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29.10.2012 13:29

Entwarnung für die Wechseljahre

Dr. Susanna Kramarz Öffentlichkeitsarbeit
Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe e.V.

    Hormone gegen Beschwerden in den Wechseljahren – diese Behandlung birgt wahrscheinlich doch weniger Risiken, als lange Zeit angenommen wurde.

    Einzelanalysen aus der großen WHI-Studie und auch neue Publikationen lassen diesen Schluss zu. Die Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe, der Berufsverband der Frauenärzte und zahlreiche weitere Fachgesellschaften formulieren in einer soeben aktualisierten Empfehlung: „Nach aktueller Datenlage ist zu erwarten, dass bei früher Substitution – im Alter unter ca. 60 Jahren – , unter Vermeidung langjähriger Östrogendefizite, für nicht mit speziellen Risikofaktoren oder Vorerkrankungen belastete Frauen der Nutzen einer indizierten Hormonersatzbehandlung (HRT) die Risiken meist überwiegt.“

    - Thromboserisiko kann vermieden werden -

    Wichtig ist vor allem, dass eine Zunahme von Thrombosen und Embolien verhindert werden kann, wenn die Arzneimittel als niedrig dosiertes Pflaster aufgeklebt oder auch lokal nur an der Vagina angewendet und nicht als Tabletten eingenommen werden. Auch ist die Sorge unberechtigt, eine HRT könnte Herzinfarkte herbeiführen, selbst wenn eine Frau vorher völlig gesund war. In manchen Studien wurde sogar ein vermindertes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen festgestellt, vor allem bei Frauen, die bald nach Eintritt der Wechseljahre mit der Behandlung begannen. Allerdings stieg das Risiko für Herzattacken, Herzinfarkte und auch Schlaganfälle bei denjenigen Frauen, die schon vor der Therapie Herzprobleme oder einen Bluthochdruck hatten. Bei diesen Frauen kann, besonders wenn sie schon älter als 60 Jahre sind, eine HRT ein Risiko darstellen.

    Die wichtigste Erkenntnis betrifft den Brustkrebs: Schon in der WHI-Studie war in eine Untergruppe von Frauen die Brustkrebs-Häufigkeit sogar gesunken, nämlich bei Frauen, die nur Östrogene bekamen, aber keine Gestagene. Inzwischen weiß man, dass die Erhöhung des Brustkrebsrisikos tatsächlich vor allem durch Gestagene hervorgerufen wird und – wenn überhaupt – nur in sehr geringem Ausmaß durch Östrogene. Wahrscheinlich ist der Effekt zudem abhängig von der Hormonmenge. In der WHI-Studie wurde das Gestagen Medroxyprogesteronacetat (MPA) in einer Dosis verwendet, die heute als überholt gilt. Viele Hormonexperten nehmen an, dass mit modernen, niedrig dosierten Gestagenen das Brustkrebsrisiko deutlich vermindert werden kann. Ganz weglassen kann man auf diese Hormone nicht. Denn ohne sie würde das Östrogen die Schleimhaut der Gebärmutter zu fortdauerndem Wachstum anregen, was in seltenen Fällen zu echten Krebserkrankungen der Gebärmutter führen kann. Deshalb können nur Frauen auf Gestagene in der HRT verzichten, denen bereits wegen einer Erkrankung die Gebärmutter entfernt wurde, oder die – z.B. zur Langzeitverhütung – eine gestagenhaltige Hormonspirale gelegt wurde.

    Der Frage nach dem Brustkrebsrisiko muss aber ein anderes Argument entgegengehalten werden: Bei Frauen, die eine HRT bekommen, sinkt schon nach wenigen Jahren das Risiko, Dichdarmkrebs zu bekommen, auf beinahe die Hälfte.

    Wenn eine Frau unter den Beschwerden der Wechseljahre leidet, und wenn sie keine ausgesprochenen Risiken und Vorerkrankungen mitbringt, dann steht nach heutigem Wissen einer Behandlung mit einer HRT auch über mehrere Jahre nichts im Weg.

    Quelle: FRAUENARZT 53(2012), 916 ff.

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    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten
    Medizin
    überregional
    Forschungsergebnisse
    Deutsch


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