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27.05.2011 10:07

Ribosomen – Neuer Sonderforschungsbereich erforscht Hochleistungsmaschinen biologischer Zellen

Alexander Schlaak Referat II/2, Kommunikation
Universität Regensburg

    Wie Ribosomen entstehen und wie sie bei der Produktion von Proteinen in biologischen Zellen kontrolliert werden, wird nun von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern der Universität Regensburg in einem groß angelegten Forschungsverbund untersucht. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) fördert den neuen Sonderforschungsbereich (SFB) 960 „Die Bildung von Ribosomen: Grundlagen der RNP-Biogenese und Kontrolle ihrer Funktion“ über einen Zeitraum von vier Jahren mit etwa 9 Millionen Euro.

    Ribosomen sind als zelluläre Fabriken für die Herstellung von Eiweißen verantwortlich und bestimmen damit die Funktionen und die Struktur aller biologischen Zellen. Bis zu 200.000 Stück von ihnen kommen in jeder Zelle vor. Doch Ribosomen sind nicht nur selbst komplexe Hochleistungsmaschinen, auch ihre eigene Entstehung (Synthese) ist ein sehr komplizierter Vorgang. Dafür scheint das exakte Zusammenspiel von etwa 300 unterschiedlichen Faktoren notwendig zu sein. Jeder fehlerhafte Einzelschritt im Verlauf der Ribosomenproduktion hat fatale Konsequenzen für eine Zelle, da sie nur mit funktionierenden Ribosomen lebensfähig ist. Wie Ribosomen in den Zellen zusammengebaut werden und wie ihre Funktion kontrolliert wird, ist allerdings noch wenig bekannt und wird gegenwärtig intensiv diskutiert. Die offenen Fragen im Zusammenhang mit der Entstehung und der Regulation von Ribosomen zählen deshalb zu den großen Herausforderungen der modernen Biowissenschaften.

    Die Beantwortung dieser Fragen steht im Fokus des neuen Regensburger SFBs, an dem auch ein Wissenschaftler der Ludwig-Maximilians-Universität München beteiligt ist. Dabei sollen die Untersuchungen der Forscher nicht nur grundsätzliche Erkenntnisse über die Entstehung von Ribosomen, sondern auch über die vielschichtigen Maschinerien in biologischen Zellen liefern, die ähnlich wie die Ribosomen aus Proteinen und Ribonukleinsäuren aufgebaut sind: Ribonucleoproteine (RNPs). Es häufen sich die Hinweise darauf, dass mit einer fehlerhaften Ribosomen- oder RNP-Synthese verschiedene Krankheitsbilder verbunden sind. „Defekte Ribosomen oder RNPs werden inzwischen mit mehreren Erbkrankheiten, der Entstehung von Krebserkrankungen und mit Folgen für den natürlichen Alterungsprozess der Zellen in Verbindung gebracht“, erklärt der Sprecher des neuen SFBs, Prof. Dr. Herbert Tschochner vom Institut für Biochemie, Genetik und Mikrobiologie der Universität Regensburg. Das Wissen um die Faktoren und Mechanismen, die an der Ribosomensynthese und -kontrolle beteiligt sind, birgt deshalb langfristig auch großes Potential, um die molekularen Grundlagen verschiedener Erkrankungen zu klären.

    Der neue Forschungsverbund kann auf Vorarbeiten der ebenfalls DFG-geförderten Forschergruppe 1068 „Vom Chromatin zum Ribosom. Regulation und Mechanismen der Ribosomen-Biogenese“ aufbauen, die 2008 an der Universität Regensburg eingerichtet wurde und auch von Prof. Tschochner geleitet wird. Der SFB ist zudem eine bedeutende Ergänzung für die molekular arbeitenden Gruppen der Regensburger Fakultät für Biologie und Vorklinische Medizin, die im Regensburger Zentrum für Biochemie und Biophysik (RZBB) zusammengefasst sind. An den Verbund angegliedert ist ein Doktorandenkolleg, in dessen Rahmen besonders qualifizierte Doktoranden zusätzlich gefördert werden können. Damit kann der SFB nicht nur einen wichtigen Beitrag zu hervorragender Forschung, sondern auch zur Ausbildung exzellenter Nachwuchswissenschaftler leisten.

    Hintergrundinformationen zu DFG-Sonderforschungsbereichen:
    Sonderforschungsbereiche der DFG sind auf die Dauer von bis zu zwölf Jahren angelegte Forschungseinrichtungen, in denen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler über die Grenzen ihrer jeweiligen Fächer, Institute und Fakultäten hinweg im Rahmen eines übergreifenden und wissenschaftlich exzellenten Forschungsprogramms zusammenarbeiten. Sie ermöglichen die Bearbeitung innovativer, anspruchsvoller und langfristig konzipierter Forschungsvorhaben durch Konzentration und Koordination der an einer Hochschule vorhandenen Kräfte. Von den antragstellenden Hochschulen wird dafür die Bereitstellung einer angemessenen Grundausstattung erwartet. Das SFB-Programm soll auf eine Profilbildung an den beteiligten Hochschulen hinwirken. Die Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses und der Gleichstellung von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern gehören zu den weiteren Zielen eines Sonderforschungsbereichs (vgl. http://www.dfg.de/foerderung/programme/koordinierte_programme/sfb/index.html).

    Ansprechpartner für Medienvertreter:
    Prof. Dr. Herbert Tschochner
    Universität Regensburg
    Institut für Biochemie, Genetik und Mikrobiologie
    Tel.: 0941 943-2472
    Herbert.Tschochner@vkl.uni-regensburg.de


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten
    Biologie, Chemie, Medizin
    überregional
    Forschungsprojekte, Organisatorisches
    Deutsch


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