idw – Informationsdienst Wissenschaft

Nachrichten, Termine, Experten

Grafik: idw-Logo
Grafik: idw-Logo

idw - Informationsdienst
Wissenschaft

Medienpartner:
Wissenschaftsjahr


Teilen: 
16.08.2011 15:35

HAI 2011: Operationsrisiko älterer Patienten verringern

Medizin - Kommunikation Medizinkommunikation
Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften

    Berlin – Anästhesisten wollen Komplikationen bei Operationen alter, vielfach erkrankter Patienten senken, indem sie etwa Vorerkrankungen noch besser berücksichtigen. Denn trotz fortgeschrittener chirurgischer und anästhesiologischer Techniken erhalten ältere Menschen nicht immer die bestmögliche Therapie, meint die Tagungspräsidentin des Hauptstadtkongresses der Deutschen Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin (DGAI).

    Häufig würden zum Beispiel Risiken wie Mangelernährung oder Bewegungsarmut nicht berücksichtigt. Eine aktuelle Studie an Patienten mit einem Krebsleiden untersucht die Vorteile einer solchen Risikoeinschätzung. Erste Erfahrungen diskutieren Anästhesisten, Intensivmediziner und Schmerztherapeuten auf der Vorab-Pressekonferenz am 6. September 2011 anlässlich des Hauptstadtkongresses der DGAI für Anästhesiologie und Intensivtherapie (HAI 2011) in Berlin.

    Zwar sank im vergangenen Jahrzehnt die Rate anästhesiebedingter Todesfälle bei gesunden Menschen auf 0,04 pro 10 000 Anästhesien. Bei alten Menschen, die früher noch als nicht operabel galten, stieg sie jedoch auf bis zu 5,5 pro 10 000 Operationen. „Nicht das Alter allein ist verantwortlich für Komplikationen bei Operationen unter Allgemeinanästhesie“, erklärt Professor Dr. med. Claudia Spies, Tagungspräsidentin des HAI 2011. Schwere Begleiterkrankungen, ein schlechter Ernährungsstatus und die Fitness seien entscheidend, wie gut die Operation verlaufe. Zudem gebe es Hinweise, dass nicht alle alten Patienten die bestmögliche Behandlung erhalten. Die Direktorin der Universitätsklinik für Anästhesiologie und operative Intensivmedizin der Charité ist sich sicher: „Würden diese Risikofaktoren konsequent vor einer Operation mit Anästhesie überprüft, so ließen sich viele Komplikationen auch bei alten, vielfach erkrankten Menschen vermeiden.“

    Um das zu belegen läuft seit dem Frühjahr 2011 die fachübergreifende Studie „Patient Empowerment and Risk-assessed Treatment to Improve Outcome in the Elderly After Onco-surgery“ (PERATECS). Die Deutsche Krebshilfe unterstützt das Projekt mit 331 000 Euro. Zum jetzigen Zeitpunkt hat ein interdisziplinäres Team aus Anästhesisten, Geriatern, Chirurgen und Pflegekräften an der Charité Berlin ihre These an 158 Patienten, die älter als 65 Jahre sind und an Krebs leiden, geprüft. Mehrere Hundert sollen bis Februar 2013 folgen – auch in München und Heidelberg. Im Vordergrund steht dabei die aktive Einbeziehung der älteren Patienten. Alle Studienteilnehmer erhalten eine Informationsbroschüre und ein Tagebuch, in dem sie ihr Befinden über mehrere Tage vor und nach der Operation dokumentieren. Gesundheitsrisiken, wie etwa Mangelernährung, Gewichtsabnahme, Bewegungsarmut, Rauchen, übermäßiger Alkoholkonsum sowie psychische Belastungen werden vorab ausgewertet und in der Therapie berücksichtigt. Für Patienten mit einem Krebsleiden etwa steht eine psychoonkologische Beratung auf der Station zur Verfügung. Zwischen zwei und sechs Stunden nach der Operation beginnt zudem eine frühe Bewegungstherapie. „So beugen wir Thrombosen und Lungenentzündungen vor“, berichtet Spies.

    „Wir gehen davon aus, dass wir mit dieser Strategie die Lebensqualität der Patienten verbessern und Komplikationen nach der Operation reduzieren“, berichtet die Tagungspräsidentin im Vorfeld des Hauptstadtkongresses der DGAI. Im August 2013 soll die Studie beendet und ausgewertet werden. Erste Erfahrungen und Tendenzen berichtet die Studienleiterin Spies bereits auf der Vorab-Pressekonferenz am 6. September 2011 anlässlich des HAI 2011. Auf der Kongress-Pressekonferenz am Dienstag, dem 13. September 2011 diskutieren Anästhesisten zudem über den aktuellen Stand der Forschung und über Chancen und Risiken hochbetagter Patienten. Der Hauptstadtkongress der DGAI findet vom 11. bis 13. September 2011 im ICC Berlin statt.

    Terminhinweise:

    Vorab-Pressekonferenz anlässlich des HAI 2011
    Ort: Tagungszentrum im Haus der Bundespressekonferenz, Schiffbauerdamm 40, 10117 Berlin
    Termin: Dienstag, 6. September 2011, 11 bis 12 Uhr

    Eines der Themen:
    Ältere Menschen in der Anästhesie: Was sind die Risiken für alte
    Menschen und wie bleiben Sie nach einer Anästhesie mobil?
    Professor Dr. med. Claudia Spies, Berlin
    Dr. med. Rahel Eckardt, Berlin

    Kongress-Pressekonferenz anlässlich des HAI 2011
    Ort: ICC Berlin, Raum 43, Messedamm 22, 14055 Berlin
    Termin: Dienstag, 13. September 2011, 10.30 bis 11.30 Uhr

    Zwei der Themen:
    Operationen im hohen Alter: Herausforderungen, Risiken, Chancen
    Professor Dr. med. Gabriele Nöldge-Schomburg, Rostock

    Beweglos auf der Intensivstation – Macht Strom lahme Beine munter?
    Professor Dr. med. Simone Spuler, Berlin

    Vorträge und Sitzungen auf dem HAI 2011
    Anesthesia for elderly cancer patients - Multi-Morbidity-Management
    Ort: ICC Berlin, Saal Oslo
    Termin: Montag, 12. September 2011, 14.00 bis 15.35 Uhr
    J. V. Reynolds (Dublin); E. Steinhagen-Thiessen (Berlin)

    Shake it baby: Vibrationstherapie in der Geriatrie
    Ort: ICC Berlin, Saal 3
    Termin: Dienstag, 13. September 2011, 15.00 bis 15.15 Uhr
    E. Steinhagen-Thiessen (Berlin)

    Delirium prevention and treatment
    Ort: ICC Berlin, Saal 10
    Termin: Dienstag, 13. September 2011, 12.00 bis 13.35 Uhr
    C. Spies (Berlin); W. A. van Gool (Amsterdam)

    Pressekontakt für Rückfragen:

    Kathrin Gießelmann
    DGAI/BDA Pressestelle
    Postfach 30 11 20
    70451 Stuttgart
    Tel. 0711 8931-981
    Fax: 0711 89 31-167
    E-Mail: giesselmann@medizinkommunikation.org


    Weitere Informationen:

    http://www.hai2011.de


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten
    Medizin
    überregional
    Wissenschaftliche Tagungen
    Deutsch


    Hilfe

    Die Suche / Erweiterte Suche im idw-Archiv
    Verknüpfungen

    Sie können Suchbegriffe mit und, oder und / oder nicht verknüpfen, z. B. Philo nicht logie.

    Klammern

    Verknüpfungen können Sie mit Klammern voneinander trennen, z. B. (Philo nicht logie) oder (Psycho und logie).

    Wortgruppen

    Zusammenhängende Worte werden als Wortgruppe gesucht, wenn Sie sie in Anführungsstriche setzen, z. B. „Bundesrepublik Deutschland“.

    Auswahlkriterien

    Die Erweiterte Suche können Sie auch nutzen, ohne Suchbegriffe einzugeben. Sie orientiert sich dann an den Kriterien, die Sie ausgewählt haben (z. B. nach dem Land oder dem Sachgebiet).

    Haben Sie in einer Kategorie kein Kriterium ausgewählt, wird die gesamte Kategorie durchsucht (z.B. alle Sachgebiete oder alle Länder).