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29.06.2011 17:23

Interaktiv und Interkulturell: Die intestinale Mikrobiota als Basishelfer unserer Darmgesundheit

Eva Contzen Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Danone GmbH

    Das Institut Danone Ernährung für Gesundheit e.V. (IDE) widmete seinen 13. Workshop dem Einfluss der Darmbakterien auf den Stoffwechsel und das Risiko chronischer Krankheiten.

    Die Darmflora macht etwa ein Kilogramm des menschlichen Körpergewichtes aus. Sie neutralisiert Toxine, verdrängt pathogene Keime, stellt Enzyme bereit und unterstützt die Verdauung. Zirka im dritten Lebensjahr ist diese Mikrobiota voll ausgebildet und geht mit ihrem Wirt durch alle gesundheitlichen Höhen und Tiefen, inklusive Veränderungen der Ökologie des Darms auf Umwelteinflüsse. Das IDE griff mit dem diesjährigen wissenschaftlichen Workshop „In uns: ein interaktiver Mikrokosmos“ am 19./20. Mai in Potsdam-Rehbrücke ein Thema ganz am Puls der internationalen Forschung auf:
    Die menschliche Mikrobiota beeindruckt zunächst mit starken Zahlen. Prof. Dr. Michael Blaut, Leiter der Abteilung Gastrointestinale Mikrobiologie am Deutschen Institut für Ernährungsforschung (DIFE) stellte einige davon vor: Mit ca. 100 Billionen Zellen hat die Mikrobiota zehnmal mehr Zellen als der Mensch sonst noch besitzt. Sie hat außerdem 100 Mal mehr Gene. Über 400 Spezies gehören zu ihrem Artenspektrum und dennoch ist sie von Mensch zu Mensch individuell. Diese Zusammensetzung wird maßgeblich von Ernährungseinflüssen geprägt. Mit steigendem Alter erhöht sich die Vielfalt der vorhandenen Bakterienstämme. Gleichzeitig reagiert die Mikrobiota empfindlicher gegenüber Erkrankungen und Medikamenten.
    Heute ist nachgewiesen, dass einige chronische Krankheiten mit einer veränderten Zusammensetzung der Mikrobiota einhergehen. Probiotika hingegen können diese positiv beeinflussen. Studienergebnisse mit guter wissenschaftlicher Evidenz führten dazu, dass Probiotika vor kurzem in die Leitlinien zum Reizdarmsyndrom (RDS) der Deutschen Gesellschaft für Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten aufgenommen wurden (1). Wie Prof. Dr. Remy Meier, Medizinische Universitätsklinik Kantonsspital Liestal, in seinem Vortrag betonte, unterscheidet sich die Ökologie der Darmflora von Reizdarmpatienten von der Mikrobiota Gesunder. Gastrointestinale Infektionen, entzündliche Abläufe im Darm und Antibiotikatherapien sind weitere Risikofaktoren für die Verstärkung von RDS-Symptomen. „Probiotika stellen eine interessante Therapieoption zur Verbesserung der Symptome dar: Abhängig von der Art des eingesetzten Bakterienstammes erhöhen sie z. B. die Masse der Stuhlbakterien, reduzieren die bakterielle Überwucherung im Dünndarm, beschleunigen die Darmpassage oder reduzieren Blähungen und Schmerzen“ so Prof. Meier unter Bezugnahme auf eine Metaanalyse mit 19 Studien zum Nutzen von Probiotika bei insgesamt 1.668 Reizdarmpatienten (2).
    An der positiven Wirkung der Probiotika könnten folgende Eigenschaften maßgeblich beteiligt sein: Sie modulieren die entzündliche Antwort bei Reizdarmpatienten, wobei probiotische Bakterienstämme spezifisch wirken. Zudem verhindern sie das Andocken pathogener Keime, verändern die Zusammensetzung der Darmbakterien, kontrollieren die Bakterien durch selbstproduzierte Eiweißverbindungen (z.B. Bakterizine, Defensine) und haben Effekte auf die Signalübermittlung zum Immunsystem.
    Ein ganz junges Forschungsfeld eröffnete Prof. Stephan C. Bischoff, Universität Hohenheim in Stuttgart, den Fachjournalisten: Neue Studien bestätigen erstmals Zusammenhänge zwischen der Mikrobiota und dem metabolischen Syndrom. So unterscheidet sich zum Beispiel die Mikrobiota von Adipösen und Normalgewichtigen durch unterschiedliche Bakteriengruppen und eine reduzierte Diversität der Bakterienstämme (3). Die Verschiebung der Hauptstämme führte in einer Studie mit 12 Normalgewichtigen und neun Adipösen zu einer um 150 kcal erhöhten Energieausbeute (4). Wie Probiotika in das System der Energieausbeute, der Körperfettbildung oder auch der gestörten Insulinsensitivität eingreifen, ist jedoch wegen fehlender Humanstudien derzeit noch offen. „Hier sind wir noch nicht so weit, dass wir Probiotika empfehlen können“ sagte Prof. Bischoff, „…aber ich schließe nicht aus, dass das in fünf Jahren der Fall sein wird“.
    Weitere Referenten schilderten Aktuelles zu den Kommunikationssignalen zwischen intestinaler Mikrobiota und Immunsystem, zur Bedeutung der Mikrobiota für die Pathogenese und Prävention von Allergien bzw. Darmkrebs sowie zu den Chancen der Probiotika in der Pädiatrie. Prof. Günther Wolfram, Präsident des IDE, dankte dem Kooperationspartner DIFE, den Referenten und Journalisten für die bereichernden fachlichen Diskussionen. „Uns als gemeinnütziges Institut freut es außerordentlich, wenn unser Workshop zum wiederholten Mal ein anerkanntes Forum zur Präsentation und Diskussion von aktuellen wissenschaftlichen Informationen durch Forscher ist.“ Ein Bericht mit wissenschaftlichen Kurzfassungen zu allen Vorträgen kann kostenlos angefordert werden. Der ausführliche Kongressbericht wird 2012 veröffentlicht.

    Zitierte Literatur

    1) S3-Leitlinie Reizdarmsyndrom: Definition, Pathophysiologie, Diagnostik und Therapie. Gemeinsame Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Verdauung und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) und der Deutschen Gesellschaft
    für Neurogastroenterologie und Motilität (DGNM); publiziert in: DOI http://dx.doi.org/10.1055/ s-0029-1245976 Published online 1.2.2011; Z Gastroenterol 2011; 49: 237–293
    2) Moayyedi P, Ford AC, Talley NJ, et al (2010) The efficacy of probiotics in the treatment of irritable bowel syndrome: a systematic review. Gut 2010; 59: 325–32.
    3) Bäckhed, F (2010): Clin Exp Immunol 160: 80–84
    4) Jumpertz R, Le DS, Turnbaugh PJ, Trinidad C. et al: Energy-balance studies reveal associations between gut microbes, caloric load, and nutrient absorption in humans. Am J Clin Nutr. 2011 Jul;94(1):58-65.

    IDE-Journalisten Workshop
    Der IDE Workshop wird jährlich in Kooperation mit einem renommierten wissenschaftlichen Institut auf den Gebieten Ernährung und Gesundheit für Fachjournalisten ausgerichtet. Den 13. Workshop veranstaltete das IDE in Zusammenarbeit mit in Kooperation mit dem Deutschen Institut für Ernährungsforschung (DIFE), Abteilung Gatsrointestinale Mikrobiologie, in Potsdam-Rehbrücke.

    Das Institut Danone Ernährung für Gesundheit e.V.
    Das 1992 gegründete Institut ist eine unabhängige Einrichtung, die ausgewählte Forschungsprojekte im Bereich Ernährungswissenschaft und Ernährungsmedizin fördert und für verschiedene Zielgruppen aktuelle werbefreie Materialien für die Ernährungsaufklärung erstellt. Eingebunden in ein internationales Netzwerk bietet das IDE Wissenschaftlern, Ärzten, Pädagogen und allen Interessierten eine Plattform für den Austausch sowie Zugriff auf aktuelle ernährungswissenschaftliche, psychologische und medizinische Erkenntnisse.

    Institut Danone für Ernährung e.V.
    Richard-Reitzner-Allee 1
    85540 Haar
    Email: kontakt@institut-danone.de
    www.institut-danone.de


    Weitere Informationen:

    http://www.institut-danone.de


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten, Wissenschaftler
    Ernährung / Gesundheit / Pflege, Medizin
    überregional
    Wissenschaftliche Tagungen
    Deutsch


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