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13.12.2011 17:00

Die Gehirnform zeigt: Homo sapiens verfügt über besseren Geruchssinn als der Neandertaler

Michael Seifert Hochschulkommunikation
Eberhard Karls Universität Tübingen

    Internationales Forscherteam unter Beteiligung der Universität Tübingen sowie der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung belegt mit 3D-Rekonstruktionen Unterschiede in der Gehirnform hinsichtlich des Geruchssinnes.

    BITTE BEACHTEN SIE UNBEDINGT DIE SPERRFRIST VON „NATURE COMMUNICATIONS“: KEINE VERÖFFENTLICHUNG VOR DEM 13. DEZEMBER 2011, 17 UHR (MEZ)

    Unabhängig voneinander haben Neandertaler und der moderne Mensch Gehirne gleicher Größe entwickelt. Allerdings weisen Unterschiede der Gehirnform auf einen unterschiedlichen Hirnaufbau hin, der Auswirkungen auf Verhalten und Wahrnehmung haben kann. Ein internationales For-scherteam hat modernste medizinische bildgebende Methoden und Techniken der dreidimensionalen Computerrekonstruktion (3D-Morphometrie) eingesetzt, um die inneren Strukturen fossiler menschlicher Schädel zu erschließen. Dadurch konnte anhand der anatomischen Form der Schädelbasis auch die Gehirnform erkannt werden. Die Arbeiten wurden unter der Leitung des Spanischen Museums für Naturwissenschaften und mit Beteiligung von Prof. Dr. Katerina Harvati von der Universität Tübingen und dem dort angesiedelten Senckenberg Center for Human Evolution and Paleoecology durchgeführt. Sie werden in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift Nature Communications veröffentlicht (DOI 10.1038/ncomms1593)
    .
    Die Analysen zeigen, dass sowohl die für Sprachfähigkeit, Gedächtnis und soziale Fähigkeiten wichtigen Gehirnregionen, als auch die für den Geruchssinn verantwortliche Region, der Riechkolben (Bulbus olfactorius), beim Homo sapiens größer sind als bei Neandertalern. „Die Gehirnstrukturen, die Geruchsinformationen empfangen, sind bei Homo sapiens ungefähr 12 Prozent größer als bei Neandertalern“, stellen die Autoren fest. Diese Ergebnisse könnten wichtige Anhaltspunkte hinsichtlich des Geruchsvermögens und des menschlichen Verhaltens ergeben.

    Der Geruchssinn ist einer der ältesten Sinne in der Entwicklungsgeschichte der Wirbeltiere. Während die Umweltinformationen zu den anderen Sinnen im Gehirn erst durch kortikale Filter dringen müssen, gelangen Geruchsinformationen ohne Umweg direkt zu den höchsten Gehirnregionen, die für die Verarbeitung von Gefühlen, Ängsten, Erinnerungen, Vergnügen und sexuelle Anziehung verantwortlich sind.“ Der Geruchssinn ist mehr als alle anderen Sinne direkt mit Erinnerungen verbunden. Dies erklärt, warum bestimmte Gerüche sofort starke Gefühle in Bezug auf vergangene Ereignisse oder bestimmte Personen hervorrufen”, erklärt Katerina Harvati.

    Die Größenzunahme in den für das Geruchsvermögen zuständigen Gehirnregionen beim Homo sapiens kann auf einen verbesserten Geruchssinn hinweisen, der wiederum mit der Entwicklung sozialer Fähigkeiten, wie z. B. der Wahrnehmung familiärer Zusammengehörigkeit, des verstärk-ten Gruppenzusammenhaltes und sozialen Lernens, in engem Zusammenhang steht. “Im Ge-gensatz zu anderen Säugetierarten, wurde das Geruchsvermögen bei Primaten und Menschen bisher als ein relativ unbedeutender Wahrnehmungssinn angesehen. Unsere Untersuchungen zeigen, dass die Bedeutung des Geruchssinnes in der Entwicklung unserer eigenen Art, vor allem hinsichtlich der sozialen Evolution, neu beurteilt werden muss“, ergänzt Harvati.

    Weitere Informationen:
    Prof. Dr. Katerina Harvati
    Universität Tübingen
    Institut für Ur- und Frühgeschichte und Archäologie des Mittelalters/ Senckenberg Center for Human Evolution and Palaeoecology
    Telefon: +49 7071 29-76516
    katerina.harvati@ifu.uni-tuebingen.de


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten
    Biologie, Geowissenschaften, Geschichte / Archäologie, Kulturwissenschaften, Medizin
    überregional
    Forschungsergebnisse
    Deutsch


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