idw – Informationsdienst Wissenschaft

Nachrichten, Termine, Experten

Grafik: idw-Logo
Grafik: idw-Logo

idw - Informationsdienst
Wissenschaft

Medienpartner:
Wissenschaftsjahr


Teilen: 
29.08.2012 15:55

DGPM: Schon leichte seelische Probleme können das Leben verkürzen

Medizin - Kommunikation Medizinkommunikation
Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften

    Berlin - Seelische Nöte gefährden die Gesundheit weit stärker als bisher bekannt. Selbst mäßige Probleme, die noch keiner Krankheit entsprechen, steigern das Sterberisiko deutlich um 20 Prozent, wie eine große britische Studie zeigt. Demnach schlagen Angst, Unzufriedenheit oder Schwermut auf Dauer auf das Herz-Kreislauf-System. Dass bereits leichte seelische Probleme die körperliche Gesundheit in Mitleidenschaft ziehen, so die Deutsche Gesellschaft für Psychosomatische Medizin und Ärztliche Psychotherapie (DGPM), belegen nun erstmals Daten einer Übersichtsstudie. Die DGPM rät daher, auch leichte Symptome von psychischem Stress ernst zu nehmen und auf das eigene seelische Wohl zu achten.

    Dass psychische Erkrankungen wie etwa Depressionen die Gefahr von Herzproblemen und anderen Erkrankungen deutlich steigern, wissen Ärzte seit Jahren. Ob und in welchem Maße aber auch leichtere seelische Probleme auf die körperliche Gesundheit schlagen, war bislang wenig erforscht. Um dies zu klären, analysierten Mediziner um Tom Russ vom Murray Royal Hospital im schottischen Perth zehn Studien mit insgesamt über 68 000 Teilnehmern im Alter ab 35 Jahren. Bei allen Personen, die zu Beginn der jeweiligen Studie weitgehend gesund waren, wurde das seelische Befinden untersucht.

    Im Laufe der folgenden acht Jahre starben rund 8400 Teilnehmer. Die Analyse der Daten zeigt, dass schon mäßig ausgeprägte seelische Probleme mit einem erhöhten Sterberisiko einhergingen. Und die Gefahr stieg mit zunehmender psychischer Last: Unter Berücksichtigung von Begleiterkrankungen, Alter, Geschlecht, Alkohol- und Tabakgenuss der Studienteilnehmer steigerte bereits eine mäßige Belastung das Sterberisiko um etwa 20 Prozent. Die Gefahr, an einer Herz-Kreislauf-Erkrankung zu sterben, war hier sogar um 29 Prozent erhöht, wie die Forscher im „British Medical Journal“ berichten. Auf die Wahrscheinlichkeit, an Krebs zu sterben, wirkten sich mäßige Probleme dagegen nicht aus. Bei stark gestressten krebskranken Menschen war dieses Risiko allerdings um 41 Prozent gesteigert.

    Die Forscher erklären die erhöhte Sterberate mit verschiedenen Mechanismen. So könne sich seelischer Stress direkt auf die Herztätigkeit auswirken und selbst bei scheinbar gesunden Menschen einen Infarkt begünstigen. Zudem stimuliere eine solche Belastung die Bildung entzündungsfördernder Stoffe wie etwa C-reaktives Protein (CRP), Interleukin-6 (IL 6) oder Tumornekrosefaktor-alpha (TNF-α). Dass akuter Stress auch die Methylierung der Erbsubstanz und damit die Aktivität von Genen beeinflusst, konnten Forscher kürzlich im Fachblatt „Translational Psychiatry” nachweisen. Ferner beeinflussen psychische Probleme auch die Lebensführung, etwa wenn Betroffene rauchen, viel Alkohol trinken oder sich wenig bewegen.

    „Die Studie zeigt, dass seelische Nöte auch jene Menschen gefährden, die gewöhnlich keine ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen“, so Professor Dr. med. Johannes Kruse, Vorsitzender der DGPM. Wer dauerhaft ängstlich oder schwermütig ist und zunehmend an Vertrauen verliert, sollte der DGPM zufolge vorbeugen und gegebenenfalls einen Experten aufsuchen. Je nach individuellem Bedürfniss ließe sich durch Entspannungstechniken und Gespräche mit Ärzten oder auch Vertrauten bereits etwas ändern und die belastenden Faktoren lindern. „Möglicherweise können auch diese Personen von einer Therapie profitieren. Welche Therapieansätze hier am geeignetsten wären, müssen weitere Untersuchungen klären“, sagt Professor Kruse, Gießen.

    Quellen:
    Tom C. Russ et al.: Association between psychological distress and mortality: individual participant pooled analysis of 10 prospective cohort studies. British Medical Journal, 2012, Online-Vorabveröffentlichung

    E. Unternaehrer, P. Luers, J. Mill, E. Dempster, A.H. Meyer, S. Staehli, R. Lieb, D.H. Hellhammer, G. Meinlschmidt (2012): Dynamic changes in DNA methylation of stress associated genes (OXTR, BDNF) after acute psychosocial stress, Translational Psychiatry, doi: 10.1038/tp.2012.77
    http://www.nature.com/tp/journal/v2/n8/full/tp201277a.html

    Pressekontakt für Rückfragen:
    Deutsche Gesellschaft für Psychosomatische Medizin und Ärztliche Psychotherapie (DGPM)
    Pressestelle
    Christine Schoner
    Postfach 30 11 20, 70451 Stuttgart
    Tel: 0711 8931-573; Fax: 0711 8931-167
    schoner@medizinkommunikation.org
    http://www.dgpm.de


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten, Wissenschaftler
    Medizin, Psychologie
    überregional
    Forschungsergebnisse, Wissenschaftliche Publikationen
    Deutsch


    Hilfe

    Die Suche / Erweiterte Suche im idw-Archiv
    Verknüpfungen

    Sie können Suchbegriffe mit und, oder und / oder nicht verknüpfen, z. B. Philo nicht logie.

    Klammern

    Verknüpfungen können Sie mit Klammern voneinander trennen, z. B. (Philo nicht logie) oder (Psycho und logie).

    Wortgruppen

    Zusammenhängende Worte werden als Wortgruppe gesucht, wenn Sie sie in Anführungsstriche setzen, z. B. „Bundesrepublik Deutschland“.

    Auswahlkriterien

    Die Erweiterte Suche können Sie auch nutzen, ohne Suchbegriffe einzugeben. Sie orientiert sich dann an den Kriterien, die Sie ausgewählt haben (z. B. nach dem Land oder dem Sachgebiet).

    Haben Sie in einer Kategorie kein Kriterium ausgewählt, wird die gesamte Kategorie durchsucht (z.B. alle Sachgebiete oder alle Länder).