleines Medikamenten-Design-Labor am Computer“, erklärt Bioinformatikerin Sabine Müller. Für die Ausstellung auf der MS Wissenschaft haben die Forscher ihr Programm für ein breites Publikum aufbereitet vereinfacht. Neben der Aspirin-Demoversion können sich die Besucher auch die Wirkung eines Aids-Medikamentes oder die Entstehung von Brustkrebs und Leukämie ansehen. „Geplant ist, das Programm nach der Ausstellung auch für E-Learning-Projekte und Vorträge in Schulen zu verwenden“, sagt Sabine Müller.

    Um „Überlebenskunst“ geht es bei einem zweiten Exponat der Universität des Saarlandes, das auf der diesjährigen Tour der MS Wissenschaft gezeigt wird. Auf mehreren großen Bildtafeln sind kranke Kinder abgebildet, die unter schweren, seltenen Krankheiten leiden. In den Begleittexten erzählen sie selbst oder ihre Eltern über ihr Leben. Trotz oder gerade wegen ihrer Krankheit zeigen die Kinder eine sehr große Kraft und Zuversicht. Unter anderem ist ein Bild der 15-jährigen Sabrina zu sehen, die an Rheuma leidet und deshalb viele Medikamente einnehmen muss. Ihr größter Wunsch ist es, noch zu wachsen und eines Tages eine eigene Familie zu haben. Der Leukämie-kranke Patrick erzählt auf einer Bildtafel, dass er weniger mit seinen Freunden streitet, seit er die Krankheit hat. Die sechsjährige Sina hat sich im Alter von drei Jahren verätzt und durfte zwei Wochen lang nur Joghurt essen. Heute geht es Sina wieder gut, bald kommt sie in die Schule. Entstanden ist die Bildersammlung in Zusammenarbeit zwischen dem Künstler YAPH (Yousef A.P. Hakimi) und der Villa Kunterbunt, einem Betreuungs- und Nachsorgezentrum für schwerkranke Kinder in Trier. Danach hat die Vereinigung „Ein Herz für krebskranke Kinder“ in Luxemburg die Ausstellung erworben und die Hälfte an die Klinik für Pädiatrische Hämatologie und Onkologie unter Leitung von Professor Norbert Graf am Universitätsklinikum des Saarlandes in Homburg verschenkt.

    Die MS Wissenschaft tourt vom 19. Mai bis 29. September durch insgesamt 35 Städte in Deutschland und Österreich. Dabei macht sie auch Station in Merzig (30. bis 31. Juli, Schiffsanleger Höhe Stadthalle), Saarlouis (1. bis 3. August, Saint-Nazairer-Allee 2) und beim Saarspektakel in Saarbrücken (5. bis 7. August, Höhe Congresshalle bei der Luisenbrücke). Der Eintritt zur Ausstellung ist frei. Veranstalter ist die Wissenschaft im Dialog gGmbH. Finanziert wird das Schiff vom Bundesministerium für Bildung und Forschung.

    Kontakte:

    Software BALLView
    Prof. Dr. Andreas Hildebrandt
    Tel.: 06131/39-23334,
    E-Mail: ahildebr@uni-mainz.de

    Bildtafeln „Überlebenskunst“
    Prof. Dr. Norbert Graf, Universitätsklinikum des Saarlandes
    Tel.: 06841 / 16-28397, -28399
    E-Mail: norbert.graf@uniklinikum-saarland.de
    oder
    Marie-Marthe Bruck-Clees
    Präsidentin "Ein Herz für krebskranke Kinder"
    Tel.: 00352 / 51 46 29-26 oder 00352 / 51 46 29-1
    E-Mail: mmbruck@kriibskrankkanner.lu


    Weitere Informationen:

    http://www.ms-wissenschaft.de
    http://www.forschung-fuer-unsere-gesundheit.de


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten, Lehrer/Schüler, jedermann
    Gesellschaft, Informationstechnik, Medizin
    regional
    Buntes aus der Wissenschaft, Schule und Wissenschaft
    Deutsch


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