idw – Informationsdienst Wissenschaft

Nachrichten, Termine, Experten

Grafik: idw-Logo
Grafik: idw-Logo

idw - Informationsdienst
Wissenschaft

Medienpartner:
Wissenschaftsjahr


Teilen: 
03.07.2012 12:15

Erreger aus dem Labor: Fluch oder Segen?

Dr. Annette Tuffs Unternehmenskommunikation
Universitätsklinikum Heidelberg

    Der Virologe und Pionier der Synthetischen Biologie Prof. Eckard Wimmer spricht im „Heidelberger Forum Biowissenschaft und Gesellschaft“: Sein Vortrag "Ist die chemische Synthese infektiöser Viren oder Bakterien ein Segen oder ein Fluch für die Gesellschaft?" beginnt um 18 Uhr im Auditorium der Heidelberger Print Media Academy, Kurfürsten-Anlage 52-60. Der Eintritt ist frei; Bevölkerung und Journalisten sind herzlich eingeladen. 2002 gelang es ihm weltweit erstmals, infektiöse Viren im Reagenzglas nachzubauen. Er stieß damit eine wissenschaftliche und gesellschaftliche Debatte an, ob solche Versuche – und insbesondere ihre Veröffentlichung – Missbrauch und Bioterrorismus Vorschub leisten.

    2002 gelang es dem deutsch-amerikanischen Virologen Professor Dr. Eckard Wimmer an der Stony Brook University, New York, weltweit erstmals, infektiöse Viren im Reagenzglas nachzubauen. Er stieß damit eine wissenschaftliche und gesellschaftliche Debatte an, ob solche Versuche – und insbesondere ihre Veröffentlichung – Missbrauch und Bioterrorismus Vorschub leisten. Aktuell hat das Thema wieder an Relevanz gewonnen, nachdem Forscher 2011 hochansteckende Varianten des Vogelgrippe-Erregers erzeugten und die genetische Bauanleitung nun veröffentlichten. Doch was ist der eigentliche Zweck dieser Versuche? Für und Wider stellt Professor Wimmer am Montag, den 9. Juli 2012, im „Heidelberger Forum Biowissenschaft und Gesellschaft“ vor. Sein Vortrag "Ist die chemische Synthese infektiöser Viren oder Bakterien ein Segen oder ein Fluch für die Gesellschaft?" beginnt um 18 Uhr im Auditorium der Heidelberger Print Media Academy, Kurfürsten-Anlage 52-60. Der Eintritt ist frei; Bevölkerung und Journalisten sind herzlich eingeladen.

    Das "Heidelberger Forum Biowissenschaft und Gesellschaft" ist eine Initiative der Heidelberger molekularbiologischen Forschungsinstitute: des Europäischen Molekularbiologielabors (EMBL), des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ), des Zentrums für Molekulare Biologie Heidelberg (ZMBH) und der Medizinischen Fakultät der Universität Heidelberg. Ziel ist es, die interessierte Bevölkerung über aktuelle Themen aus den Biowissenschaften zu informieren. Die Initiative wird von der Manfred Lautenschläger Stiftung unterstützt.

    Neue Erkenntnisse durch chemische Synthese von Krankheitserregern

    Wimmers Experiment war revolutionär: Gemeinsam mit seinen New Yorker Kollegen stellte er funktionsfähige Polio-Viren, Erreger der Kinderlähmung, allein aus den synthetisch hergestellten Grundbausteinen des Viren-Erbguts und mit Hilfe von im Internet frei zugänglichen Informationen zu deren Anordnung her. Er zeigte damit, dass Viren nicht nur aus vorhandenen Viren vermehrt, sondern aus einem Molekülgemisch neu erzeugt werden können und dass Impfstoffe auch dann noch vorrätig gehalten werden sollten, wenn die natürlich vorkommenden Erreger bereits ausgerottet sind.

    Während Polio noch vergleichsweise einfach aufgebaut ist, gelang inzwischen auch die Herstellung komplexerer Viren und sogar von Bakterien mit neuer Erbinformation: So rekonstruierten US-amerikanische Wissenschaftler 2005 das vollständige Genom des Influenza-Virus, das ab 1918 als Erreger der „Spanischen Grippe“ Millionen Todesopfer forderte. 2010 vermeldeten Wissenschaftler um den Genomforscher Craig Venter, erstmals ein lebensfähiges Bakterium erzeugt zu haben, dessen Erbgut vollständig künstlich hergestellt wurde und das sich selbst vermehren kann.

    Die Synthese von Krankheitserregern, eine Form der Synthetischen Biologie, dient in erster Linie der Grundlagenforschung. Sie erlaubt es Wissenschaftlern, am Erbgut der Keime umfangreiche Veränderungen vorzunehmen. Tests mit diesen neuen Erregervarianten helfen dabei, dringende Fragen zu beantworten wie „Welche genetischen Merkmale machen Viren gefährlich?“ oder „Wo sind Ansatzpunkte für neue Impfstoffe oder Therapien?“. Speziell entwickelte Bakterien könnten in Zukunft z.B. Ölteppiche oder Umweltgifte abbauen. Von Nutzen war letztlich auch die chemische Synthese des Poliovirus: Die Arbeiten von Eckart Wimmer und seinen Kollegen mündeten in einer neuen Strategie zur Herstellung von Lebend-Impfstoffen gegen Viren. Klar ist aber auch: In den falschen Händen könnten diese Techniken möglicherweise fatale Folgen haben.

    Seit über 40 Jahren erforscht der Chemiker Eckard Wimmer das Poliovirus

    Eckard Wimmer, 1936 in Berlin geboren, studierte in Göttingen Organische Chemie, wo er 1962 promovierte. 1964 wechselte er an die University of British Columbia in Kanada, zwei Jahre später ging er in die USA, forschte und lehrte an verschiedenen Universitäten, seit 1974 an der Stony Brook University of New York. Schon früh faszinierte den Chemiker die duale Natur der Viren als eine leblose Anordnung organischer Moleküle mit einem Lebenszyklus im Inneren der Wirtszellen. Seit über 40 Jahren erforscht er das Poliovirus und gilt als führender Experte auf diesem Gebiet.

    Weitere Information im Internet:
    http://www.embl.de/aboutus/science_society/hd_forum/upcoming/wimmer/index.html
    Oder unter www.embl.de > About us > Science and Society > Heidelberg Forum > Upcoming Events

    Kontakt:
    Prof. Dr. Hans-Georg Kräusslich
    Geschäftsführender Direktor des Departments für Infektiologie, Virologie
    Universitätsklinikum Heidelberg
    Tel.: 06221 / 56 50 01
    E-Mail: Hans-Georg.Kraeusslich@med.uni-heidelberg.de

    Universitätsklinikum und Medizinische Fakultät Heidelberg
    Krankenversorgung, Forschung und Lehre von internationalem Rang
    Das Universitätsklinikum Heidelberg ist eines der größten und renommiertesten medizinischen Zentren in Deutschland; die Medizinische Fakultät der Universität Heidelberg zählt zu den international bedeutsamen biomedizinischen Forschungseinrichtungen in Europa. Gemeinsames Ziel ist die Entwicklung neuer Therapien und ihre rasche Umsetzung für den Patienten. Klinikum und Fakultät beschäftigen rund 11.000 Mitarbeiter und sind aktiv in Ausbildung und Qualifizierung. In mehr als 50 Departments, Kliniken und Fachabteilungen mit ca. 2.000 Betten werden jährlich rund 550.000 Patienten ambulant und stationär behandelt. Derzeit studieren ca. 3.600 angehende Ärzte in Heidelberg; das Heidelberger Curriculum Medicinale (HeiCuMed) steht an der Spitze der medizinischen Ausbildungsgänge in Deutschland.

    http://www.klinikum.uni-heidelberg.de

    Bei Rückfragen von Journalisten:
    Julia Bird
    Referentin Unternehmenskommunikation / Pressestelle
    des Universitätsklinikums Heidelberg und der
    Medizinischen Fakultät der Universität Heidelberg
    Im Neuenheimer Feld 672
    69120 Heidelberg
    Tel.: 06221 56-7071
    Fax: 06221 56-4544
    E-Mail: julia.bird@med.uni-heidelberg.de

    Dr. Annette Tuffs
    Leiterin Unternehmenskommunikation / Pressestelle
    des Universitätsklinikums Heidelberg und der
    Medizinischen Fakultät der Universität Heidelberg
    Im Neuenheimer Feld 672
    69120 Heidelberg
    Tel.: 06221 56-4536
    Fax: 06221 56-4544
    E-Mail: annette.tuffs@med.uni-heidelberg.de

    Diese Pressemitteilung ist auch online verfügbar unter
    http://www.klinikum.uni-heidelberg.de/presse

    Besuchen Sie das Universitätsklinikum Heidelberg auch bei Facebook:
    http://www.facebook.com/home.php#!/pages/Universit%C3%A4tsKlinikum-Heidelberg/10...

    82 / 2012

    TB


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten
    Biologie, Chemie, Medizin
    regional
    Buntes aus der Wissenschaft
    Deutsch


    Hilfe

    Die Suche / Erweiterte Suche im idw-Archiv
    Verknüpfungen

    Sie können Suchbegriffe mit und, oder und / oder nicht verknüpfen, z. B. Philo nicht logie.

    Klammern

    Verknüpfungen können Sie mit Klammern voneinander trennen, z. B. (Philo nicht logie) oder (Psycho und logie).

    Wortgruppen

    Zusammenhängende Worte werden als Wortgruppe gesucht, wenn Sie sie in Anführungsstriche setzen, z. B. „Bundesrepublik Deutschland“.

    Auswahlkriterien

    Die Erweiterte Suche können Sie auch nutzen, ohne Suchbegriffe einzugeben. Sie orientiert sich dann an den Kriterien, die Sie ausgewählt haben (z. B. nach dem Land oder dem Sachgebiet).

    Haben Sie in einer Kategorie kein Kriterium ausgewählt, wird die gesamte Kategorie durchsucht (z.B. alle Sachgebiete oder alle Länder).