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21.09.2011 15:37

Eine Hand weiß, was die andere tut!

Dr. Ellen Katz Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Universitätsklinikum Tübingen

    Beidseitige Repräsentation der Hand im somatosensorischen Kortex des Menschen -
    Ungewöhnlicher Befund zeigt Auswirkungen auf unser Bild vom Gehirn.

    Tübingen/ Körperliche Empfindungen, wie Berührungen auf der Haut aber auch das Gefühl für die Lage der eigenen Hand, sind beim Menschen in beiden Gehirnhälften repräsentiert: Signale der rechten Körperhälfte werden in der linken Gehirnhälfte verarbeitet und umgekehrt. Dabei ging man bisher von einer strikten Trennung der Verarbeitung von Information aus den beiden Körperhälften aus. Wissenschaftler der Neurologischen Klinik und des Hertie-Instituts für klinische Hirnforschung (HIH) am Universitätsklinikum Tübingen konnten jetzt zeigen, dass der primäre somatosensorische Kortex (der Bereich in der Großhirnrinde, in dem Berührungsreize verarbeitet werden) anscheinend nicht nur für die gegenüberliegende Hand zuständig ist, sondern teilweise auch für die Hand auf der gleichen Körperseite. Die Ergebnisse wurden einer aktuellen Studie in der Zeitschrift Neuropsychologia publiziert.

    Vor allem, wenn Informationen beider Hände kombiniert werden müssen, wie bei bimanualen Tätigkeiten, scheint dies schon im primären sensorischen Areal, d.h. auf sehr früher Verarbeitungsebene, im Gehirn zu passieren. Bisher ging man davon aus, dass die Informationsverarbeitung beim Menschen auf einer so frühen Ebene strikt zwischen der linken und rechten Hand getrennt ist.

    Mit ihrer Arbeit konnten Svenja Borchers, Dr. Till-Karsten Hauser und Dr. Marc Himmelbach von der Neurologischen Universitätsklinik und dem Hertie-Institut für klinische Hirnforschung nun zeigen, dass auch beim Menschen die Körperwahrnehmung der rechten und der linken Hand zum Teil in der gleichen Gehirnhälfte verarbeitet wird. Die Autoren berichten von einer Patientin, die nach einem Schlaganfall eine ungewöhnlich kleine Schädigung exakt im somatosensorischen Kortexareal der rechten Gehirnhälfte erlitt, das üblicherweise der linken Hand zugeordnet wird. Im Gegensatz zu nahezu allen anderen Schlaganfallpatienten litt sie unter keinerlei motorischen Einschränkungen, was die durchgeführte Untersuchung überhaupt erst möglich machte.
    Die Patientin sollte mit einer Hand auf die Position der jeweils anderen Hand zeigen, die unter einem Tisch verborgen war. Wie erwartet konnte sie die Position ihrer linken Hand nicht mehr genau anzeigen, sobald diese nicht mehr direkt sichtbar war. Überraschend war aber, dass sie ebenfalls große Fehler machte, wenn sie die Position ihrer versteckten rechten Hand anzeigen sollte. Da die Patientin nur eine einseitige Gehirnschädigung aufwies, aber für beide Hände ein deutliches Defizit zeigte, schlossen die Autoren, dass die Schädigung der rechten Gehirnhälfte die Körperwahrnehmung beider Hände beeinträchtigt hat. „Da wir im alltäglichen Leben oft unsere Hände zusammen benutzen und es für die eine Hand wichtig ist, zu wissen was die andere macht, scheint es sinnvoll, dass diese Informationen auf einer frühen Verarbeitungsebene im Gehirn ausgetauscht werden, nämlich direkt im primären sensorischen Kortex“, so Borchers und Himmelbach.

    Dr. Marc Himmelbach wurde erst vor kurzem (9.9.2011) in Basel mit dem renommierten Cortex Preis der Federation of European Neuropsychological Societies ausgezeichnet. Der Preisträger wird von den nationalen Gesellschaften für Neuropsychologie aufgrund herausragender Forschungsleistungen im Zeitraum von 7 Jahren nach der Promotion vorgeschlagen, eine Eigenbewerbung für den nicht dotierten Preis ist nicht möglich.


    Originaltitel der Publikation
    Bilateral hand representations in human primary proprioceptive areas
    Autoren: Svenja Borchers, Till-Karsten Hauser, Marc Himmelbach
    Neuropsychologia advance online publication xx.09.2011:
    DOI: 10.1016/j.neuropsychologia.2011.08.013

    Kontakte
    Universitätsklinikum Tübingen, Sektion Neuropsychologie
    Zentrum für Neurologie
    Hertie-Institut für klinische Hirnforschung (HIH)
    Dr. Marc Himmelbach
    Tel. 0 70 71/29-8 76 00 Fax 07071/29 44 89
    E-Mail: marc.himmelbach@uni-tuebingen.de
    http://homepages.uni-tuebingen.de/marc.himmelbach

    Hertie-Institut für klinische Hirnforschung
    Externe Pressestelle: Kirstin Ahrens
    Telefon: 07073-500 724,
    Mobil: 0173-300 53 96
    mail(at)kirstin-ahrens.de

    Universitätsklinikum Tübingen
    Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
    Dr. Ellen Katz
    Telefon: 07071/29-8 01 12
    Mail: ellen.katz(at)med.uni-tuebingen.de


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten, Wissenschaftler, jedermann
    Medizin
    überregional
    Forschungsergebnisse, Wissenschaftliche Publikationen
    Deutsch


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