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27.07.2012 10:47

Unstatistik des Monats: Keine Angst vor Cholera

Joachim Schmidt Presse und Information
Rheinisch-Westfälisches Institut für Wirtschaftsforschung e.V.

    Horrormeldungen wie „Cholera kann über Ostsee nach Deutschland kommen“ (Die Welt) „Gefährliche Keime in der Ostsee“ (Frankfurter Rundschau) oder „Klimawandel: Gefährliche Keime breiten sich in Ostsee aus“ (Hamburger Abendblatt) haben Ende des Monats deutsche Zeitungsleser erschreckt. Eine Studie in einer medizinischen Fachzeitschrift hat einen positiven Zusammenhang zwischen der Erwärmung der Ostsee und dem Vorkommen des Bakteriums Vibrio gefunden, das unter anderem auch Cholera erzeugt. Wie die Autoren selbst anmerken, kann diese Korrelation auf einer Vielzahl anderer Ursachen beruhen, wie z.B. einem verbesserten Meldesystem für Cholera.
    Vielleicht trifft dieser Zusammenhang aber auch tatsächlich zu. Selbst dann ist jedoch kein Grund zur Beunruhigung vorhanden. Denn nach Angaben des Berliner Robert Koch Instituts wurden von 2001 bis 2010 lediglich 15 Cholerafälle gemeldet. Sollte sich diese Zahl, wie die Autoren der Studie befürchten, in den nächsten Jahrzehnten verdoppeln, ergäbe das im Durchschnitt künftig drei Cholerafälle pro Jahr. Damit ist die Wahrscheinlichkeit eines Cholerafalls in Deutschland immer noch weniger als ein Fünftel derjenigen, vom Blitz erschlagen zu werden. Obwohl sich die Zahl der Cholerafälle relativ gesehen verdoppelt hätte, bliebe ihre absolute Häufigkeit verschwindend gering. Also wie so oft viel Lärm um (praktisch) nichts. Man kann weiterhin beruhigt in der Ostsee baden.

    Ihr Ansprechpartner dazu: Prof. Dr. Walter Kämer, Tel.: (0231) 755-3125

    Mit der „Unstatistik des Monats“ hinterfragen der Berliner Psychologe Gerd Gigerenzer, der Dortmunder Statistiker Walter Krämer und RWI-Vizepräsident Thomas Bauer jeden Monat sowohl jüngst publizierte Zahlen als auch deren Interpretationen. Alle „Unstatistiken“ finden Sie im Internet unter www.unstatistik.de.


    Weitere Informationen:

    http://www.unstatistik.de


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten
    Medizin, Wirtschaft
    überregional
    Buntes aus der Wissenschaft, Forschungsergebnisse
    Deutsch


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