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23.02.2012 17:09

Der Tod im Wald - LMU-Statistiker zeichnet Risikoatlas für Wildunfälle

Luise Dirscherl Stabsstelle Kommunikation und Presse
Ludwig-Maximilians-Universität München

    Oft nur ein Schatten und ein kurzes Blitzen der Augen im Scheinwerferlicht kündigen die Gefahr an: Wildunfälle auf deutschen Straßen fordern jährlich 50 Menschenleben, 3000 Personen werden verletzt. Das Risiko ist geografisch allerdings ungleich verteilt: In Teilen Niederbayerns ist es pro Kilometer Straße beispielsweise viermal höher als im südlichen Unterfranken.

    Wissenschaftler um den LMU-Statistiker Torsten Hothorn haben jetzt zumindest für Bayern eine Art Risikoatlas ermittelt. Da die Unfallgefahr naheliegender Weise mit der Wilddichte steigt, sehen die Statistiker das aus den Polizeistatistiken zu errechnende Risiko auch als ein indirektes Maß für den Wildbestand, der sich sonst nur mit aufwendigen Kartierungen bestimmen lässt. (PLoS ONE, 16.2.2012)

    Rund 200.000 Unfälle mit Rehwild nehmen Polizisten in Deutschland jährlich zu Protokoll, bei den Zusammenstößen gibt es mitunter Tote und Verletzte. Auch der volkswirtschaftliche Schaden ist erheblich. Allein die Kfz-Versicherungen müssen rund eine halbe Milliarde Euro per annum begleichen. Die angefahrenen Tiere verenden zudem oft qualvoll, wenn die benachrichtigten Jäger sie nicht schnell finden. Hothorn und seine Kollegen Roland Brandl (Universität Marburg) und Jörg Müller (TU München und Nationalpark Bayerischer Wald) haben jetzt die Unfalldaten für Bayern ausgewertet. Zwischen 2002 und 2009 ist die Zahl der Unfälle in diesem Bundesland um gut ein Drittel gestiegen.

    Um ein standardisiertes Maß für das Unfallrisiko zu bekommen, bezogen die Statistiker die Zahl der Unfälle auf die Straßenkilometer. Der bayerische Durchschnittswert liegt für Staatsstraßen bei 0,91 Unfällen pro Kilometer und Jahr, aber es gibt erhebliche regionale Ausreißer nach oben und unten. Auf Bundes- und Kreisstraßen ist die Gefahr vergleichbar groß, auf den – nahezu vollständig gezäunten – Autobahnen, so Hothorn, erheblich geringer. Der LMU-Wissenschaftler sieht die Auswertung als wichtiges Hilfsmittel, um vergleichsweise einfach Hochrisikogebiete von Wildunfällen zu finden und entsprechende Vorsichtsmaßnahmen treffen zu können.

    Die regionalen Schwankungen, so fanden die Wissenschaftler heraus, stimmen aber auch mit denen für die Intensität des Wildverbisses an jungen Bäumen überein, wie sie sich aus den „Forstlichen Gutachten zur Situation der Waldverjüngung“ herauslesen lassen. Außerdem lassen sie sich mit den regional unterschiedlichen Zahlen für das von Jägern erlegte Rehwild korrelieren. Mit beidem sehen die Wissenschaftler die naheliegende Annahme bestätigt, dass das Unfallrisiko mit der Wilddichte steigt. Damit lässt sich aus der Statistik der Wissenschaftler aber auch ein Maß für den Wildbestand in Bayern herausfiltern, das zuverlässig und vergleichsweise einfach aus der offiziellen Unfallstatistik zu ermitteln ist, sagt Hothorn. Die direkten Zahlen sind sonst nur in Ausnahmefällen mit aufwendigen Wildkartierungen im Gelände zu bekommen. (math)

    Publikation:
    "Large-scale model-based assessment of deer-vehicle collision risk";
    T. Hothorn, R. Brandl & J. Müller;
    PLoS ONE, 16.2.2012;
    doi: 10.1371/journal.pone.0029510

    Kontakt:
    Prof. Dr. Torsten Hothorn
    Institut für Statistik
    Arbeitsgruppe Biostatistik
    Tel.: 089 / 2180-6407
    Fax: 089 / 2180-5040
    E-Mail: Torsten.Hothorn@stat.uni-muenchen.de
    Web: http://www.stat.uni-muenchen.de/~hothorn/wildunfall.html


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten
    Biologie, Mathematik, Tier / Land / Forst, Verkehr / Transport
    überregional
    Forschungsergebnisse, Forschungsprojekte
    Deutsch


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