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06.10.2011 13:29

Schmerzhafte Endometriose lässt neue Nerven sprießen

Meike Drießen Pressestelle
Deutsche Gesellschaft zum Studium des Schmerzes e.V. (DGSS)

    Förderpreis für Schmerzforschung an Berliner Forscherin

    Geschätzte zwei Millionen Frauen in Deutschland sind von Endometriose betroffen: Durch das Wachstum von Gebärmutterschleimhaut im Bauchraum leiden sie unter anderem unter Fruchtbarkeitsstörungen und teils extremen Schmerzen. Für die Schmerzen sind neue Nerven mitverantwortlich, die in die Endometrioseherde einwachsen, wozu sie durch den Nervenwachstumsfaktor NGF angeregt werden. Das konnte die Berliner Gynäkologin und Forscherin PD Dr. Sylvia Mechsner erstmals nachweisen.

    Für ihre Arbeit wurde sie beim Deutschen Schmerzkongress in Mannheim mit dem mit 3.500 Euro dotierten zweiten Preis der Kategorie Klinische Forschung des Förderpreises für Schmerzforschung 2011 ausgezeichnet. Der Preis wird jährlich vergeben von der Deutschen Gesellschaft zum Studium des Schmerzes e.V., Stifterin ist die Grünenthal GmbH (Aachen).

    Hohe Rückfallraten, chronischer Verlauf

    Endometriose ist eine chronische Erkrankung; bei ca. 50% der betroffenen Frauen besteht ein anhaltender Therapiebedarf. Neben der starken körperlichen Einschränkung durch Schmerzen sind die Rückfallraten von 50 bis 80% auch nach operativer und Hormontherapie ein großes Problem. Zudem vergehen zwischen den ersten Symptomen und der Diagnose durchschnittlich sechs bis acht Jahre. „Das liegt unter anderem an der Unkenntnis über die Entstehung der Endometriose und die Mechanismen der Schmerzentstehung“, sagt PD Dr. Mechsner. Sie konnte 2007 erstmals Endometriose-assoziierte Nervenfasern nachweisen, welche von unreifen Gefäßen begleitet sind. „Das legt die Vermutung nahe, dass Nerven in die Endometrioseherde hineinsprießen“, erklärt die Forscherin. Auch der Nachweis von Nervenwachstumsfaktoren, die in Endometrioseläsionen ausgeschüttet werden, unterstützt diese Hypothese. Solche Endometriose-assoziierten Nervenfasern fanden sich insbesondere bei Patientinnen mit starken Schmerzen.

    Nervenwachstumsfaktor spielt eine Rolle

    In ihrer mit dem Förderpreis ausgezeichneten Arbeit „Overexpression of the nerve growth factor (NGF) in peritoneal fluid from women with endometriosis may promote neurite outgrowth in endometriotic lesions” untersuchte sie mit ihrem Team mögliche Wirkungen von Endometriose auf Nervenfasern detaillierter. Sie konnten zeigen, dass die Bauchfellflüssigkeit von Frauen mit Endometriose Substanzen enthält, die das Wachstum von Nervenfasern fördern. Der wichtigste Nervenwachstumsfaktor, der nerve growth factor (NGF), war darin bei Frauen mit Endometriose in einer signifikant höheren Konzentration vorhanden als bei nicht erkrankten Frauen. In einem in vitro-Wachstumstest für Nervenfasern konnte die Forscherin das Aussprossen von Nervenfasern durch die Inkubation mit Bauchfellflüssigkeit von Patientinnen mit Endometriose auslösen. Der Effekt ist sehr wahrscheinlich hauptsächlich durch den Nervenwachstumsfaktor (NGF) bedingt und lässt sich durch NGF-hemmende Substanzen unterdrücken. Bislang wurden neurogen bedingte Schmerzen in der Behandlung der Endometriose-assoziierten Schmerzen nicht berücksichtigt.

    Kontakt

    PD Dr. Sylvia Mechsner, Leiterin Endometriose-Forschungslabor des Endometriosezentrums Charite, Level III, Klinik für Gynäkologie mit Hochschulambulanz, Charité – Universitätsmedizin Berlin, Tel. 030/8445-2760, Hindenburgdamm 30, 12200 Berlin


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten
    Medizin
    überregional
    Forschungsergebnisse, Personalia
    Deutsch


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