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17.08.2011 15:01

Studie: Neue Wege der Strahlentherapie

Holger Ostermeyer Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden

    Durch eine verkürzte Behandlungsdauer mit täglich dreifacher statt bisher einer Bestrahlung kann die Effizienz einer Strahlentherapie bei Patienten mit Lungenkrebs verbessert werden. Dies sind die Ergebnisse einer internationalen Studie unter Dresdner Leitung, die jetzt in der führenden europäischen Fachzeitschrift der Strahlentherapie, „Radiotherapy and Oncology“, veröffentlicht wurden.

    Lungentumoren gehören zu den häufigsten und aggressivsten Krebserkrankungen. Oft kommt zum Zeitpunkt der Diagnosestellung eine Operation nicht mehr in Frage. Sofern noch keine Absiedlungen (Metastasen) in anderen Organen vorliegen, wird dann eine Strahlentherapie, häufig kombiniert mit einer Chemotherapie, eingesetzt. Die Strahlentherapie dauert dabei heute etwa sieben Wochen, wobei werktäglich jeweils eine Fraktion der Behandlung gegeben wird. Hierdurch kann das Tumorwachstum verlangsamt und bei einigen Patienten auch eine vollständige Heilung erreicht werden. Dennoch sind die Heilungsraten insgesamt noch sehr schlecht. Zur Verbesserung der Therapie haben unter Leitung von Prof. Michael Baumann, Direktor der Dresdner Universitätsklinik für Strahlentherapie am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus, Ärzte aus 13 Zentren in Deutschland, Polen und Tschechien eine intensivere, beschleunigte Strahlenbehandlung mit drei Fraktionen am Tag untersucht.

    Wie „Radiotherapy and Oncology“, die führende europäische Fachzeitschrift der Strahlentherapie in ihrer 100. Jubiläumsausgabe aktuell berichtet (Radiother. Oncol. 100: 76-85, 2011), konnten durch die Beschleunigung der Strahlenbehandlung auf insgesamt knapp drei Wochen trotz geringerer Strahlendosis gleichwertige Effekte gegen den Tumor erzielt werden wie bei der höher dosierten Standardbehandlung über sieben Wochen. Bei Patienten, die nach einer Chemotherapie bestrahlt wurden, war die Wirkung der kurzen Bestrahlung gegen den Tumor im Vergleich zur Standardtherapie sogar deutlich verstärkt. Insgesamt 406 Patienten mit nicht-kleinzelligen Bronchialkarzinomen waren in der Studie behandelt und nachbeobachtet worden. Die Zuordnung zur Standardbestrahlung über sieben Wochen oder zur verkürzten sogenannten CHARTWEL Bestrahlung erfolgte dem Stand der medizinischen Wissenschaft entsprechend nach dem Zufallsprinzip, eine unabhängige Überwachung der Studie erfolgte durch internationale Experten.

    Die höhere Wirkung der beschleunigten Bestrahlung auf den Tumor führen die Ärzte darauf zurück, dass während einer langen Behandlungsdauer Tumorzellen zwischen den Fraktionen nachwachsen können und deshalb die Strahlendosis nicht mehr ausreicht, um den Tumor zu vernichten. Eine Chemotherapie vor der Strahlentherapie kann offensichtlich die Tumorzellen sogar zu schnellerem Wachstum stimulieren. Dies kann durch die beschleunigte Bestrahlung aufgehalten werden, während die lange Behandlung dazu nicht geeignet ist.

    „Dies ist nunmehr die zweite große Studie, die belegt, dass kurze Behandlungszeiten bei der Bestrahlung von Patienten mit nicht-kleinzelligen Bronchialkarzinomen besonders effektiv sind und die uns zeigt, dass strahlenbiologische Erkenntnisse zum Wachstum von Tumorzellen zum Nutzen der Patienten ausgenutzt werden können“, sagt der Studienleiter Prof. Baumann. „Die kurze CHARTWEL Strahlentherapie wird daher bereits heute allen geeigneten Patienten des im Aufbau befindlichen gemeinsamen LungenkrebsCentrums des Dresdner UniversitätskrebsCentrums (UCC) und des Fachkrankenhauses Coswig angeboten“, sagt Prof. Gert Höffken, Professor für Lungenerkrankungen am Universitätsklinikum und gleichzeitig Chefarzt am Fachkrankenhaus Coswig. Hierbei soll es aber nicht bleiben. In Vorbereitung befinden sich an der Dresdner Universitäts-Strahlenklinik bereits weitergehende Therapiestudien zur Optimierung der beschleunigten Bestrahlung. Dabei soll die Dosis im Tumor weiter erhöht und gleichzeitig eine optimale Schonung der gesunden Organe angestrebt werden. Hierzu bedarf es modernster Bestrahlungstechnologie in Kombination mit speziellen Bildgebungsmethoden wie der am Uniklinikum verfügbaren Positronen-Emissions-Computer-Tomografie (PET-CT). Prof. Baumann erläutert: „Von solchen neuen Behandlungsansätzen, die systematisch Hochtechnologie mit Strahlenbiologie verknüpfen, erwarten wir einen weiteren Schritt in Richtung personalisierter Strahlentherapie und zur Verbesserung der Prognose beim Lungenkrebs.“

    Kontakt:
    Technische Universität Dresden
    Universitätsklinikum und Medizinische Fakultät Carl Gustav Carus
    Klinik und Poliklinik für Strahlentherapie und Radioonkologie
    Prof. Michael Baumann
    Tel.: 0351 – 458 5292
    E-Mail Michael.Baumann@uniklinikum-dresden.de


    Weitere Informationen:

    http://www.tu-dresden.de/medstrahlneu/


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten
    Ernährung / Gesundheit / Pflege, Medizin
    überregional
    Buntes aus der Wissenschaft, Forschungsergebnisse
    Deutsch


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