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06.10.2011 13:35

Bilder erklären erstmals, warum Migräne attackenartig auftritt

Meike Drießen Pressestelle
Deutsche Gesellschaft zum Studium des Schmerzes e.V. (DGSS)

    Förderpreis für Schmerzforschung an Hamburger Forscherin

    Bestimmte Hirnbereiche, deren Aktivität bei Migränepatienten im Gegensatz zu Ge¬sunden schwankt, sind offenbar an der Entstehung von Kopfschmerzattacken beteiligt. Das fanden Hamburger Forscher um Dr. Anne Stankewitz mittels funktioneller Kern¬spintomografie heraus. Für ihre Arbeit wurde sie beim Deutschen Schmerzkongress in Mannheim mit dem mit 7.000 Euro dotierten ersten Preis der Kategorie Klinische For¬schung des Förderpreises für Schmerzforschung 2011 ausgezeichnet. Der Preis wird jährlich vergeben von der Deutschen Gesellschaft zum Studium des Schmerzes e.V., Stifterin ist die Grünenthal GmbH (Aachen).

    Ursache: Noch ungeklärt

    Trotz intensiver Forschung ist die Ursache der Migräne noch nicht eindeutig geklärt. Wissenschaftliche Studien weisen jedoch auf die fundamentale Rolle des trigemino-vaskulären Systems und des Hirnstamms hin. Die Hamburger Forscher machten sich also daran, die trigeminale Schmerzverarbeitung von Migränepatienten und den Einfluss einer nahenden Migräneattacke zu untersuchen. Sie untersuchten 20 Migränepatienten während der schmerzfreien Phase, zehn Patienten in den letzten drei Tagen vor einer Attacke und 14 Patienten während einer Kopfschmerzattacke, sowie gesunde Kontrollprobanden. Allen Versuchsteilnehmern wurden Schmerzreize (Ammoniak) durch die Nase verabreicht, während sie sich einer funktionellen Magnetresonanztomographie (fMRT)-Messung unterzogen. Die fMRT-Messung zeigt an, welche Gehirnbereiche stärker durchblutet und somit aktiv sind.

    Signifikanter Unterschied der Hirnaktivierung

    Die fMRT-Daten zeigten, dass bei gesunden Probanden, verglichen mit den schmerzfreien Migräne¬patienten, die Aktivität der so genannten spinalen trigeminalen Kerne signifikant erhöht war. Die Signalstärke in diesem spezifischen Kerngebiet war jedoch von einem zweiten biologischen Wert abhängig: Die Aktivität nahm zur Attacke hin signifikant zu und erreichte unmittelbar vor dieser das Maximum. Der Grad der Aktivierung in diesem Areal erlaubt es sogar, die nächste Kopfschmerzattacke vorherzusagen. „Interessanterweise fiel das Aktivierungsniveau innerhalb der ersten Stunden nach Beginn einer spontanen und unbehandelten Kopfschmerzattacke wieder auf ein niedriges Ausgangsniveau“, erklärt Dr. Stankewitz. „Zudem konnten wir erstmals mittels fMRT den in Positronen-Emissions-Tomographie (PET)-Studien beschriebenen spezifischen ‚Migränegenera¬tor‘ in der akuten Kopfschmerzattacke zeigen.“

    Attackenartiges Auftreten erklärt

    Diese Ergebnisse verdeutlichen, dass der Aktivitätsgrad von bestimmten Hirnstammkernen direkt abhängig vom Migränezyklus ist. Zum ersten Mal konnten Forscher beobachten, dass ein oszillierendes System im Bereich des Hirnstamms das attackenartige Auftreten von Kopfschmerzen erklären könnte. Inwiefern sich die beiden identifizierten Hirnstammstrukturen gegenseitig beeinflussen und ob ihre Aktivität wiederum von anderen Strukturen moduliert wird, wird Gegenstand zukünftiger Studien sein.

    Kontakt

    Dr.rer.nat. Anne Stankewitz, Psychologin, M.Sc., Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Institut für Systemische Neurowissenschaften, Martinistr. 52, 20246 Hamburg, stankewitz@lrz.tu-muenchen.de


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten
    Medizin
    überregional
    Forschungsergebnisse, Personalia
    Deutsch


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