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12.10.2012 12:00

Durchblutungsstörung der Beine: Katheter-Behandlung und regenerative Therapien

Christiane Limberg Pressestelle
Deutsche Gesellschaft für Kardiologie - Herz- und Kreislaufforschung e.V.

    Vom 11. – 13. Oktober 2012 findet in Hamburg die Herbsttagung der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK) statt

    Hamburg, Freitag, 11. Oktober 2012 – In den vergangenen Jahren haben sich Katheter-Techniken, wie man sie aus der Versorgung von Herzinfarkt-Patienten kennt, auch in der Therapie der peripherer arterieller Verschlusskrankheit (PAVK) durchgesetzt. Das bedeutet für die Patienten vor allem weniger belastende Eingriffe verglichen mit der offenen Operation, berichtet Professor Dr. Sigrid Nikol (Asklepios Klinik St. Georg, Hamburg) auf einer Pressekonferenz zur Herbsttagung der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK) und der Jahrestagung der Arbeitsgruppe Rhythmologie. Von Donnerstag bis Samstag werden im Congress Center Hamburg rund 2000 aktive Teilnehmer erwartet.

    PAVK kann bedeuten, dass atherosklerotische Plaques („Arterienverkalkungen“) in den Beinarterien vorhanden sind, die keine Symptome verursachen, es kann sich jedoch auch um einen kompletten Gefäßverschluss handeln. PAVK ist häufig. Die Prävalenz steigt mit dem Alter und erreicht bei den über 75-Jährigen 30 Prozent, wobei die überwiegende Mehrzahl asymptomatisch ist. Die häufigsten Beschwerden in schwereren Fällen sind krampfartige Schmerzen bei Belastung, die zum Stehenbleiben zwingen, die sogenannte Claudicatio intermittens – auch als „Schaufensterkrankheit“ bekannt, weil die Betroffenen häufig vor Schaufenstern anhalten, um ihren schmerzenden Beinen etwas Erholung zu gönnen. Ein hohes Risiko zur Amputation besteht aber, wenn bereits chronische Wunden an Zehen, Füßen oder Beinen durch die arterielle Durchblutungsstörung entstanden sind.

    Neben dem Alter sind Diabetes und Rauchen die wichtigsten Risikofaktoren. Diabetiker und Raucher haben auch das höchste Risiko, eine kritische Extremitäten-Ischämie zu entwickeln. Das bedeutet, dass das Bein so schlecht durchblutet wird, dass es im schlimmsten Fall amputiert werden muss.

    Doch die PAVK kann heute schon mit guten Erfolgsaussichten behandelt werden. Das bedeutet in der Regel einen Eingriff zur Wiederherstellung oder Verbesserung der Blutversorgung. Prof. Nikol: „Diese Eingriffe wurden früher als offene Operationen durchgeführt, heute kommt man meist mit einer Katheter-Behandlung aus.“ Dabei wird ein Katheter unter örtlicher Betäubung in das betroffene Gefäß vorgeschoben und die verengte Passage mittels eines Ballons gedehnt. Damit sich das Gefäß nicht wieder verschließen kann, wird häufig zusätzlich eine Gefäßprothese aus Drahtgeflecht („Stent“), eingesetzt, der die Innenwand der Arterie stützt. „Die Vorteile liegen auf der Hand“, sagt dazu Prof. Nikol. „Die Katheter-Behandlung ist für die Patienten deutlich weniger belastend. Sie kann auch sehr alten und kranken Menschen zugemutet werden und sie erfordert im Vergleich zur offenen Operation einen deutlich kürzeren Krankenhausaufenthalt.“

    Diese Entwicklung hat jedoch nicht nur dazu geführt, dass heute mehr alte Menschen wegen ihrer PAVK behandelt werden können, sie hat auch bewirkt, dass die Indikation großzügiger gestellt werden kann. Prof. Nikol: „Wir haben mittlerweile die klassische Einteilung der Erkrankung verlassen. Früher wurde nur operiert, wenn die Patienten eine Gehstrecke unter 200 Metern hatten. Heute richten wir uns mehr nach den individuellen Bedürfnissen der Patienten. Bei sehr alten Leuten, die keine großen Strecken zurücklegen brauchen, um ihren Alltag bewältigen zu können, wird man anders vorgehen als bei jüngeren, die ihre PAVK daran hindert, ihren Beruf auszuüben oder Sport zu betreiben. Ich habe schon junge Patienten behandelt, für die der Lebensinhalt zum Beispiel das (Halb-) Marathon-Laufen war und die unter einem erheblichen Leidensdruck litten, weil sie einen Gefäßverschluss in einem Bein hatten.“ Andererseits kann das Risiko von Herzinfarkten und Schlaganfällen reduziert werden, indem Patienten durch eine frühzeitige Verbesserung der Gehstrecke mobil bleiben.

    Eine PAVK ist aber auch eine Marker-Erkrankung für den allgemeinen Gefäß-Status. Sie kann Hinweis geben auf ein erhöhtes Herzinfarkt- und Schlaganfallrisiko, das die Ausschaltung von Risikofaktoren und gegebenenfalls auch eine präventive Behandlung mit Blutgerinnungs-hemmenden Medikamenten (Azetylsalizylsäure, Clopidogrel) erforderlich macht.

    Patienten mit PAVK profitieren auch von Geh- und Bewegungstraining, weshalb Gehsportgruppen für ein intensiviertes Gehtraining verbunden mit Koordinationsübungen eingereicht wurden. Durch die Gangunsicherheiten kann es sehr schnell zu Koordinationsstörungen kommen, weshalb PAVK-Patienten nicht selten aufgrund einer zunehmenden Fallneigung am Stock oder gar Rollator gehen müssen, wenn nicht rechtzeitig Gegenmaßnahmen eingeleitet werden.

    „Versuche, das Problem mit Gen-Therapie zur Wiederherstellung der Gefäße (Angiogenese – Gefäßneubildung) zu lösen, haben leider nicht die gewünschten Erfolge gebracht“, berichtet Prof. Nikol. Hohe Erwartungen setzt sie in die Zelltherapie: „Es gibt hier Versuche mit Zell-Typen, die bislang kaum eingesetzt werden. Darunter auch Zellen, die aus der Plazenta oder aus Nervenzellen gewonnen werden. Das hätte im Vergleich zu den bisher verwendeten Stammzellen aus dem Knochenmark der ja zumeist alten und kranken Patienten den Vorteil, dass die Qualität der Zellen besser ist. Ergebnisse aus klinischen Studien gibt es dazu bislang aber noch nicht, sind aktuell aber zur Genehmigung eingereicht.“

    Kontakt:
    Pressestelle der DGK
    Achenbachstraße 43
    40237 Düsseldorf
    Tel.: 0211 / 600692 - 51
    Fax: 0211 / 600692 - 10
    Prof. Dr. Eckart Fleck (Pressesprecher, Berlin)
    E-Mail: fleck@dhzb.de
    Christiane Limberg (Pressereferentin, Düsseldorf)
    E-Mail: limberg@dgk.org

    Während des Kongresses:
    Kongress-Pressebüro: Tel.: 040 / 3569-5300
    B & K Medien- und Kommunikationsberatung: 040 / 3569-5301

    Die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie – Herz und Kreislaufforschung e.V. (DGK) mit Sitz in Düsseldorf ist eine wissenschaftlich medizinische Fachgesellschaft mit mehr als 8000 Mitgliedern. Ihr Ziel ist die Förderung der Wissenschaft auf dem Gebiet der kardiovaskulären Erkrankungen, die Ausrichtung von Tagungen und die Aus-, Weiter- und Fortbildung ihrer Mitglieder. 1927 in Bad Nauheim gegründet, ist die DGK die älteste und größte kardiologische Gesellschaft in Europa. Weitere Informationen unter www.dgk.org.


    Weitere Informationen:

    http://www.dgk.org


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten, Wissenschaftler
    Medizin
    überregional
    Forschungsergebnisse, Wissenschaftliche Tagungen
    Deutsch


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