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24.05.2011 11:01

Probanden gesucht: Studie zu neuartiger Therapie von Multipler Sklerose am TRM Leipzig

Manuela Lißina-Krause Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Translational Centre for Regenerative Medicine (TRM) Leipzig

    Ein bekanntes Medikament künftig bei der Behandlung von Multipler Sklerose zu nutzen, ist das Ziel von PD Dr. Florian Then Bergh und Dr. Barbara Ettrich. Mit Unterstützung des Translationszentrums für Regenerative Medizin Leipzig führen die Neurologen derzeit eine Pilotstudie am Universitätsklinikum Leipzig durch. Im Mittelpunkt steht die Frage: Eignet sich das rekombinante humane Wachstumshormon für die Regeneration von Nervenzellen bei Multipler Sklerose? In einem ersten Schritt wird das Hormon auf seine Sicherheit für die MS-Erkrankte geprüft. Die ersten Ergebnisse zeigen: Das Medikament ist sicher. Jetzt werden für die Studie weitere Teilnehmerinnen und Teilnehmer gesucht.

    In Deutschland sind nach Hochrechnungen rund 130.000 Menschen an Multipler Sklerose (MS) erkrankt. Die Ursachen und die Mechanismen dieser chronischen Entzündung des Zentralen Nervensystems sind bislang nicht vollständig geklärt. Das bedeutet: Die Therapie gilt derzeit vor allem der Reduktion der Häufigkeit und Intensität von Schüben. Parallel suchen Wissenschaftler nach Ansatzpunkten, um die Reparatur der entstandenen Schäden zu fördern.
    Eine Chance, jene Zellen, die das Myelin im Zentralen Nervensystem bilden, zum Wachstum anzuregen und somit die Regeneration der Myelinscheiden zu fördern, kann der Einsatz eines rekombinanten humanen Wachstumshormons bieten, das bereits für die Behandlung von Wachstumsstörungen bei Kindern und Hypophysen-Tumoren bei Erwachsenen zugelassen ist. Somit sind die Neben- und Langzeitwirkungen des Medikaments bereits bekannt und geprüft. In Laborversuchen zeigte sich, dass das Wachstumshormon auch eine positive Wirkung auf die Regeneration der Myelinscheiden haben kann. Gemeinhin schützen diese Biomembranen die Fortsätze von Nervenzellen in Gehirn und Rückenmark wie ein Mantel und spielen eine wichtige Rolle bei der Reizweiterleitung; doch durch die Multiple Sklerose sind sie derart geschädigt, dass die Betroffenen – zumeist junge Erwachsene – unter Empfindungs-, Seh- und Sprachstörungen sowie Lähmungserscheinungen leiden, die Funktion von Blase und Darm beeinträchtigt sein kann und eine rasche physische und psychische Ermüdung einsetzt.
    An den geschädigten Myelinscheiden setzen PD Dr. Florian Then Bergh und Dr. Barbara Ettrich mit ihrem TRM-Forschungsvorhaben an. Der Neurologe und die Assistenzärztin für Neurologie untersuchen im Rahmen einer Patientenstudie, die derzeit an der Klinik und Poliklinik für Neurologie des Universitätsklinikums Leipzig in Kooperation mit dem Translationszentrum für Regenerative Medizin Leipzig und Pfizer Deutschland GmbH realisiert wird, die Regeneration von Myelinscheiden bei Multipler Sklerose. „Im Ergebnis geht es darum, ein neues Therapieprinzip für die Multiple Sklerose zu erschließen und dafür ein bereits bekanntes Medikament zu verwenden“, skizziert PD Dr. Florian Then Bergh die Ausgangslage.
    In einem ersten Schritt wird momentan das Wachstumshormon auf seine Sicherheit für MS-Patienten und -Patientinnen geprüft. „Am Anfang müssen wir die Gewissheit herstellen, dass die Erkrankung durch die Anwendung des Hormons nicht verschlimmert wird“, erläutert Dr. Ettrich. Momentan nehmen 18 MS-Betroffene an der Studie teil – und die verpflichtenden Sicherheitsanalysen nach den ersten vier Patienten zeigen: „Das Wachstumshormon ist gut verträglich, das individuelle Befinden ist nicht beeinträchtigt und die entzündlichen Aktivitäten nehmen nicht zu.“
    Somit kann die Studie in die nächste Phase gehen und der Kreis der Probanden auf insgesamt 30 erweitert werden. Insgesamt dauert die Sicherheitsstudie ein Jahr für jeden Teilnehmenden; drei Monate für die Vorabanalysen, sechs Monate für die Therapie mit dem Wachstumshormon und weitere drei Monate für die nachfolgenden neurologischen, augenärztlichen, elektrophysiologischen und allgemeinärztlichen Untersuchungen. Jeweils ein Mal im Monat erfolgt ein MRT-Check direkt in Leipzig.
    Das Interesse an der Studie ist groß, wie Foren und Blogs im Internet zeigen. Trotzdem fehlen noch zwölf Patienten resp. Patientinnen, um der Studie Aussagekraft und Verbindlichkeit zu geben. Allerdings kann nicht jeder MS-Betroffene teilnehmen. „Die Ein- und Ausschlusskriterien sind relativ streng“, erläutert Dr. Barbara Ettrich, „weil die Sicherheit der Patienten im Mittelpunkt steht.“ Als Neurologin ist sie die Ansprechpartnerin für die Teilnehmer und Teilnehmerinnen an der Sicherheitsstudie.
    Erst wenn diese abgeschlossen ist – voraussichtlich im März 2013, kann in einem zweiten Schritt die Wirksamkeit des Wachstumshormons hinsichtlich einer Remyeliniserung weiter untersucht werden. Fallen auch diese Ergebnisse positiv aus, ist zuguterletzt die angestrebte Erweiterung der MS-Therapie erreicht: Die Behandlung neurologischer Defizite bei Multipler Sklerose. „Dies würde für die Betroffenen die Aussicht auf Besserung bedeuten, während wir jetzt bestenfalls die weitere Verschlechterung verhindern können“, hoffen PD Dr. Florian Then Bergh und seine Kollegin Dr. Barbara Ettrich.

    Hintergrund TRM Leipzig:
    Das Translationszentrum für Regenerative Medizin (TRM) Leipzig wurde im Oktober 2006 gegründet, um Forschungsergebnisse der regenerativen Medizin zügig in die klinische Anwendung zu überführen. Das Zentrum unterstützt junge Forschungsvorhaben, die Produkte und Verfahren für Diagnostik und Therapie entwickeln und erfolgreich in die klinische Anwendung bringen wollen. Es wird durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung, den Freistaat Sachsen und die Universität Leipzig gefördert.


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten, jedermann
    Medizin
    überregional
    Forschungsprojekte
    Deutsch


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