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26.09.2011 18:01

Stellungnahme der Deutschen Wirbelsäulengesellschaft zum Internetportal Vorsicht-OP

Prof. Dr. med. Ulf Liljenqvist Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Deutsche Wirbelsäulengesellschaft e.V.

    Die Deutsche Wirbelsäulengesellschaft (DWG) sieht bei Fällen mit einer schwierigen oder zweifelhaften Indikationsstellung in der Einholung einer Zweitmeinung nach dem Erhalt einer Behandlungsempfehlung eine Möglichkeit zur Sicherung von Indikation und Therapiemaßnahme. Damit steht sie im Einvernehmen mit der AOK Nordwest, die verschiedene DWG - Mitglieder als Vertragspartner verpflichtet hat, und der DAK, die unter Berücksichtigung der obigen Ausführungen den Weg der Qualitätssteigerung durch eine Zertifizierung und die Wirbelsäulenregistereinführung ausdrücklich begrüßt. Nach der Überzeugung des Vorstandes der DWG ist eine Behandlungsempfehlung bei der Einholung einer Zweitmeinung an die Untersuchung des Patienten und die Sichtung der vorhandenen, zusätzlichen Unterlagen sowie der radiologischen Diagnostik gebunden.

    Die Deutsche Wirbelsäulengesellschaft lehnt eine alleinige Beurteilung nach der Durchsicht von Röntgen - und MRT - Bildern und der Einsendung weiterer Befunde (siehe: www.vorsicht-operation.de) konsequent ab. Ohne den Vorwurf wirtschaftlicher oder finanzieller Beweggründe der Inauguratoren der Internetseite argumentativ aufgreifen zu wollen, ist eine Überprüfung der Indikationsstellung zu einem Eingriff, unabhängig von dem zu operierenden Organ, an das individuelle Kennenlernen des Patienten, an die Erfassung seiner Anamnese, an eine Untersuchung und persönliche Beratung unter der Zusammenfassung und Bewertung aller Befunde erforderlich. Diese Voraussetzungen kann und wird eine kommerziell aufgebaute Internetberatung gegenwärtig und auch in der Zukunft nicht erfüllen können. Eine Stellungnahme, die populistisch mit den Ängsten von Patienten umgeht und nicht die einfachsten Grundlagen der ärztlichen Beratung erfüllt, ist ungeeignet zur Einholung einer Zweitmeinung.

    Die Deutsche Wirbelsäulengesellschaft setzt hingegen auf eine Zusammenarbeit mit den Krankenkassen, die signalisiert haben, im Interesse ihrer Mitglieder individuelle Untersuchungen und Beratungen bei erfahrenen Ärzten unter der Umgehung von Kosten für die Versicherten durchführen zu lassen.

    Die DWG ist die mitgliederstärkste Wirbelsäulenfachgesellschaft Europas. Das wissenschaftliche Forum konservativ und operativ tätiger Orthopäden, Neurochirurgen, Unfallchirurgen sowie weiterer Kollegen wird getragen von der interdisziplinär erkannten Notwendigkeit der Grundlagenforschung, der Überprüfung und Bewertung von Therapieempfehlungen und –maßnahmen und den in der Gesellschaftssatzung aufgeführten Punkten der Qualitätsforschung und -sicherung. 2011 wurden zwei bedeutsame Werkzeuge zur Qualitätsförderung und -überprüfung beschlossen, die bereits vor zwei Jahren initiiert worden waren.

    1. Das Zertifikat der DWG:

    Von einer interdisziplinären Gruppe von Neurochirurgen, Orthopäden und Unfallchirurgen wurde ein Weiterbildungskonzept mit propädeutischen und praktischen Inhalten aufgeteilt in ein Kurssystem mit sechs unterschiedlichen Modulen erarbeitet. Darauf basierend können mit dem Nachweis einer von der DWG definierten persönlichen Operationsleistung und einer zusätzlichen erweiterten Weiterbildung verschiedene Grade von Zertifizierungen erreicht werden, deren Anforderungen alle europäischen sonstigen Normen übertreffen.

    2. Das Wirbelsäulenregister der DWG

    Führend durch den Neurochirurgen Dr. F. Meyer (Oldenburg) wurde in einer eingerichteten Kommission ein nationales Wirbelsäulenregister entwickelt. Die Abbildung von Indikationsqualität und Ergebnis sowie die Skizzierung der Versorgungskette von operativ behandelten Wirbelsäulenerkrankungen dienen der Darstellung der Qualität bzw. der Qualitätsverbesserung wirbelsäulenchirurgischer Eingriffe und erlauben zukünftig eine Überprüfung der Wertigkeit und der Erfolgsaussichten. Es handelt sich dabei um das erste Wirbelsäulenregister Deutschlands.

    Die Fachgesellschaft ist überzeugt, dass die genannten Maßnahmen zu einer weiteren Qualitätssteigerung und Behandlungsstrukturierung führen. Unabhängig hiervon ist ein Vertrauensverhältnis zwischen Patient und Arzt eine unabdingbare Grundlage jeder konservativen und operativen Behandlungsmaßnahme. Die unmögliche Umsetzung dieser Tatsache mittels Internetberatung bleibt der kritischen Beurteilung eines jeden Einzelnen überlassen.

    Prof. Dr. C. Hopf (Präsident der DWG )

    Prof. Dr. U. Liljenqvist (Generalsekretär der DWG)


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten
    Medizin
    überregional
    Buntes aus der Wissenschaft, Wissenschaftspolitik
    Deutsch


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