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28.11.2012 07:35

Greifswalder Ärzte retten Zwillingspaar aus Niedersachsen in der 22. Schwangerschaftswoche

Constanze Steinke Pressearbeit
Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald

    Zu zweit in den Urlaub und zu viert wieder heim

    Eigentlich sollte es im Sommer noch einmal ein entspannter Urlaub in der alten Heimat werden, denn zum Jahresende erwarteten Steffi (28) und Dennis (30) B. aus Niedersachsen Zwillinge. Mitten im Urlaub setzten jedoch Komplikationen ein und die junge Frau musste von der Insel Rügen mit dem Rettungsdienst in die Greifswalder Universitätsmedizin gefahren werden. Dort brachte sie in einer Risikospontangeburt am 12. August um 18.27 Uhr Niklas und um 18.48 Uhr Leonie zur Welt. Erneut gelingt es einem Team der Greifswalder Universitätsmedizin, die Grenze zum Leben zu überwinden.

    In der 22. Schwangerschaftswoche plus 6 Tage (SSW + Anzahl der Wochentage) gab es nur wenige Chancen zu überleben. Aber ähnlich wie ein Jahr zuvor Paulina Emily (22/0 SSW) zeigten beide Babys deutliche vitale Lebenszeichen. Gemeinsam mit den jungen Eltern, den Frauenärzten und den Frühchenexperten (Neonatologen) wurde entschieden, um das Leben von Niklas und Leonie zu kämpfen. Seitdem war eine Reihe von medizinischen Eingriffen nötig. Durch die Unterbringung der Eltern auf der neonatologischen Station in sogenannten Mutter-Kind-Zimmern wurde ihnen die Möglichkeit gegeben, so oft wie möglich in der Nähe ihrer Kinder zu sein. Jetzt geht es für die Familie aus der Nähe von Oldenburg heimwärts.

    „Wir sind überaus glücklich, dass unsere beiden Schützlinge jetzt in Kürze wohnortnah verlegt werden können“, sagte Prof. Matthias Heckmann, Leiter der Abteilung für Neonatologie und Pädiatrische Intensivmedizin. „Die Mediziner aller Fachrichtungen haben an einem Strang gezogen, um das kleine doppelte Wunder möglich zu machen. Unser Dank gilt insbesondere der Frauenklinik, der Kinderchirurgie, der Augenklinik und natürlich unseren Schwestern auf der Neonatologie und den Physiotherapeuten“, betonte Heckmann. „Darüber hinaus ist es gelungen, durch das Einfliegen eines OP-Teams des Deutschen Herzzentrums Berlin (DHZB) Leonie in Greifswald vor Ort am Herzen zu operieren. Das Mädchen war nicht transportfähig und die Berliner Herzspezialisten konnten hier ihren Eingriff erfolgreich vornehmen.“

    Normalerweise gilt die 24. Schwangerschaftswoche als unterste Grenze zur Überlebensfähigkeit. Unter 23+0 liegt die Überlebenschance dieser Kinder nur bei 20 bis 30 Prozent. Niklas wog 600 Gramm bei einer Länge von 29 cm; Leonie 500 Gramm bei 28,5 cm Länge. Inzwischen können beide Babys eigenständig atmen, müssen aber weiterhin stationär betreut werden. Niklas misst inzwischen 42 cm und wiegt 2.200 Gramm; Leonie kommt auf 39 cm bei 1.815 Gramm. „Das ist wohl die frühste Mehrlingsgeburt in Greifswald“, so der Neonatologe. 2009 gab es eine Drillingsgeburt in Greifswald in der 23. Schwangerschaftswoche (23/2), wobei zwei Kinder überlebten.

    „Extrem-Frühchen unter 1.500 Gramm haben es schwerer, ins Leben zu starten, aber die moderne Medizin eröffnet heute weitaus bessere Perspektiven als noch vor zehn Jahren“, erklärte Heckmann. „Insofern hoffen wir auf eine positive Entwicklung und wünschen unseren Zwillingen und ihren Eltern alles Gute.“

    Im Eltern-Kind-Zentrum der Greifswalder Universitätsmedizin mit zwölf Intensivplätzen werden jährlich bis zu 150 Frühgeborene aus ganz Vorpommern betreut, davon 40 bis 50 mit einem Gewicht unter 1.500 Gramm. Auch das Extrem-Frühchen Paulina (22/0 SSW/2011) und mit 335 Gramm der leichteste jemals in Mecklenburg-Vorpommern geborene Junge (Lennard/2008) sind in der Greifswalder Universitätsmedizin erfolgreich betreut worden.

    Infos zur Geburt von Paulina
    https://idw-online.de/pages/de/news442496

    Universitätsmedizin Greifswald
    Klinik und Poliklinik für Kinder und Jugendmedizin
    Abteilung für Neonatologie und Pädiatrische Intensivmedizin
    Leiter: Prof. Dr. med. Matthias Heckmann
    Sauerbruch-Straße, 17475 Greifswald
    T +49 3834 86-64 21
    E matthias.heckmann@uni-greifswald.de
    http://www.medizin.uni-greifswald.de


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten, Wissenschaftler
    Ernährung / Gesundheit / Pflege, Medizin
    regional
    Buntes aus der Wissenschaft
    Deutsch


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