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06.09.2011 10:50

Alternativen zum „Wegschließen für immer“

Kay Gropp Pressestelle
Universität Witten/Herdecke

    Forschungsministerium fördert Klausurwochen an der Universität Witten/Herdecke zum Thema Sicherungsverwahrung

    Das Bundesministerium für Bildung und Forschung fördert interdisziplinäre Klausurwochen vom 7. bis 18. November 2011 an der Universität Witten/Herdecke. 15 Nachwuchswissenschaftler, die zurzeit ausgewählt werden, werden mit Experten über rechtliche, ethische und soziale Aspekte des Umgangs der Gesellschaft mit gefährlichen und/oder psychisch kranken Straftätern zu diskutieren.

    “Wegschließen für immer!”: Das war die Lösung, die der damalige Bundeskanzler Schröder 2001 für gut und richtig hielt. Dieser Parole ist der Deutsche Bundestag mit zahlreichen Gesetzesänderungen zur Verlängerung der Unterbringung von gefährlichen Personen gefolgt. Doch 2009 hat der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte diese Praxis für konventionswidrig erklärt: Eine nachträgliche Verlängerung der Sicherungsverwahrung darf es demnach nicht mehr geben. Und schließlich hat das Bundesverfassungsgericht im Mai diesen Jahres fast alle Vorschriften der Sicherungsverwahrung für verfassungswidrig erklärt. “Die europäischen Richter haben die Sicherungsverwahrung als eine zusätzliche Strafe gesehen, die verhängt wird, obwohl der Verurteilte für seine Taten bereits gebüßt hat”, erklären Harald Haynert, MScN, und Dr. jur. Heinz Kammeier vom Institut für Ethik und Kommunikation im Gesundheitswesen der UW/H den Hintergrund.

    Für die Forensik-Spezialisten sind dies herausfordernde Urteile, da die rechtlichen, ethischen und sozialen Konzepte des Schutzes der Allgemeinheit nun erst recht auf dem wissenschaftlichen Prüfstand stehen. “Insbesondere die Pflegewissenschaft kann zu der notwendigen Diskussion wissenschaftlich fundierte Beiträge leisten”, so Haynert. Auch weil das Alter und die Verweildauern der untergebrachten Personen steigen, nehmen pflegerische Aspekte an Bedeutung zu. Darüber hinaus muss der rechtliche Normbestand den zukünftigen Herausforderungen angepasst werden: Steigende Zuweisungszahlen, längere Verweildauern und notwendige Angebote an Therapie sind zu regeln. Wie also können wir eine Gesellschaft vor Menschen schützen, die für gefährlich gehaltenen werden und/oder die es tatsächlich sind? Das führt blitzschnell zu der ethischen Frage, wie wir einen Menschen sehen, der schwerste Straftaten begangen und andere erheblich geschädigt hat. Wie geht eine Gesellschaft mit Werten wie Freiheit und Sicherheit um, wenn gefährliche und/oder psychisch kranke Straftäter genau diese Werte in Frage stellen oder gar missachten?”

    Um auf diese Fragen Antworten zu finden, hat das Bundesministerium für Bildung und Forschung der UW/H Mittel zur Durchführung von Klausurwochen zugesprochen, damit im grenzübergreifenden Dialog gemeinsam grundlegende Konzepte geklärt, Werturteile zu den Fragestellungen erarbeitet und dabei disziplinspezifische sowie disziplinübergreifende Positionen entwickelt werden können, die schließlich auch zur Politikfeldberatung dienen.

    Die Klausurwochen bieten 15 Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftlern (Doktorandinnen und Doktoranden, Postdoktorandinnen und Postdoktoranden) die Möglichkeit, eigene Arbeiten zu diesem Thema zu präsentieren und miteinander und mit Expertinnen und Experten zu diskutieren.

    Die Klausurwochen finden vom 07. bis zum 18.November 2011 in den Räumen der Universität Witten/Herdecke statt. Am Abschlusstag wird die Veranstaltung für die (Fach-) Öffentlichkeit im Rahmen eines Symposiums geöffnet.

    Weitere Informationen bei Harald Haynert, MScN, 02302 – 926 – 216, Handynummer unter 02302/926-849/805, harald.haynert@uni-wh.de

    Über uns:
    Die Universität Witten/Herdecke (UW/H) nimmt seit ihrer Gründung 1982 eine Vorreiterrolle in der deutschen Bildungslandschaft ein: Als Modelluniversität mit rund 1.300 Studierenden in den Bereichen Gesundheit, Wirtschaft und Kultur steht die UW/H für eine Reform der klassischen Alma Mater. Wissensvermittlung geht an der UW/H immer Hand in Hand mit Werteorientierung und Persönlichkeitsbildung.

    Witten wirkt. In Forschung, Lehre und Gesellschaft.


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten, Wissenschaftler
    Ernährung / Gesundheit / Pflege, Gesellschaft, Medizin, Politik, Recht
    überregional
    Forschungs- / Wissenstransfer, Wissenschaftliche Tagungen
    Deutsch


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