idw – Informationsdienst Wissenschaft

Nachrichten, Termine, Experten

Grafik: idw-Logo
Grafik: idw-Logo

idw - Informationsdienst
Wissenschaft

Medienpartner:
Wissenschaftsjahr


Teilen: 
13.10.2011 10:45

DKOU 2011: Erkrankungen des Haltungs- und Bewegungsapparates steigen weltweit rasant an

Medizin - Kommunikation Medizinkommunikation
Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften

    Deutsche Medizinstudenten lernen zu wenig über orthopädische und unfallchirurgische Zusammenhänge: Während in Deutschland bereits 30 Millionen Menschen an Erkrankungen und Verletzungen des Haltungs- und Bewegungsapparates leiden, machen Lehrinhalte dieser Fachrichtung unter sechs Prozent des gesamten Lernstoffs eines Medizinstudiums aus. Die WHO-Initiative „Bone and Joint Decade 2000-2010“ sollte den weltweiten Anstieg an muskuloskeletalen Erkrankungen und Verletzungen stoppen. Auf dem Deutschen Kongresses für Orthopädie und Unfallchirurgie (DKOU) vom 25. bis 28. Oktober 2011 berichten Experten über erste Ergebnisse der Dekade und ihre Fortführung bis 2020.

    „Für eine weltweit effiziente Versorgung von Menschen mit muskuloskeletalen Erkrankungen und Verletzungen ist eine gute internationale Vernetzung von Experten und Patienten eine wichtige Voraussetzung“, sagt Professor Dr. med. Karsten Dreinhöfer, nationaler Koordinator der Bone and Joint Decade und Tagungspräsident des DKOU. 750 Fach- und Patientengesellschaften und 96 Regierungen haben daher zu Beginn der WHO-Initiative BJD ihre Unterstützung angeboten. Ziel der Initiative war es, die Ressourcen in den Gesundheitssystemen für Prävention und Behandlung betroffener Patienten effizienter zu nutzen sowie die Erforschung der Ursachen und Therapiemöglichkeiten vermehrt zu fördern. „Wir konnten zwar erste gemeinsame Präventions-, Diagnose-, Therapie- und Rehabilitationsstrategien entwickeln“, resümiert Dreinhöfer. „Doch viele Projekte sind noch nicht abgeschlossen und benötigen weitere Zusammenarbeit.“

    Aktuelle Untersuchungen in Europa zeigen massive Unterschiede zwischen den einzelnen Ländern im Hinblick auf die Erkrankungshäufigkeiten, die Versorgungsdichte und die Ergebnisse. Aber nicht nur in den Industrienationen steigen die Erkrankungen des Bewegungsapparates rapide an. Da in Schwellen- und Entwicklungsländern die Menschen zunehmend älter werden, wächst auch dort das Risiko für degenerative Erkrankungen. In Brasilien beispielsweise leiden zwei Drittel der über 60-Jährigen an einer muskuloskeletalen Erkrankung. Verkehrsunfälle, die in den Industrienationen rückläufig sind, sind in diesen Ländern ein weiteres großes Gesundheitsproblem. „Ziel muss es sein, die Zahl der in vielen Ländern noch schnell ansteigenden Verkehrstoten in den nächsten 10 Jahren zu halbieren“, erklärt Professor Dr. med. Tim Pohlemann, DKOU-Tagungspräsident und Präsident der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU). In diesem Jahr hat die WHO eine Dekade zur Straßenverkehrssicherheit (Road Safety Decade) 2011-2020 ausgerufen, um sich dem drängenden Problem der Globalen Verkehrssicherheit zu widmen. Während des DKOU werden zu dieser Thematik spezielle Sitzungen abgehalten. Auch in anderen Bereichen hat sich viel zum Guten entwickelt. So haben erstmals europäische Patienten- und Fachorganisationen gemeinsame Leitlinien verfasst und im Bereich der Versorgung von Patienten mit osteoporotischen Knochenbrüchen wurden multidisziplinäre Behandlungskonzepte entwickelt, die eine bessere Überlebenswahrscheinlichkeit und Widerherstellung der Funktionsfähigkeiten versprechen.

    Doch trotz dieser Erfolge, besteht noch großer Handlungsbedarf: Insbesondere in Forschung, Lehre und Versorgung sehen Experten zu wenig Bewegung. Die großen Volkskrankheiten Rückenschmerzen, Gelenkerkrankungen, Osteoporose, und Knochenbrüche sowie Sport- und Unfallverletzungen verursachen bereits heute 40 Prozent aller Arbeitsunfähigkeiten und Frühberentungen. Diese steigenden volkswirtschaftlichen Kosten der Erkrankungen stehen in keinem Verhältnis zu den bisherigen Forschungsinvestitionen in diesem Bereich. Die weitere demographische Entwicklung wird diese Probleme noch verschärfen. „Um die steigende Patientenzahl fachgerecht versorgen zu können, ist ein wachsender Bedarf an orthopädisch-unfallchirurgischen Kenntnissen dringend notwendig. Im Durchschnitt machen aber muskuloskeletale Lehrinhalte weniger als sechs Prozent der Lehrinhalte für Medizinstudenten aus“, betont Professor Dreinhöfer. In der Vorab-Pressekonferenz am 18. Oktober informieren die Tagungspräsidenten des DKOU 2011 über aktuelle Entwicklungen in der Orthopädie und Unfallchirurgie sowie neueste Erkenntnisse im gemeinsamen Fach.

    Die Verantwortlichen der BJD beschlossen daher im vergangenen Jahr eine Fortführung der Dekade um weitere zehn Jahre, um Projekte weiterzuführen und noch bestehende Defizite in Forschung, Versorgung und Gesundheitsbewusstsein der Patienten voranzubringen. Auf dem DKOU vom 25. bis 28. Oktober 2011 in Berlin informieren Experten über bisherige Ergebnisse und künftige Projekte zu Präventionsmaßnahmen, Versorgungskonzepte und Rehabilitationsverfahren. Zudem bieten die Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie (DGOOC), die Deutsche Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU) und der Berufsverband der Fachärzte für Orthopädie und Unfallchirurgie e. V. (BVOU) umfangreiche Informationsveranstaltungen für Nachwuchskräfte an. Am „Tag der Studierenden“, der am 27. Oktober 2011 auf dem DKOU stattfindet, können sich Medizinstudenten darüber hinaus über das gemeinsame Fach Orthopädie und Unfallchirurgie informieren.

    Der DKOU findet vom 25. bis 28. Oktober 2011 in Berlin als gemeinsamer Kongress der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie (DGOOC), der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU) und des Berufsverbandes der Fachärzte für Orthopädie und Unfallchirurgie e. V. (BVOU) statt. Er ist der größte europäische Kongress in diesem Bereich, zu dem etwa 12.000 Fachbesucher erwartet werden. Experten diskutieren hier die neuesten Entwicklungen in der Orthopädie und Unfallchirurgie. Die Themen reichen von der Schwerverletztenversorgung, den Strukturen der Notaufnahmen und der Katastrophenmedizin über Implantatversorgung und Rehabilitation bis hin zu rheumatischen und degenerativen Erkrankungen sowie Osteoporose.

    Terminhinweise:

    Deutscher Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie (DKOU)
    Zeit: 25. bis 28. Oktober 2011
    Ort: ICC Berlin, Messedamm 22, 14055 Berlin

    Vorab-Pressekonferenz zum DKOU
    Zeit: Dienstag, den 18.10.2011, 11.00 bis 12.00 Uhr
    Ort: Funkturm Lounge, ICC Berlin, Messedamm 22, 14055 Berlin

    Forum: Bone and Joint Decade 2010 – 2020
    Zeit: Donnerstag, den 27.10.2011, 11.30 bis 12.30 Uhr
    Ort: Saal 43

    Forum: Decade of Action for Road Safety 2011 – 2020
    Zeit: Donnerstag, den 27.10.2011, 14.30 bis 16.00 Uhr
    Ort: Saal 43

    Forum: European perspective on future developments in orthopaedic care
    Zeit: Donnerstag, den 27.10.2011, 11.30 bis 12.30 Uhr
    Ort: Saal 43

    Forum: Orthopaedics and Trauma within Europe: „Trauma Systems”
    Zeit: Donnerstag, den 27.10.2011, 14.30 bis 16.00 Uhr
    Ort: Saal 43

    „Tag der Studierenden“
    27. Oktober 2011, ICC Berlin, Messedamm 22, 14055 Berlin

    Ihr Kontakt für Rückfragen:
    Christina Seddig
    Pressestelle DKOU 2011
    Pf 30 11 20, 70451 Stuttgart
    Tel.: 0711 8931-442, Fax: 0711 8931-167
    seddig@medizinkommunikation.org
    www.dkou.de


    Weitere Informationen:

    http://www.dkou.de


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten, Wissenschaftler
    Ernährung / Gesundheit / Pflege, Medizin
    überregional
    Pressetermine, Wissenschaftspolitik
    Deutsch


    Hilfe

    Die Suche / Erweiterte Suche im idw-Archiv
    Verknüpfungen

    Sie können Suchbegriffe mit und, oder und / oder nicht verknüpfen, z. B. Philo nicht logie.

    Klammern

    Verknüpfungen können Sie mit Klammern voneinander trennen, z. B. (Philo nicht logie) oder (Psycho und logie).

    Wortgruppen

    Zusammenhängende Worte werden als Wortgruppe gesucht, wenn Sie sie in Anführungsstriche setzen, z. B. „Bundesrepublik Deutschland“.

    Auswahlkriterien

    Die Erweiterte Suche können Sie auch nutzen, ohne Suchbegriffe einzugeben. Sie orientiert sich dann an den Kriterien, die Sie ausgewählt haben (z. B. nach dem Land oder dem Sachgebiet).

    Haben Sie in einer Kategorie kein Kriterium ausgewählt, wird die gesamte Kategorie durchsucht (z.B. alle Sachgebiete oder alle Länder).