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09.03.2012 16:47

„In Hannover wird Medizingeschichte geschrieben“

Stefan Zorn Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Medizinische Hochschule Hannover

    Bundesministerin von der Leyen trifft als Schirmherrin der Fördergemeinschaft Deutsche Kinderherzzentren MHH-Patienten mit einer mitwachsenden Herzklappe

    Medizin von morgen – schon heute im Einsatz: Bei einem Besuch in der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) hat sich die Schirmherrin der Fördergemeinschaft Deutsche Kinderherzzentren, Bundesministerin Dr. Ursula von der Leyen, über den Stand der Forschung zu mitwachsenden Herzklappen informiert. Die Fördergemeinschaft hat das von Professor Dr. Axel Haverich, Direktor der MHH-Klinik für Herz-, Thorax-, Transplantations- und Gefäßchirurgie, geleitete Forschungsprojekt bisher mit mehr als 800.000 Euro unterstützt.

    Nach einem Gespräch mit Professor Haverich und dessen Mitarbeiter Dr. Thomas Breymann, Bereichsleiter Kinderherzchirurgie, traf die Ministerin in der Spieloase der MHH-Kinderklinik fünf kleine Patienten im Alter von fünf bis 18 Jahren, die seit bis zu drei Jahren mit einer solchen Herzklappe leben. Unter den Kindern war auch der mittlerweile siebenjährige David aus Baden-Württemberg, der am 9. September 2008 als erster Patient in Deutschland eine mitwachsende Herzklappe erhielt. „In Hannover wird Medizingeschichte geschrieben. Früher bedeutete ein angeborener Herzfehler schwere körperliche Einschränkungen, mehrere Operationen und starke Medikamentennebenwirkungen. Heute gibt es durch die mitwachsenden Herzklappen Hoffnung auf ein unbeschwertes Leben“, betonte die Schirmherrin. „Professor Haverich und sein Team schenken Kindern mit dieser Therapie das Wichtigste, was wir Kindern geben können: Die Chance, mitzumachen, normal zu leben und wie andere einfach Kind sein zu dürfen. Ich danke dem MHH-Kinderherzzentrum und allen Spenderinnen und Spendern von Herzen.“

    Die Fördergemeinschaft Deutsche Kinderherzzentren unterstützt seit nunmehr neun Jahren die Arbeit von Professor Haverich. Für den Verein ist die Forschung an den mitwachsenden Herzklappen richtungsweisend. „Das Ziel unserer Arbeit ist es, herzkranken Kindern durch die Forschung hier in Hannover den Weg in ein weitgehend normales Leben zu ermöglichen. Es wurde schon viel erreicht, aber wir sind weiterhin auf Unterstützung durch Spenden angewiesen“, sagte Dr. Rudolf Hammerschmidt, Vorsitzender des Vorstandes der Fördergemeinschaft. „Wir sind sehr froh, dass wir dabei Frau Dr. Ursula von der Leyen als Schirmherrin der Fördergemeinschaft an unserer Seite haben.“

    Derzeit transplantieren Mediziner bei undichten Herzklappen mechanische beziehungsweise biologische Pendants. Mechanische Klappen erfordern eine dauerhafte Blutverdünnung mit Hilfe von Medikamenten, was für Kinder gefährlich sein kann. Bei ihnen werden deshalb zumeist menschliche oder tierische Herzklappen verwendet. Der Nachteil: Diese Klappen degenerieren, verlieren ihre Funktion und verkalken nach etwa acht bis zehn Jahren. Zudem wachsen sie nicht mit – und machen eine erneute Operation erforderlich. Solche Reoperationen werden von Mal zu Mal gefährlicher und sind für Kinder eine große Belastung.

    Ziel des Forschungsprojektes an der MHH ist es, diese wiederholten Operationen durch eine mitwachsende Herzklappe überflüssig zu machen. Dazu werden in einer aufwändigen Prozedur menschliche Spenderklappen dezellularisiert, also von allen Zellen „gesäubert“, – nur das Kollagengerüst bleibt übrig. Nach der Implantation werden die Klappen vom Empfängerorganismus besiedelt. „Der Organismus sieht in diesen sogenannten Homografts keine Fremdkörper mehr und so kommt es auch zu keinerlei Abstoßungsreaktion“, erklärte Professor Haverich. Darüber hinaus entfallen die weiteren Operationen, denn die Herzklappen wachsen mit. „Die Kinder haben die Chance auf ein ganz normales Leben.“ Bislang konnten 47 Kinder mit dieser neuartigen Klappe versorgt werden, wie Dr. Breymann berichtete. Derzeit wird in einer europaweiten Studie an sieben Zentren die Haltbarkeit solcher Herzklappen untersucht.



    Weitere Informationen erhalten Sie bei Dr. Thomas Breymann, breymann.thomas@mh-hannover.de, Telefon (0511) 532-9829.


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten, jedermann
    Medizin
    überregional
    Buntes aus der Wissenschaft
    Deutsch


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