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22.11.2012 12:36

Mathematisches Modell von Dresdner Medizin-Informatikern unterstützt Ärzte bei Leukämie-Therapie

Holger Ostermeyer Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden

    Wissenschaftler des Instituts für Medizinische Informatik und Biometrie der Medizinischen Fakultät Carl Gustav Carus haben in Kooperation mit Kollegen aus Leipzig sowie mit klinischen Partnern aus Mannheim und Jena ein mathematisches Modell entwickelt, auf dessen Basis man das individuelle Risiko von Patienten mit chronisch-myeloischer Leukämie (CML) abschätzen kann, dass sie nach Absetzen einer Imatinib-Therapie einen Rückfall bekommen. Ihre Erkenntnisse veröffentlichten die Wissenschaftler jetzt in der weltweit führenden Hämatologie-Fachzeitschrift "Blood".

    Die chronische myeloische Leukämie (CML) ist eine Erkrankung, die mit einer starken Vermehrung der weißen Blutkörperchen und vor allem ihrer funktionsuntüchtigen Vorstufen im Blut und im blutbildenden Knochenmark einhergeht. Die derzeitige Standard-Therapie von Patienten mit CML ist die Behandlung mit sogenannten Tyrosinkinasehemmern, wie dem Medikament Imatinib. Auch wenn Imatinib bei der Mehrzahl der Patienten eine sehr effektive Wirkung zeigt, muss das Medikament über viele Jahre (oft lebenslang) angewandt werden, da das Rückfallrisiko nach Absetzen sehr schwer zu beurteilen ist. Obwohl im Allgemeinen gut verträglich, können auch bei der Behandlung mit Imatinib für den Patienten unangenehme Nebenwirkungen nicht ausgeschlossen werden. Darüber hinaus ist eine lang-andauernde Medikation mit sehr hohen Kosten verbunden.

    An dieser Stelle setzt die aktuelle Arbeit der Wissenschaftler um Prof. Ingo Röder an. Die Wissenschaftler zeigen, wie man auf der Basis eines mathematischen Modells das individuelle Risiko von CML-Patienten abschätzen kann, dass sie nach Absetzen einer Imatinib-Therapie einen Rückfall bekommen. „Wir hoffen, durch diese Arbeit dazu beitragen zu können, dass die Therapie der CML noch effizienter auf den einzelnen Patienten abgestimmt werden kann“, erklärt Prof. Ingo Röder, Direktor des Instituts für Medizinische Informatik und Biometrie der Medizinischen Fakultät Carl Gustav Carus. „Unsere Modellrechnungen können genutzt werden, um einerseits das Risiko von Rückfällen nach Therapiestopp zu minimieren und andererseits unnötig lange Therapiedauern zu vermeiden.“ Besonders wichtig dabei ist es, diejenigen Patienten zu identifizieren, für die ein Therapiestopp eine risikoarme Option ist. Das Computermodell kann hierbei neben der generellen Abschätzung des Rückfallrisikos auch einen optimalen Zeitpunkt für das Absetzen der Therapie bei dem jeweiligen Patienten vorhersagen und auf diese Weise den Arzt dabei unterstützen, die individuelle Therapiedauer so zu bemessen, dass lang genug aber eben auch nicht unnötig lang behandelt wird.

    Diese systembiologische Arbeit, die gemeinsam mit Kollegen aus Leipzig sowie mit klinischen Partnern aus Mannheim und Jena entstand, basiert auf der Analyse von Langzeitdaten aus einer prospektiven, randomisierten klinischen Studie. Die erhaltenen Modellresultate wurden anhand eines zweiten, unabhängigen Datensatzes einer weiteren randomisierten klinischen Studie geprüft.

    Unter dem Titel "Model-based decision rules reduce the risk of molecular relapse after cessation of tyrosine kinase inhibitor therapy in chronic myeloid leukemia" veröffentlichten die Forscher ihre aktuellen Ergebnisse jetzt im international führenden Hämatologie-Fachjournal "Blood" (DOI: 10.1182/blood-2012-07-441956).

    Kontakt
    Technische Universität Dresden
    Medizinische Fakultät Carl Gustav Carus
    Institut für Medizinische Informatik und Biometrie
    Prof. Ingo Röder
    Telefon: +49(0)351 458 60 60
    E-Mail: ingo.roeder@tu-dresden.de


    Weitere Informationen:

    http://www.tu-dresden.de/med/imb


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten
    Ernährung / Gesundheit / Pflege, Mathematik, Medizin
    überregional
    Forschungs- / Wissenstransfer, Forschungsprojekte
    Deutsch


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