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04.05.2012 13:38

Startschuss an der MHH: Trainingsprogramm für Menschen mit Depressionen

Stefan Zorn Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Medizinische Hochschule Hannover

    Robert-Enke-Stiftung fördert das von Psychiatern und Sportwissenschaftlern gemeinsam entwickelte Projekt „Aktiv aus dem Stimmungstief“

    An der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) fiel heute der Startschuss für ein besonderes Sportprojekt: Mit dem Trainingsprogramm „Aktiv aus dem Stimmungstief“ sollen Menschen angesprochen werden, die an Depressionen leiden. Es wurde gemeinsam von Psychiatern der MHH-Klinik für Psychiatrie, Sozialpsychiatrie und Psychotherapie und Sportwissenschaftlern der Universitäten Würzburg und Marburg entwickelt. In Kooperation mit dem SV Eintracht Hannover wird das Trainingsmodul jetzt getestet. In einer Studie wollen die Wissenschaftler herausfinden, wie regelmäßiger Sport in der Therapie effektiv eingesetzt werden kann. Die Robert-Enke-Stiftung unterstützt das Projekt mit 11.900 Euro.

    Depressionen sind eine Volkskrankheit. Schätzungsweise vier Millionen Menschen in Deutschland leiden an einer behandlungswürdigen Form der Krankheit. „Es ist bekannt, dass vielen Betroffenen Bewegung hilft. Doch leider steht der weiten Verbreitung der Krankheit nur ein geringes Angebot an spezifischen Sport- und Bewegungstherapien gegenüber“, bedauert Professor Dr. Marc Ziegenbein, stellvertretender Direktor der MHH-Klinik für Psychiatrie, Sozialpsychiatrie und Psychotherapie. Zudem sei es wünschenswert, dass möglichst niedrigschwellige Angebote ihren Platz im Alltag der Sportvereine finden, um zur besseren sozialen Integration und Entstigmatisierung der Patienten beizutragen.

    Bei dem neu entwickelten Modul handelt es sich um ein moderates, selbst steuerbares Ausdauertraining in der Gruppe. „Auf dem Programm stehen beispielsweise Walking, leichtes Lauftraining und spielerische Übungen. Die Teilnehmer erhalten außerdem Informationen, wie sie langfristig ihr Training sinnvoll selbst gestalten können“, erklärt Dr. Olaf Hoos vom Institut für Sportwissenschaften und Motologie der Philipps-Universität Marburg. Insgesamt 50 Patienten nehmen – nach einer medizinischen Eingangsuntersuchung – an der Studie teil. Sie treffen sich dreimal pro Woche zu Trainingseinheiten von etwa 45 bis 60 Minuten.

    Mit dem Projekt verfolgen die Wissenschaftler gleich mehrere Ziele. „Es soll ermittelt werden, welche Belastungsart und welche Trainingsintensität für eine begleitende Therapie von Depressionen besonders geeignet sind“, sagt Professorin Dr. Petra Garlipp, geschäftsführende Oberärztin der MHH-Klinik für Psychiatrie, Sozialpsychiatrie und Psychotherapie. Das Hauptaugenmerk liegt dabei auf der Verminderung von depressiven Symptomen. Darüber hinaus soll durch die zunehmende körperliche Fitness auch das Risiko für Herz-Kreislauferkrankungen reduziert werden. Daneben geht es um eine bessere Körperwahrnehmung und Selbsteinschätzung in Bezug auf die gesundheitsfördernden Aspekte des Sports – die Patienten lernen, das Bewegungsprogramm eigenständig fortzusetzen.

    Am Ende soll ein bewährtes Trainingsmodul stehen, das auch andere Kliniken, Sportvereine und Gesundheitseinrichtungen nutzen können. So könnten Depressionspatienten einen breiteren Zugang zu speziell auf sie zugeschnittene Bewegungs- und Sportprogramme erhalten. Das ist auch ein wichtiges Anliegen von Teresa Enke. Denn „der Sport bietet uns eine hervorragende Plattform, um die gesellschaftliche Enttabuisierung des Themas Depression kontinuierlich voranzutreiben“, sagt die Vorsitzende der Robert-Enke-Stiftung.

    Einen wichtigen Beitrag dazu, die Krankheit Depression zu enttabuisieren leistet der SV Eintracht Hannover mit seiner Bereitschaft, bei dem Projekt „Aktiv aus dem Stimmungstief“ mit den Wissenschaftlern zusammenzuarbeiten. „Sportclubs bieten heute Präventionskurse für verschiedenste Krankheiten, von Rückenleiden bis zum Herzinfarkt. Warum soll es da nicht auch ein Angebot für Depressive geben?“ fragt Rolf Jägersberg, Vorsitzender des SV Eintracht und Vizepräsident des Stadtsportbunds Hannover e.V.. Rita Girschikofsky stimmt dem zu. Die Präsidentin des Niedersächsischen Leichtathletik-Verbands e.V. sieht darüber hinaus ebenfalls die Chance, Menschen mit Depressionen über Sportvereine sozial wieder mehr zu integrieren. „Die gemeinsamen sportlichen Aktivitäten und der gegenseitige Austausch schaffen ein Gefühl der Zusammengehörigkeit.“

    Patienten und andere Interessierte, die mehr über das Projekt „Aktiv aus dem Stimmungstief“ wissen möchten, können sich an die MHH-Klinik für Psychiatrie, Sozialpsychiatrie und Psychotherapie, Telefon (0511) 532-6618, E-Mail aktivtherapie@mh-hannover.de, wenden.

    Weitere Informationen erhalten Sie bei Professor Dr. Marc Ziegenbein, Klinik für Psychiatrie, Sozialpsychiatrie und Psychotherapie, Telefon (0511) 532-6618, E-Mail aktivtherapie@mh-hannover.de


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten
    Medizin
    überregional
    Buntes aus der Wissenschaft
    Deutsch


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