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24.11.2012 11:00

Antistigma-Preis der DGPPN und des Aktionsbündnisses Seelische Gesundheit 2012 ausgezeichnet

Franziska Hoffmann Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde (DGPPN)

    Die Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde (DGPPN) und das Aktionsbündnis Seelische Gesundheit haben in Kooperation mit dem Antistigma-Verein "Open the doors e.V." und der Stiftung für Seelische Gesund-heit zum neunten Mal den mit insgesamt 5.000 Euro dotierten Antistigma-Preis verliehen. Die Preisverleihung fand am 23. November 2012 im Rahmen des diesjährigen DGPPN Kongresses statt. Ausgezeichnet wurden in diesem Jahr drei Projekte:

    „MindMatters - Mit psychischer Gesundheit gute Schule entwickeln“ ist ein wissenschaftlich fundiertes Kooperationsprogramm der BARMER GEK, des Gemeinde-Unfallversicherungsverbands Hannover, der Unfallkasse NRW und der Leuphana Universität Lüneburg. Mit Hilfe von Schulentwicklungs- und Unterrichtsmaterialien bietet es Schulen eine Ressource zur Förderung der psychischen Gesundheit und zum Aufbau einer schützenden und fürsorglichen Lernumgebung an. Durch den Einsatz von Unterrichtsmodulen zum Umgang mit Gefühlen, zur Resilienzförderung, zum Stresserleben, zum Umgang mit psychischen Störungen, Mobbing und weiteren Themen können die Schülerinnen und Schüler ihr Wissen und ihre Kompetenzen erweitern.

    Neben Netzwerken zwischen Schule und Schulumfeld möchte MindMatters zur Verbesserung von Lehren und Lernen und somit zur Steigerung der schulischen Bildungsqualität beitragen. Entstigmatisierung und die Förderung der Akzeptanz von Verschiedenheit stehen dabei im Mittelpunkt. In den Modulen finden sich Übungen, die Stigmatisierung und Diskriminierung als eine Ursache von Entfremdung zur Schule und fehlendem Wohlbefinden Einzelner benennen und Lehrkräfte sowie Schülerinnen und Schüler für das Thema sensibilisieren möchten. Ziel ist es, Verschiedenheit zu akzeptieren und als Bereicherung für das schulische Miteinander zu betrachten. Mit der Entwicklung des neuen Primarstufenmoduls wurde zudem begonnen, die Unterrichtsmaterialien anschlussfähig an inklusive Konzepte in der Schule zu gestalten.

    GlobalAntiStigma ist ein Projekt, das in Äthiopien durchgeführt wird, um Informationen zum Thema Stigma und Diskriminierung von Menschen mit psychischer Erkrankung und ihren Familien zu generieren.

    Der Abbau von Stigma gegenüber psychischen Erkrankungen ist eine globale Herausforderung. Wie überall in der Welt sind auch in Äthiopien Vorurteile gegenüber Menschen mit psychischer Erkrankung weit verbreitet. Aus Scham werden die Betroffenen häufig versteckt, festgebunden und ausgeschlossen. Die psychiatrische Versorgung in Äthiopien ist völlig unzureichend, bei 90 Millionen Einwohnern gibt es nur etwa 40 Psychiater im Land.

    Im Rahmen unserer Antistigma-Studie untersuchen wir an über 1500 Menschen im Südwesten Äthiopiens drei unterschiedliche Domänen von Stigma: Selbst-Stigmatisierung, öffentliche Stigmatisierung und Stigma in der Familie. Hierbei werden Einflussfaktoren wie Urbanität und kulturspezifische Variablen mit einbezogen.

    Von unserem Projekt möchten wir über den Umgang mit psychisch erkrankten Menschen und deren Stigmatisierung lernen, um hiermit der Entstehung und Verbreitung von Stigma entgegenzuwirken.

    Für diese Untersuchung wurden wir nun mit dem Antistigma-Preis der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde und des Aktionsbündnisses Seelische Gesundheit ausgezeichnet.

    Mit dem Preisgeld werden wir ein Aufklärungsprogramm über psychische Erkrankungen bei Behörden, kirchlichen Verbänden, Gesundheitspersonal und Familien durchführen. Unsere Hauptfrage hierbei ist: Wohin entwickelt sich Stigma, wenn in einem Land begonnen wird, über psychische Erkrankungen und gleichzeitig über einen fairen und offenen Umgang damit aufzuklären?

    Theater Machen in der Psychiatrie – Theaterprojekt der LWL-Kliniken Bochum und Herten in Kooperation mit dem Schauspielhaus Bochum und den Ruhrfestspielen Recklinghausen.

    Das Universitätsklinikum Bochum und die LWL-Klinik Herten sind seit Jahren in der Öffentlichkeit aktiv, um die Entstigmatisierung psychischer Erkrankungen voranzutreiben. In der Saison 2011/2012 wagten sich zum wiederholten Male unter Leitung von Sandra Anklam Patienten und Mitarbeiter beider Kliniken auf Theaterbühnen, um in monatelanger Arbeit einstudierte Stücke dem interessierten Publikum zu präsentieren. Im LWL-Universitätsklinikum Bochum erfolgte die Kooperation mit dem Bochumer Schauspielhaus, in dessen Theater Unten „Schau, da geht die Sonne unter“ von Sibylle Berg gegeben wurde. Die LWL-Klinik Herten kooperierte mit den Ruhrfestspielen Recklinghausen, um Dostojewskis „Traum eines lächerlichen Menschen“ aufzuführen.

    Damit setzten sich die Beteiligten nicht nur mit sich selbst auseinander, sondern konnten auch sich und ihre Erkrankungen auf eine spielerische Weise in die Öffentlichkeit tragen. Die Entstigmatisierung psychischer Erkrankungen könnte kaum besser vorangetrieben werden. Für 2013 sind nicht nur neue Theateraufführungen, sondern auch weitere Projekte zur Entstigmatisierung geplant wie z.B. ein Buchprojekt, in dem die Geschichten und Erfahrungen einzelner Teilnehmer der Theaterprojekte in die Öffentlichkeit getragen werden sollen.

    Hintergrund:

    Der Antistigma-Preis der DGPPN und des Aktionsbündnisses Seelische Gesundheit 2012 - Förderpreis zur Entstigmatisierung psychischer Erkrankungen würdigt das Engagement von Personen, Institutionen oder Selbsthilfegruppen, die sich um die nachhaltige gesellschaftliche Integration von Menschen mit psychischen Erkrankungen besonders verdient gemacht haben. Die Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde (DGPPN) und das Aktionsbündnis Seelische Gesundheit vergeben den mit insgesamt 5.000 Euro dotierten Preis in Verbindung mit der Stiftung für Seelische Gesundheit und dem Antistigma-Verein "Open the doors e.V."

    Kontakt:

    Prof. Dr. med. Wolfgang Gaebel
    Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie
    Heinrich-Heine-Universität
    Bergische Landstrasse 2
    40629 Düsseldorf
    Tel.: 0211/ 922-2000
    Fax: 0211/ 922-2020
    E-Mail: wolfgang.gaebel@uni-duesseldorf.de


    Weitere Informationen:

    http://www.dgppn.de/aktuelles/detailansicht/article/100/antistigma-p-1.html


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten, Wissenschaftler
    Medizin, Psychologie
    überregional
    Wettbewerbe / Auszeichnungen, Wissenschaftliche Tagungen
    Deutsch


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