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16.05.2012 10:43

Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie warnt: Überfunktion der Schilddrüse erhöht Sterberisiko

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Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften

    Altdorf – Überfunktionen der Schilddrüse können dem Herz auf Dauer schwere Schäden zufügen. Eine neue Studie belegt, dass diese Gefahr bereits besteht, wenn Patienten noch gar keine Beschwerden wahrnehmen. Wie die Daten zeigen, erhöht schon eine unterschwellige, oft nur im Blut erkennbare Schilddrüsen-Überfunktion das Risiko für tödliche Herzkreislauferkrankungen wie Herzinfarkt oder Schlaganfall. Die Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie (DGE) bekräftigt deshalb ihre Empfehlung, die Erkrankung frühzeitig zu behandeln.

    Die Schilddrüse steuert über ihre Hormone maßgeblich viele wichtige Stoffwechselvorgänge des Körpers. Etwa ein Prozent der Bevölkerung leidet unter einer Überfunktion dieser schmetterlingsförmigen Drüse unterhalb des Kehlkopfes. Bei jüngeren Menschen ist die Ursache häufig eine Autoimmunerkrankung: „Bei der Basedow-Krankheit treiben bestimmte Antikörper die Produktion von Schilddrüsenhormonen an und der Patient entwickelt Symptome wie Zittern, Unruhe, Schweißausbrüche und Gewichtsverlust“, erläutert DGE-Mediensprecher Professor Dr. med. Dr. h. c. Helmut Schatz aus Bochum. Bei älteren Menschen sind meistens sogenannte heiße Knoten in der Schilddrüse für die Überfunktion verantwortlich. „In beiden Fällen entzieht sich die Schilddrüse der Kontrolle durch die Hirnanhangdrüse“, führt der Experte aus. Normalerweise reguliert die Hirnanhangdrüse durch die Freisetzung des Hormons Thyreotropin (TSH) die Bildung des Schilddrüsenhormons. Bei einer Überfunktion nimmt zuerst der TSH-Wert im Blut ab, dann wird er durch die vermehrt gebildeten Schilddrüsenhormone völlig unterdrückt.

    Die Schilddrüsenhormone selbst sind im Anfangsstadium noch nicht erhöht. „Ein erniedrigter TSH-Wert ist aber schon ein wichtiger Hinweis auf eine beginnende, eine subklinische Hyperthyreose“, erklärt Professor Schatz. Da die Patienten sich gesund fühlen, würden viele Ärzte auf eine Behandlung verzichten, wenn diese leichte Überfunktion zufällig bei einer Laboruntersuchung festgestellt wird. Die Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie empfahl schon im Jahre 2009 in einer Pressemitteilung die Therapie auch dieser „latenten“ oder „subklinischen“ Überfunktion. Eine neue, große Analyse von zehn Studien mit mehr als 50 000 Teilnehmern unterstützt jetzt diese Empfehlung. Die Thyroid Studies Collaboration, eine internationale Forschergruppe, fand heraus, dass Patienten mit einer subklinischen Hyperthyreose eine um 24 Prozent erhöhte Gesamtsterblichkeit haben. Bei ihnen war die Rate von Herzinfarkten und deren Vorstufen um 20 Prozent erhöht. Sogar um fast 70 Prozent höher lag die Rate der Patienten mit Vorhofflimmern, einer Herzrhythmusstörung. „Beim Vorhofflimmern können sich Blutgerinnsel im linken Vorhof des Herzens bilden“, warnt Professor Schatz. „Wenn sie ins Gehirn geschwemmt werden, können sie einen tödlichen Schlaganfall auslösen.“

    Die rechtzeitige Therapie der Schilddrüsenüberfunktion kann nach Überzeugung des Experten die Patienten vor Herzinfarkt oder Schlaganfall bewahren. Medikamente, sogenannte Thyreostatika, können die Produktion der Schilddrüsenhormone bremsen. Professor Schatz: „Die Medikamente müssen bei den älteren Menschen mit einer nicht immunologisch verursachten Überfunktion dauerhaft eingenommen werden und sind nicht frei von Nebenwirkungen.“ Eine andere Option ist eine Radiojodtherapie, bei der durch die Gabe von radioaktivem Jod gezielt Schilddrüsengewebe zerstört wird“, so Schatz. Die Radiojodtherapie, die nur einmalig durchgeführt werden muss, sei eine dauerhafte und nebenwirkungsarme Behandlung, deren Ergebnis jedoch nicht umkehrbar sei. Die Behandlung setze deshalb voraus, dass die latente Schilddrüsenüberfunktion nicht durch Immunvorgänge ausgelöst ist und somit tatsächlich den Beginn einer anhaltenden Überfunktion anzeigt. Besteht ein großer knotiger Kropf, kommt auch eine Schilddrüsenoperation in Betracht. „Vor allem bei jüngeren Patienten mit der immunologisch bedingten Basedow´schen Erkrankung kann es aber auch zu einer spontanen Erholung kommen“, so Schatz. Der Therapieentscheidung für eine Radiojodtherapie sollten deshalb hier zwei Kontrolluntersuchungen in mehrwöchigem Abstand vorausgehen.

    Literatur:

    Collet TH et al. Subclinical Hyperthyroidism and the Risk of Coronary Heart Disease and Mortality. Arch Intern Med. 2012. doi:10.1001/archinternmed.2012.402
    Abstract der Studie: http://archinte.jamanetwork.com/article.aspx?articleid=1149640

    Endokrinologie ist die Lehre von den Hormonen, Stoffwechsel und den Erkrankungen auf diesem Gebiet. Hormone werden von endokrinen Drüsen, zum Beispiel Schilddrüse oder Hirnanhangdrüse, aber auch bestimmten Zellen in Hoden und Eierstöcken, „endokrin“ ausgeschüttet, das heißt nach „innen“ in das Blut abgegeben. Im Unterschied dazu geben „exokrine“ Drüsen, wie Speichel- oder Schweißdrüsen, ihre Sekrete nach „außen“ ab.

    – Bei Abdruck Beleg erbeten. –

    Kontakt für Journalisten:
    Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie (DGE)
    Pressestelle
    Anna Voormann, Dagmar Arnold
    Postfach 30 11 20
    70451 Stuttgart
    Telefon: 0711 8931-380
    Fax: 0711 8931-984
    arnold@medizinkommunikation.org


    Weitere Informationen:

    http://www.endokrinologie.net


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten
    Medizin
    überregional
    Forschungs- / Wissenstransfer
    Deutsch


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