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08.11.2011 14:03

Diabetes und Alzheimer-Krankheit: Demenzpatienten brauchen eine besondere Diabetestherapie

Julia Voormann Pressestelle
Deutsche Diabetes Gesellschaft

    Demenzpatienten brauchen eine besondere Diabetestherapie

    Berlin – In Deutschland leiden etwa sieben Millionen Menschen an Diabetes
    mellitus. In der Altersgruppe der über 60-Jährigen sind 18 bis 28 Prozent betroffen. Erkranken Diabetiker zusätzlich an einer Demenz mit Verhaltensauffälligkeiten, wird die Diabetestherapie oftmals zu einer besonderen Herausforderung. Denn ein Patient, der sich der Insulingabe oder der Medikamenteneinnahme verweigert, läuft Gefahr, dass sein Blutzuckerspiegel bedrohlich ins Schwanken gerät.

    Wie Ärzte Demenzpatienten mit Diabetes angemessen therapeutisch begleiten können, berichtet Privatdozent Dr. med. Daniel Kopf, Chefarzt der Geriatrischen Klinik am Katholischen Marienkrankenhaus in Hamburg, auf der 5. Herbsttagung der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG). Die Veranstaltung findet vom 11. bis 12. November 2011 in Berlin statt.

    Jeder vierte Bewohner einer Pflegeeinrichtung in Deutschland ist zuckerkrank. Mit dem Alter steigt auch das Risiko, andere alterstypische Krankheiten zu bekommen. „Wenn man alte und hochaltrige Diabetespatienten behandelt, muss die Therapie immer auf andere Grunderkrankungen abgestimmt werden“, erklären die Tagungspräsidenten Privatdozent Dr. med. Michael Hummel und Privatdozent Dr. med. Martin Füchtenbusch von der Forschergruppe Diabetes am Helmholtz Zentrum München.

    Nach Schätzungen gibt es in Deutschland etwa 1,2 Millionen Menschen, die an einer Demenz leiden. 800 000 von ihnen haben die Alzheimer-Krankheit. „Patienten, die zugleich an Diabetes mellitus und an Alzheimer erkrankt sind, müssen anders therapiert werden als normale Diabetiker“, sagt Privatdozent Dr. med. Daniel Kopf, Chefarzt der Geriatrischen Klinik am Katholischen Marienkrankenhaus in Hamburg. Die Alzheimer-Krankheit gehe bei 80 Prozent der in Heimen untergebrachten Patienten mit Verhaltensauffälligkeiten einher. Mitunter beschimpfen die Betroffenen Ärzte, Pflegepersonal und Angehörige, sie zeigen bedrohliches Verhalten, leiden an Wahn, Apathie und Antriebslosigkeit oder verweigern die Nahrung und die Einnahme der Medikamente. Einige Patienten laufen auch unruhig umher oder gehen auf Wanderschaft. Für Diabetiker jedoch können diese Demenzerscheinungen lebensbedrohliche Komplikationen mit sich bringen. Wenn sie die Einnahme oraler Antidiabetika verweigern, die Insulingabe ablehnen, nichts Essen wollen oder durch ständiges Umherlaufen vermehrt Kalorien verbrauchen, besteht die Gefahr, dass der Blutzucker außer Kontrolle gerät. Zudem geht die Demenz schon in frühen Erkrankungsstadien mit Gewichtsverlust einher, womit der Bedarf an blutzuckersenkenden Medikamenten sinkt.

    Dr. Kopf fasst die Hauptprobleme zusammen: „Es ist ein Auf und Ab von Unter- und Überzucker. Die Stoffwechsellage dieser Patientengruppe ist schwer zu kontrollieren. Es kommt häufig zu Unter- und Überzuckerungen. Zudem besteht die Gefahr der Unterernährung.“ Die Therapieziele müssten für Demenzpatienten deshalb angepasst werden. „Bei diesen Patienten geht es nicht um die Prävention der Diabetes-Langzeitkomplikationen, denn die Demenz verkürzt die Lebenserwartung. Für die Ernährung des Patienten heißt das entgegen der sonst üblichen Empfehlungen: Zuckerhaltige Nahrungsmittel und die Kalorienanzahl sind nicht mehr beschränkt.“ Da die kognitive Leistungsfähigkeit durch Unterzuckerungen verschlechtert wird, sollten Antidiabetika bevorzugt werden, bei denen das Risiko einer Unterzuckerung gering sei.

    „Diabetes und Demenz – Umgang mit Verhaltensauffälligkeiten im klinischen Alltag“ ist eines von über hundert spannenden Vortrags- und Diskussionsthemen auf der Herbsttagung der DDG vom 11. bis 12. November 2011 im ICC Berlin. Das vollständige Tagungsprogramm ist im Internet unter http://www.herbsttagung-ddg.de abrufbar.

    - Abdruck erwünscht, Beleg erbeten -

    Terminhinweis:

    Pressekonferenz anlässlich der
    5. Herbsttagung der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG)

    Termin: Freitag, 11. November 2011, 12.30 bis 13.30 Uhr
    Ort: Internationales Congress Center (ICC Berlin), Tagungsraum 43
    Anschrift: Neue Kantstraße/Ecke Messedamm, 14057 Berlin

    Themen und Referenten:
    Programm-Highlights der DDG Herbsttagung
    Neues aus Wissenschaft und Praxis
    Privatdozent Dr. med. Martin Füchtenbusch, Tagungspräsident
    Diabeteszentrum am Marienplatz, München, Forschergruppe Diabetes am Helmholtz Zentrum München

    Aktiv für ein gesundes Kind:
    Neue Leitlinien empfehlen optimierte Gewichtskontrolle bei Schwangerschaftsdiabetes
    Privatdozent Dr. med. Michael Hummel, Tagungspräsident
    Klinik für Endokrinologie, Diabetologie und Suchtmedizin, Klinikum Schwabing, München, Forschergruppe Diabetes am Helmholtz Zentrum München

    Fettleibigkeit und Diabetes
    Neue Strategien zur Behandlung der Adipositas
    Professor Dr. med. Andreas Hamann
    Diabetologische Schwerpunktpraxis in der Kerckhoff-Klinik Bad Nauheim

    Diabetes in Deutschland nimmt weiter zu
    Die vordringlichsten Aufgaben für die Zukunft
    Professor Dr. Stephan Matthaei, Präsident der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG), Chefarzt des Diabetes Zentrums am Christlichen Krankenhaus Quakenbrück (CKQ)

    Immer mehr Menschen erkranken an Diabetes Typ 1
    Innovative Pfade bei Früherkennung und Therapie
    Professor Dr. med. Anette-Gabriele Ziegler
    Leiterin des Instituts für Diabetesforschung am Helmholtz Zentrum München

    Kontakt für Journalisten:

    Pressestelle DDG
    Anne-Katrin Döbler/Irina Lorenz-Meyer/Corinna Spirgat
    PF 30 11 20
    70451 Stuttgart
    Telefon: 0711 8931-642
    Telefax: 0711 8931-167/-984
    lorenz-meyer@medizinkommunikation.org
    http://www.herbsttagung-ddg.de


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten
    Medizin
    überregional
    Forschungs- / Wissenstransfer, Wissenschaftliche Tagungen
    Deutsch


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