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21.05.2012 09:44

Therapieoption für Herzschwäche in der Schwangerschaft

Stefan Zorn Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Medizinische Hochschule Hannover

    MHH-Forscher entdeckten Gen, das eine Schlüsselrolle bei Schwangerschafts-assoziierter Herzschwäche spielt / Sie zeigen effizientere Therapieform auf / Veröffentlichung in Nature

    Forscher der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) entdeckten ein Gen, das beim Schwangerschafts-assoziierten Herzversagen – der peri- oder postpartalen Kardiomyopathie (PPCM) – eine entscheidende Rolle spielt. Sie zeigten zudem eine neue, effiziente Therapieoption für diese lebensgefährliche Erkrankung auf. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler um Professorin Dr. Denise Hilfiker-Kleiner, MHH-Klinik für Kardiologie und Angiologie, und Professor Dr. Zoltan Arany, Cardiovascular Institute, Beth Israel Deaconess Medical Center, Harvard Medical School, in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift Nature.

    PPCM ist eine seltene aber schwere Erkrankung, deren Ursache noch unklar ist. Sie kann bei vorher gesunden Frauen ohne Vorwarnung in den letzten Wochen der Schwangerschaft und in den ersten Monaten nach der Entbindung auftreten und binnen weniger Wochen zum Tod führen. Zu den Risikofaktoren gehören erhöhter Bluthochdruck oder Mehrlingsgeburten. Symptome dieser Erkrankung können sein: Abgeschlagenheit, Atemnot, Wassereinlagerungen in Armen und Beinen, starker Reizhusten, schlechter Schlaf und Herzrasen. Gesicherte Zahlen zur Häufigkeit gibt es nicht. Schätzungen zufolge könnte eine von 2.500 bis 4.000 Schwangerschaften in Deutschland betroffen sein.

    Die MHH-Forscher konnten bereits zuvor zeigen, dass Mäuse, bei denen das Gen STAT3 fehlt oder defekt ist, an PPCM starben. „In ihrem Herzmuskel wird das Stillhormon Prolaktin in ein kleines biologisch aktives Fragment gespalten, das kleine Blutgefäße zerstört und die Blutzirkulation so stark beeinträchtigt, dass das Herz nicht mehr funktioniert“, sagt Professorin Hilfiker-Kleiner. Derzeit werde in klinischen Studien getestet, ob Prolaktin mit dem Abstillmedikament Bromocriptin blockiert werden kann. Die bisherigen Ergebnisse seien vielversprechend: Bromocriptin wirkt – jedoch nicht bei allen Patientinnen gleich effizient.

    Nun konnten die Wissenschaftler zeigen, dass neben STAT3 auch das Gen PGC1a eine wichtige Rolle bei dieser Krankheit spielt: Es verhindert die Spaltung des Prolaktins und sorgt dafür, dass vermehrt ein bestimmter Wachstumsfaktor namens Vascular Endothelial Growth Factor (VEGF) entsteht. Dieser schützt die Blutgefäße und fördert ihre Regeneration. Mäusen, denen PGC1a fehlt, weisen einen noch stärkeren Verlust von Blutgefässen im Herzen auf, so dass sich das Herzversagen sehr schnell und massiv einstellt.

    „Wir nehmen an, dass eine kombinierte Therapie mit Bromocriptin sowie einem Medikament, das wie VEGF wirkt, eine Heilung stark begünstigt und somit eine effizientere Therapieform der PPCM darstellt“, sagt Professorin Hilfiker-Kleiner. Es wäre auch möglich, bei Frauen mit einem Risiko für PPCM das Verhältnis zwischen VEGF und VEGF-blockierendem Faktor sFlt1 zu bestimmen. Das könnte zu einer frühen Diagnose dieser Krankheit führen, so dass frühzeitig mit einer Therapie begonnen werden könne.

    Weitere Informationen erhalten Sie bei Professorin Denise Hilfiker-Kleiner, hilfiker.denise@mh-hannover.de, Telefon (0511) 532-2531.


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten
    Medizin
    überregional
    Forschungsergebnisse, Wissenschaftliche Publikationen
    Deutsch


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