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27.02.2012 11:46

Depressionen die Stirn bieten – mit Botulinumtoxin

Stefan Zorn Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Medizinische Hochschule Hannover

    Forscher aus Basel (UPK) und Hannover (MHH) zeigen: Botulinumtoxin kann Depressionen schnell, deutlich und anhaltend lindern / Veröffentlichung im Journal of Psychiatric Research

    Forscher der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) und der Universitären Psychiatrischen Kliniken (UPK) Basel, Schweiz, zeigen erstmals in einer randomisierten kontrollierten Studie, dass einmalig im Bereich der Stirn injiziertes Botulinumtoxin die Symptome einer Depression deutlich lindern kann. Die Wissenschaftler haben ihre Ergebnisse im Journal of Psychiatric Research veröffentlicht.

    An der Studie nahmen 30 Patientinnen und Patienten teil. Ihre Depression bestand zum Teil bereits seit langer Zeit und hatte sich unter Behandlung mit Antidepressiva nicht ausreichend gebessert. Die Hälfte von ihnen erhielt Botulinumtoxin, die anderen eine Placebo-Injektion. Bereits nach zwei Wochen waren die Patienten der Botulinumtoxin-Gruppe weniger depressiv. Nach sechs Wochen hatte sich bei 60 Prozent von ihnen die Schwere der Depressions-Symptome mindestens halbiert. Dieser Effekt verstärkte sich weiter bis zum Ende der Studie nach 16 Wochen. In der Placebo-Gruppe besserten sich die Symptome nur geringfügig. Die Messung bestand in einer Selbst- und Fremdbeurteilung von depressiven Symptomen wie gedrückter Stimmung, vermindertem Antrieb und Freudlosigkeit.

    „Die Behandlung mit Botulinumtoxin ist relativ nebenwirkungsarm, sicher und ökonomisch. Die Wirkung hält nach einer einmaligen Gabe für mehrere Monate an“, sagt Professor Dr. Tillmann Krüger. Der Oberarzt der MHH-Klinik für Psychiatrie, Sozialpsychiatrie und Psychotherapie hat die Studie mit Privatdozent Dr. Axel Wollmer, Oberarzt an den UPK Basel, geleitet. „Botulinumtoxin könnte ein neuer Baustein in der Depressionsbehandlung werden. Bisher liegen allerdings nur die Ergebnisse dieser Pilotstudie und einer Fallserie vor, die erst noch in größeren Studien bestätigt werden müssen“, betont PD Dr. Wollmer. Auch die Bedingungen, unter denen Botulinumtoxin eine Depression lindern kann, müssten noch genauer untersucht werden.

    „Wir haben uns auf die Facial-Feedback-Hypothese gestützt, die besagt, dass Mimik nicht nur Stimmungen ausdrückt, sondern umgekehrt auch auf unsere Stimmung zurückwirken kann“, erläutert Professor Krüger. Emotionen wie Ärger, Angst oder Traurigkeit, die häufig bei Depressionen auftreten, führen zur Aktivierung von Muskeln im Bereich der unteren mittleren Stirn, der sogenannten Glabellaregion. „Wir nehmen an, dass diese Mimik die genannten Emotionen aufrechterhalten oder sogar verstärken kann. Die Injektion von Botulinumtoxin führt zu einer vorübergehenden Lähmung der entsprechenden Muskeln und könnte so die Wechselwirkung zwischen Mimik und Stimmung unterbrechen“, erläutert PD Dr. Wollmer. Die genauen Mechanismen sollen in Folgestudien aufgeklärt werden.

    Weitere Informationen geben: Professor Dr. Tillmann Krüger, MHH, (0511) 532-3171 oder -2407, krueger.tillmann@mh-hannover und PD Dr. M. Axel Wollmer, UPK, marcaxel.wollmer@upkbs.ch, (0041) 61 325 53 19.

    Die Publikation: www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0022395612000386.


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten
    Medizin
    überregional
    Forschungsergebnisse
    Deutsch


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