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26.08.2012 14:15

Akute Herzinsuffizienz bei Frauen: Weniger Therapie, gleiches Sterblichkeitsrisiko

Christiane Limberg Pressestelle
Deutsche Gesellschaft für Kardiologie - Herz- und Kreislaufforschung e.V.

    Vom 25. bis 29. August 2012 findet in München der Europäische Kardiologenkongress (ESC) statt

    Frauen, die mit akuter Herzinsuffizienz in ein Krankenhaus aufgenommen werden, haben ein ähnliches Sterblichkeitsrisiko wie Männer, werden aber weniger intensiv therapiert. Das ist das Ergebnis einer Analyse der Daten eines großen internationalen Registers, das heute auf dem Kongress der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie (ESC) in München präsentiert wurde. Von 25. bis 29. August treffen Herzspezialisten aus aller Welt zum international größten Kongress in der Herzmedizin zusammen.

    Die Analyse basiert auf dem Acute Heart Failure Global Registry of Standard Treatment (ALARM-HF), untersucht wurden die Daten von insgesamt knapp 5000 Patienten mit akuter Herzinsuffizienz in neun Ländern. 37 Prozent der Patienten waren Frauen.

    Bei vielen der untersuchten Parameter fanden die Forscher deutliche Unterschiede zwischen Männern und Frauen, berichtete in München Studienautor Dr. John T. Parissis von der Universität Athen: Geschlechterdifferenzen fanden die Forscher bei Symptomen, Begleiterkrankungen, auslösenden Faktoren für die akute Herzschwäche und Behandlungsmustern. Keine Unterschiede zwischen Männern und Frauen gab es bei der Dauer des Klinikaufenthalts sowie der Sterblichkeit.

    Einige der signifikanten Unterschiede zwischen den Geschlechtern: Frauen mit akuter Herzinsuffizienz waren bei der Aufnahme in das Krankenhaus durchschnittlich älter als ihre männlichen Leidensgenossen und öfter als diese erstmals mit der Diagnose Herzschwäche konfrontiert. Frauen hatten halb so oft wie Männer einen kardiogenen Schock, aber doppelt so oft eine Rechtsherzschwäche. Frauen wiesen auch einen höheren systolischen Blutdruck und eine höhere Herzfrequenz auf. Die Mehrheit der Frauen hatte eine erhaltene Ejektionsfraktion. Die Ejektionsfraktion beschreibt den Prozentsatz des Blutvolumens, der von einer Herzkammer während einer Herzfraktion ausgeworfen wird; je besser sie erhalten ist, desto günstiger ist es.

    Was die beobachteten Begleiterkrankungen angeht, so hatten Frauen häufiger Vorhofflimmern, Herzklappenerkrankungen, Diabetes, Adipositas, Anämie und Depression. Weniger oft als Männer hatten sie geraucht oder litten an Herzmuskelerkrankungen, einer koronaren Herzerkrankung, ungünstigen Blutfettwerten, Asthma oder einer chronisch-obstruktiven Lungenerkrankung (COPD).

    Deutlich unterschieden sich die Geschlechter laut ALARM-HF-Register bei der Behandlung: Zum Zeitpunkt der Krankenhaus-Aufnahme nahmen Frauen weniger häufig als Männer Angiotensin-Rezeptoren-Blocker, Beta-Blocker, Aspirin oder Clopidogrel. Aufgrund des bei Frauen häufiger vorhandenen Vorhofflimmerns nahmen Frauen öfter als Männer Digitalis oder Vitamin-K-Antagonisten. Beatmungs-Behandlungen erhielten Frauen und Männer gleich oft, Eingriffe wie Katheter-Interventionen, Bypass-Operationen oder intraaortale Ballonpumpen wurden an Männern deutlich öfter als an Frauen vorgenommen.

    „Die Tatsache, dass Frauen eine bessere Ejektionsfraktion haben und seltener unter einer koronaren Herzkrankheit leiden, dürfte ihre Lebenserwartung positiv beeinflussen“, so Studienautor Dr. Parissis. „Andererseits scheint das Vorhandensein anderer schwerwiegender Begleiterkrankungen und die Tatsache, dass wichtige Medikamente wie Betablocker Frauen weniger häufig verschrieben werden, diesen Vorteil wiederum in negativer Weise auszugleichen. Das dürfte erklären, warum letztlich das Sterblichkeitsrisiko bei beiden Geschlechtern gleich hoch ist.“

    „Die Registerdaten und ihre geschlechtsspezifische Auswertung könnten auch einen Hinweis darauf geben, dass es bei der akuten Herzinsuffizienz deutliche pathophysiologische Unterschiede zwischen Männern und Frauen gibt, die in der Behandlung berücksichtigt werden müssen“, kommentiert Prof. Dr. Eckart Fleck (Deutsches Herzzentrum Berlin), Pressesprecher der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie, die aktuelle Studie. „In jedem Fall ist es wichtig, dass die bestehenden Behandlungsrichtlinien, die es zur Herzinsuffizienz gibt, konsequent umgesetzt werden, unabhängig vom Geschlecht.“

    Quelle:
    ESC Abstract P1949: Parissis et al., Gender-related treatments and co-morbidities in patients with acute heart failure

    ESC-Medienkontakt für deutschsprachige Medien:
    Dr. Birgit Kofler, Roland Bettschart
    B&K Bettschart & Kofler Kommunikationsberatung
    E-Mail: kofler@bkkommunikation.com; bettschart@bkkommunikation.com
    Mobil: +43-676-6368930; +43-676-6356775


    Weitere Informationen:

    http://www.escardio.org


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten, Wissenschaftler
    Medizin
    überregional
    Forschungsergebnisse, Wissenschaftliche Tagungen
    Deutsch


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