idw – Informationsdienst Wissenschaft

Nachrichten, Termine, Experten

Grafik: idw-Logo
Grafik: idw-Logo

idw - Informationsdienst
Wissenschaft

Medienpartner:
Wissenschaftsjahr


Teilen: 
04.06.2012 13:42

Sicheres Fleisch durch chemische Behandlung und Bestrahlung?

Dr. Suzan Fiack Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR)

    BfR-Presseinformation
    Bundesinstitut für Risikobewertung
    Max-Dohrn-Str. 8-10
    10589 Berlin

    Telefon: 030 1 8412-4300
    Telefax: 030 1 8412-4970

    V.i.S.d.P.: Dr. Suzan Fiack

    19/2012, 04.06.2012

    Sicheres Fleisch durch chemische Behandlung und Bestrah-lung?

    12. BfR-Forum Verbraucherschutz zum Thema Dekontamination von Lebensmitteln

    Am 4. und 5. Juni findet das 12. BfR-Forum Verbraucherschutz zum Thema „Verbesserungen der Lebensmittelhygiene durch De-kontamination? Standortbestimmung und Perspektiven“ in Berlin-Marienfelde statt. Dort erörtern Experten aus Wissenschaft, Wirt-schaft, Politik und Verbraucherverbänden den aktuellen Wissens-stand zum Thema Dekontaminationsverfahren und beurteilen Mög-lichkeiten, die Fleischhygiene zu optimieren. Die Dekontamination von Lebensmitteln hat das Ziel, Bakterien zu reduzieren bzw. abzu-töten. Dazu können zahlreiche physikalische, biologische und chemische Verfahren eingesetzt werden. Im Vordergrund der Le-bensmittelhygiene stehen selbstverständlich immer Maßnahmen zur Verhütung von Infektionen der Tiere während der Aufzucht, der Mast und dem Transport. Ziel ist, eine Kontamination der Schlacht-tierkörper und Produkte mit Keimen so weit wie möglich zu ver-hindern. Dekontaminationsverfahren sind besonders dann sinn-voll, wenn sie die allgemeinen Hygienemaßnahmen zweckmäßig ergänzen und dies zur Lebensmittelsicherheit nachhaltig beiträgt.

    Salmonellen, Campylobacter, EHEC und andere Mikroorganismen kön-nen beim Menschen zum Teil schwere Krankheiten auslösen. Verbrau-cher vertrauen darauf, dass im Handel angebotenes Fleisch frei von krankheitserregenden Keimen ist. Es werden deshalb auf allen Stufen der Herstellungs- und Vertriebskette Anstrengungen unternommen, um eine Infektion von Tieren und eine Kontamination der Schlachttierkörper und Lebensmittel mit krankmachenden Keimen zu vermeiden – oder auf ein akzeptables Maß zu reduzieren. Dies gelingt jedoch auch bei sorg-fältigster Anwendung einer guten Lebensmittelhygienepraxis niemals vollständig. Epidemiologische Unter¬suchungen zeigen, dass Campylo-bacter- und Salmonella-Bakterien durch den Ver¬zehr kon¬taminierter tierischer Nahrungsmittel Erkrankungen auslösen können. Diese Er¬krankungen können beim Menschen, von leichten Symptomen bis hin zu lebensbe¬droh¬lichen Zuständen führen.

    In der EU wird der Einsatz von De¬konta¬mina¬tions¬maßnahmen disku-tiert. Die Anzahl der Bakterien und Krankheitserreger könnte durch der-artige Maßnahmen verringert werden. Dazu gehören zum Beispiel die Behandlungen von Lebensmitteln mit UV-Licht, ionisierenden Strahlen oder mit chemischen Substanzen, die gegen Bakterien wirken.

    In den USA wird das Geflügel nach der Schlach¬tung zur De¬konta¬mination unter anderem mit chlor¬haltigen Substanzen oder Per¬oxysäuren besprüht oder in Tauchkühlbäder eingebracht. Die Behand-lung von Lebensmitteln mit ionisierenden Strahlen wird in einigen EU-Ländern zum Zwecke der Konservierung von Lebensmitteln und der Verringerung von lebensmittelbedingten Infektionen angewendet. Che-mische Dekontaminationsverfahren sind in der EU bislang nicht zuge-lassen. Die Vorschläge der EU-Kommission, vier antimikrobielle Stoffe (Chlordioxid, saures Natriumchlorit, Trinatriumphosphat und Peroxysäu-ren) für die Dekontaminierung von Geflügelschlachtkörpern zuzulassen, wurden bislang von den Mitgliedstaaten abgelehnt.

    Bei dem 12. BfR Forum Verbraucherschutz erörtern Experten den aktu-ellen Wissensstand zur Anwendung und Effizienz von Dekontaminati-onsverfahren. Vertreter aus Wissenschaft, Wirtschaft, Politik und Verbraucherverbänden diskutieren über mögliche Handlungsfelder, Lö-sungsansätze und Schlussfolgerungen für den gesundheitlichen Verbraucherschutz. Insbesondere wird die Frage im Fokus stehen, ob dem Lebensmittelunternehmer und dem Ver¬braucher in der EU derzeit mög¬licher¬weise ein potentiell geeignetes, unbedenkliches Verfahren zur Ge¬winnung sicherer Lebensmittel vorenthalten wird. Die berechtigte Verbrauchererwartung nach sicheren und hygienischen Lebens¬mitteln ist nicht vereinbar mit der Tatsache, dass Geflügel¬fleisch in Europa mit Zoonose¬erregern, wie Salmonellen und Campylobacter, kontaminiert ist.
    In der Reihe der BfR-Foren Verbraucherschutz greift das BfR stets Themen des gesundheitlichen Verbraucherschutzes auf, die aktuell für viele Akteure relevant und von Interesse sind. Das Forum dient als eine Plattform, auf der aktuelle wissenschaftliche Kenntnisse präsentiert werden und darüber hinaus die praktischen und auch möglichen politi-schen Konsequenzen offen diskutiert werden.

    Über das BfR

    Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) ist eine wissenschaftliche Einrichtung im Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Ernäh-rung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV). Es berät die Bundesregierung und die Bundesländer zu Fragen der Lebensmittel-, Chemikalien und Produktsicherheit. Das BfR betreibt eigene Forschung zu Themen, die in engem Zusammenhang mit seinen Bewertungsauf-gaben stehen.

    ende bfr-p


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten
    Medizin
    überregional
    Forschungs- / Wissenstransfer
    Deutsch


    Hilfe

    Die Suche / Erweiterte Suche im idw-Archiv
    Verknüpfungen

    Sie können Suchbegriffe mit und, oder und / oder nicht verknüpfen, z. B. Philo nicht logie.

    Klammern

    Verknüpfungen können Sie mit Klammern voneinander trennen, z. B. (Philo nicht logie) oder (Psycho und logie).

    Wortgruppen

    Zusammenhängende Worte werden als Wortgruppe gesucht, wenn Sie sie in Anführungsstriche setzen, z. B. „Bundesrepublik Deutschland“.

    Auswahlkriterien

    Die Erweiterte Suche können Sie auch nutzen, ohne Suchbegriffe einzugeben. Sie orientiert sich dann an den Kriterien, die Sie ausgewählt haben (z. B. nach dem Land oder dem Sachgebiet).

    Haben Sie in einer Kategorie kein Kriterium ausgewählt, wird die gesamte Kategorie durchsucht (z.B. alle Sachgebiete oder alle Länder).