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17.10.2012 08:54

Neurowissenschaftler ausgezeichnet

Michael Seifert Hochschulkommunikation
Eberhard Karls Universität Tübingen

    Der Attempto-Preis 2012 geht an Daniela Balslev und Dr. Henry C. Evrard.

    Die Attempto-Preise der Universität Tübingen gehen in diesem Jahr an die Nachwuchswissenschaftler Daniela Balslev und Dr. Henry C. Evrard. Sie werden am heutigen Mittwoch, den 17. Oktober, im Rahmen der Mitgliederversammlung der Vereinigung der Freunde der Universität Tübingen e.V. (Universitätsbund) übergeben, durch ihren Vorsitzenden, StS a.D. Hubert Wicker, und Prorektor Professor Heinz-Dieter Assmann.

    Daniela Balslev hat an der Universität Kopenhagen studiert. Von 2010 bis 2012 war sie Marie-Curie-Stipendiatin am Zentrum für Neurologie der Universität Tübingen und leitet jetzt am Institut für Psychologie in Kopenhagen ein Forschungsprojekt des dänischen „Medical Research Councils“. Sie erforscht, wie das Gehirn das Sehvermögen mit der Position der Augen verknüpft, um Gegenstände zu lokalisieren. Diese Position braucht das Gehirn beispielsweise, um die Augen in Richtung eines Geräusches drehen zu können. Zwei Signale vermitteln die Position des Auges an das Gehirn, das Kommando des Zentralnervensystems an das Auge sowie eine Rückmeldung der Nerven im Auge an das Zentralnervensystem (Propriozeption). Bisher war unklar, ob und wie diese Signale zusammengefügt werden. Balslev erhält den Preis dafür, dass sie zeigen konnte, dass das Gehirn die Propriozeption (Rückmeldung der Nerven im Auge) nur nutzt, wenn sie mit dem Kommando des Zentralnervensystems nicht übereinstimmt – normalerweise zieht es die schnelle Rückmeldung der Augennerven vor. Jetzt will man untersuchen, wie das Gehirn die Signale vergleicht und aktualisiert, um Objekte zu lokalisieren, selbst in Wachstumsphasen oder nach Änderungen wie chirurgischen Eingriffen.

    Dr. Henry C. Evrard forscht seit 2009 am Max-Planck-Institut für Biologische Kybernetik in Tübingen. Er untersucht die neuroanatomische und funktionale Organisation der Inselrinde (insular cortex) im Gehirn der Primaten. Verletzungen oder Fehlentwicklungen der Inselrinde, vor allem im Vorderteil, werden mit neuronalen Erkrankungen wie Autismus, Schizophrenie, Psychosen oder Demenz in Verbindung gebracht, die auch zu einer Veränderung von Emotionen und Einfühlungsvermögen führen. Ein bestimmter Zellen-Morphotyp namens „von Economo Neuron“ (VEN) in der Inselrinde scheint dabei eine wichtige Rolle zu spielen. Bisher ging man davon aus, dass dieses nur bei Menschen und Menschenaffen (Bonobos, Schimpansen, Gorillas, Orang-Utans) zu finden sei. Evrard konnte zeigen, dass VEN auch häufig bei Makakenaffen vorkommt und zwar in einer Gehirnregion, die einem einfacheren anatomischen Bereich der vorderen Inselrinde im Menschen entsprechen könnte. Dies eröffnet neue Möglichkeiten, im Labor Gehirnregionen zu untersuchen, die eine zentrale Rolle bei den menschlichen Emotionen spielen.

    Der Attempto-Preis wurde 1983 vom Psychiater Konrad Ernst und seiner Ehefrau Dorothea gestiftet. Jährlich werden zwei mit je 7.500 Euro dotierte Attempto-Preise an Tübinger Nachwuchswissenschaftler aus dem Bereich der Neurowissenschaften verliehen. Zur Jury gehören Professor Heinrich Bülthoff (Direktor des Max-Planck-Instituts für Biologische Kybernetik), Professor Andreas Fallgatter (Ärztlicher Direktor der Universitätsklinik für Psychiatrie und Psychotherapie); Professor Peter Thier (Direktor des Hertie-Instituts für klinische Hirnforschung) sowie ein Vorstandsmitglied des Universitätsbundes.


    Kontakt:
    Rainer Hummel, Geschäftsführer
    Vereinigung der Freunde der Universität Tübingen (Universitätsbund) e. V.
    Telefon +49 7071 29-77067
    unibund[at]uni-tuebingen.de


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