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15.02.2012 18:16

Wenn die „Ordnung im Kopf“ nicht mehr im Lot ist

Constanze Steinke Pressearbeit
Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald

    Internationaler Kongress „Die subjektive Seite der Schizophrenie“ in Stralsund

    Der Tatort am letzten Sonntag aus Bremen „Ordnung im Lot“ hat die Krimifangemeinde mit einer psychischen Erkrankung konfrontiert, die in der kommenden Woche etwa 400 Experten auf einem internationalen Kongress in der Hansestadt Stralsund drei Tage lang beschäftigen wird. Vom 22. bis 24. Februar 2012 findet in Stralsund ein dreitägiger Kongress „Die subjektive Seite der Schizophrenie“ statt.

    Die Organisatoren der Tagung erwarten über 400 Teilnehmer aus ganz Deutschland, Österreich und der Schweiz. Neben zahlreichen national und international profilierten Wissenschaftlern kommen Angehörige und Betroffene zu Wort, um in einen lebhaften Austausch über die vielfältigen subjektiven Seiten der Schizophrenie zu treten.

    Etwa ein Prozent aller Deutschen erkrankt im Laufe seines Lebens an einer Schizophrenie, einer ebenso schillernden wie schweren Erkrankung, die erhebliches Leid über die Betroffenen und ihre Angehörigen bringt. In akuten Krankheitsphasen bestimmen häufig Wahnvorstellungen und Halluzinationen das Bild, chronische Verläufe führen oft zu sozialem Abstieg und gesellschaftlicher Isolierung. Die Tagung „Die subjektive Seite der Schizophrenie“ beschäftigt sich zum 14. Mal mit der individuellen und persönlichen Auseinandersetzung mit der Krankheit. Über 400 Betroffene, Angehörige und Behandler werden im Stralsunder Theater zusammenkommen, um aktuelle Fragen zur Schizophrenie zu diskutieren.

    „Ein besonderes Augenmerk gilt in diesem Jahr der gesellschaftlichen Ausgrenzung von Schizophreniekranken“, sagte der Tagungsleiter PD Dr. Georg Schomerus von der Universitätsmedizin Greifswald. „Seit gut zehn Jahren kämpfen Aufklärungs- und Anti-Stigma-Kampagnen für Toleranz und gegen die Stigmatisierung von Menschen mit Schizophrenie. Häufig wird dabei auf den biologischen Charakter der Erkrankung verwiesen sowie auf den Beitrag der Vererbung bei ihrer Entstehung. Dabei folgt man der Annahme, dass eine biologisch erklärbare Krankheit zu weniger Schuldzuweisungen und damit zu weniger Ablehnung führt. Auf der Tagung werden nun die Ergebnisse von Studien präsentiert, die belegen, dass eine einseitige biologische Darstellung der Erkrankung keineswegs mit einer geringeren Ablehnung der Betroffenen einhergeht, sondern im Gegenteil die Ablehnung sogar noch verstärken kann. Während biologische Krankheitsvorstellungen in den letzten zwanzig Jahren kontinuierlich an Popularität gewonnen haben, hat die Ablehnung der Betroffenen nicht ab-, sondern in einigen Bereichen sogar zugenommen. Aufklärung alleine scheint die tief sitzenden Vorbehalte gegenüber psychisch Kranken nicht zu beeinflussen, möglicherweise werden vererbte Erkrankungen sogar als noch bedrohlicher und tiefgreifender angesehen. In Stralsund werden deshalb auch andere, kreative und zielgerichtete Beispiele von Anti-Stigma-Arbeit vorgestellt, die weit über Aufklärungskampagnen hinausgehen“, kündigte Schomerus an.

    Das wissenschaftliche Forum ist eine gemeinsame Veranstaltung der Universitätsklinik für Psychiatrie und Psychotherapie Wien, des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf, des Instituts für Sozialpsychiatrie der Universität Greifswald sowie der Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Universität Greifswald im HANSE-Klinikum Stralsund.
    Die Vertreter der Medien sind herzlich zu dem Fachkongress eingeladen.

    Weitere Schwerpunkt-Themen der Tagung

    Soziale Ungleichheit – was macht die Menschen krank, und wie reagiert die Psychiatrie darauf?

    Kinderwunsch und Elternschaft von Menschen mit Schizophrenie – aus der Perspektive von Betroffenen, Angehörigen, Therapeuten und eines Medizinhistorikers

    Neue Versorgungsmodelle – welche Rolle spielt die psychiatrische Klinik in der Zukunft?

    Psychiatrie in Ost und West – unterschiedliche und gemeinsame Entwicklungen


    Hintergrund

    Schizophrenie ist eine psychische Erkrankung, die nach wie vor zu einer starken gesellschaftlichen Ausgrenzung führt. Etwa 0,5 bis 1 Prozent der Bevölkerung erkranken im Lauf ihres Lebens an einer Schizophrenie, die die gesamte Persönlichkeit in unterschiedlicher Weise beeinflussen kann. In den Krankheitsphasen ist häufig das Verhältnis zur Realität gestört, die Betroffenen leiden unter Halluzinationen und Wahnvorstellungen. Verlauf und Ausprägung der Krankheit sind individuell sehr unterschiedlich. Bis heute sind die Ursachen der Krankheit nicht vollständig geklärt.

    Tagungsprogramm

    http://www.medizin.uni-greifswald.de/psych/fileadmin/user_upload/dokumente/Progr...

    Weitere Informationen unter Tel. 03831-45 21 00

    Ansprechpartner Universitätsmedizin Greifswald
    Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie
    Direktor: Prof. Harald J. Freyberger
    Tagungsleiter: PD Dr. Georg Schomerus
    Ellernholzstraße 1–2, 17475 Greifswald
    T +49 3834 86-69 00
    Rostocker Chaussee 70, 18437 Stralsund
    T +49 3831-45 21 00
    T +49 3831-45 21 09
    E georg.schomerus@uni-greifswald.de
    http://www.medizin.uni-greifswald.de


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten, Wissenschaftler
    Ernährung / Gesundheit / Pflege, Gesellschaft, Medizin, Psychologie
    überregional
    Forschungs- / Wissenstransfer, Wissenschaftliche Tagungen
    Deutsch


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