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22.11.2012 18:53

Schmerzen und Infektionsgefahr – Die DIVI über Notfallmaßnahmen, wenn Kinder sich verbrennen

Larissa Vogt Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin e. V.

    Verbrennungen gehören in Deutschland zu den häufigsten Verletzungen im Kindesalter. Rund 80 Prozent dieser Unfälle geschehen in der heimischen Küche und nicht selten unterschätzen Eltern die Konsequenzen. Denn schon Temperaturen um 50 Grad reichen aus, um Verbrennungen zu verursachen. Schnelles und richtiges Handeln kann Schlimmeres verhindern.

    Jeder, der sich schon einmal verbrannt hat, weiß wie schmerzhaft das ist. Jedes thermische Trauma ist ein Notfall und erfordert schnelle und vor allem richtige Maßnahmen. Das gilt insbesondere für Kinder, denn ihre Haut ist dünner und schon wenige Sekunden Einwirkzeit können schwere Verletzungen verursachen. Besondere Gefahr droht durch den Flüssigkeitsverlust, den eine Verbrennung mit sich ziehen kann. Schon fünf Prozent verbrannte Körperoberfläche können einen Schock auslösen.

    „Wir wissen aus Studien und den Ergebnissen einer aktuellen Doktorarbeit, dass 80 Prozent aller Verbrennungsunfälle in der Küche geschehen und 60 Prozent der Betroffenen dabei jünger als drei Jahre sind“, sagt Dr. Axel Hennenberger, Mitglied bei der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI). „Am häufigsten kommt es zu Verbrennungen mit heißem Wasser. Aber auch Unfälle mit erhitztem Öl aus der Fritteuse oder im Winter durch das Inhalieren von heißen Dämpfen um eine Erkältung zu bekämpfen geschehen nicht selten, weil die Kinder die Schüssel vom Tisch ziehen und sich die heiße Flüssigkeit über den Schoß ergießt.“

    Die Medizin unterteilt die Art der Verletzung nach unterschiedlichen Schweregraden. Bei Verbrennungen 1. Grades – etwa durch einen Sonnenbrand – reicht es in den meisten Fällen aus, die betroffene Stelle mit kühlem Leitungswasser zehn Minuten zu kühlen. „Verbrennungen 2. Grades unterteilen wir dann in Schwerestufe a und b“, sagt der DIVI-Experte, der auch Leiter der Klinik für Neonatologie und pädiatrische Intensivmedizin am Katholischen Kinderkrankenhaus Wilhelmstift in Hamburg ist. „Beim Schweregrad 2a kommt es zu einer Blasenbildung weil der betroffene Bereich schnell Flüssigkeit aufnimmt. Auch hier ist es zunächst wichtig, die Haut mit Leitungswasser zu kühlen. Anschließend aber sollte man die Wunde von einem Arzt versorgen lassen.“

    Bei Verbrennungen vom Typ 2b sind die Blasen bereits aufgeplatzt und die Wundflüssigkeit abgeflossen. „In diesem Fall ist es ratsam ebenfalls sofort mit Leitungswasser kühlen, gleichzeitig sollte man aber auch den Notarzt rufen“, rät Dr. Hennenberger. Die Verbrennungsreste müssen abgetragen, desinfiziert und mit Wundauflagen versorgt werden, sonst droht eine Infektion durch Bakterien.“ Für die Kinder ist diese Behandlung extrem schmerzhaft. Manchmal ist eine Hauttransplantation nötig, die dann aber unter Kurznarkose erfolgt.

    Bei Verbrennungen 3. Grades ist die Haut bis auf den Wundgrund verbrannt. Weder Hautzellen noch Schweißdrüsen sind vorhanden, die Haut sieht aus wie Leder. „In diesem Fall bitte sofort den Notarzt rufen“, sagt der Facharzt. „Wenn die Kinder noch Kleidung tragen, stellt man sie am besten sofort unter die Dusche - denn so ist es leichter möglich, eventuell mitbetroffene Kleidung ausziehen. Anschließend wird nur die betroffene Stelle mit Leitungswasser gekühlt.“

    Auf gar keinen Fall sollte man die Blasen selber öffnen. Hausmittel wie Mehl, Puder, Salben oder Gele sind bei Verbrennungen ebenfalls tabu. Sie erschweren dem Arzt die Beurteilung und Behandlung der Wunde und können die Infektionsgefahr erhöhen. Geeignet sind nur sterile Kompressen. Sollten diese nicht greifbar sein, ist es besser auf den Notarzt zu warten. Bis zu seinem Eintreffen sollten die Eltern oder die erziehungsberechtigten Personen versuchen, das Kind zu trösten und warm zu halten. Um die Verletzung optimal zu behandeln und eine eventuelle Narbenbildung so gering wie möglich zu halten, sollte nur ein entsprechend ausgebildeter Mediziner weitere Maßnahmen treffen.

    Besser ist natürlich, es gar nicht erst so weit kommen zu lassen. Bitte stellen Sie deshalb heiße Getränke und Wasserkocher immer außerhalb der Reichweite von Kindern. Das gilt auch für Kabel. Die Sprösslinge niemals auf den Arm nehmen, wenn man gerade etwas Heißes trinkt. „Ganz wichtig ist ein Schutzgitter am Herd sowie ein abschließbarer Backofen“, sagt Dr. Hennenberger. Die Kinder benutzen die Klappe sonst als Treppe. Und auch das Backofenglas darf nicht heiß werden.“ Viele weitere wichtige Informationen finden sich auch unter http://www.paulinchen.de im Internet. „Eine bemerkenswerte Initiative für brandverletzte Kinder“, so der DIVI-Experte. Verbrennungen bei Kindern sind für das Präsidium der DIVI ein zentrales Anliegen. Sie gehören wie die pädiatrische Intensivmedizin und die Notfallmedizin zu den Kernkompetenzen der DIVI.

    DIVI weltweit einzigartig
    Die 1977 gegründete DIVI ist ein weltweit einzigartiger Zusammenschluss von mehr als 1500 Anästhesisten, Neurologen, Chirurgen, Internisten, Kinder- und Jugendmedizinern sowie Fachkrankenpflegern und entsprechenden Fachgesellschaften: Ihre fächer- und berufsübergreifende Zusammenarbeit und ihr Wissensaustausch machen im Alltag den Erfolg der Intensiv- und Notfallmedizin aus. Insgesamt bündelt die DIVI damit das Engagement von mehr als 30 Fachgesellschaften.

    Der Experte der DIVI:
    - Dr. Axel Hennenberger ist Mitglied der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) und Leiter der Klinik für Neonatologie und pädiatrische Intensivmedizin am Katholischen Kinderkrankenhaus Wilhelmstift in Hamburg.

    Gerne vermitteln wir Ihnen unseren Experten für Ihre Anfragen und Interviews sowie Bildmaterial. Um Belegsendung wird im Veröffentlichungsfall gebeten.

    Ihre Ansprechpartnerin:
    Larissa Vogt
    Pressesprecherin
    Luisenstraße 45
    10117 Berlin
    Telefon: 0173/6194422
    E-Mail: pressestelle@divi-org.de


    Weitere Informationen:

    http://www.divi-org.de - Homepage der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI)


    Anhang
    attachment icon Pressemitteilung im PDF-Format

    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten, jedermann
    Ernährung / Gesundheit / Pflege, Medizin
    überregional
    Buntes aus der Wissenschaft
    Deutsch


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