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05.12.2012 12:10

DGPM fordert: Psychosomatische Krankheiten durch den Spezialisten behandeln

Medizin - Kommunikation Medizinkommunikation
Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften

    Berlin, Dezember 2012 – Rund zwanzig Prozent aller deutschen Hausarzt-Patienten leiden an körperlichen Beschwerden, für die es keine ausreichende organische Erklärung gibt. Die Symptome der sogenannten somatoformen Störungen reichen von Kopf- oder Rückenschmerzen über Erschöpfung und Atemnot bis hin zu Übelkeit, Erbrechen und Durchfall. Deren Behandlung ist meist schwierig und kostspielig. Denn durchschnittlich dauert es sechs Jahre und bedarf entsprechend häufiger Arztbesuche, bis die Betroffenen eine psychosomatische Behandlung erhalten.

    Wie wichtig es bei dieser Erkrankung ist, das Zusammenspiel von seelischen, sozialen und körperlichen Komponenten zu beachten, darauf verweisen die Deutsche Gesellschaft für Psychosomatische Medizin und Ärztliche Psychotherapie (DGPM) und das Deutsche Kollegium für Psychosomatische Medizin (DKPM). Fachärzte für Psychosomatische Medizin haben Therapieformen entwickelt, mit denen sie Patienten wirksam psychotherapeutisch behandeln.

    Psycho bedeutet Seele, Soma steht für Körper. „Die Psychosomatische Medizin betrachtet den Menschen weder ausschließlich körperlich, noch einseitig psychiatrisch, sondern in seiner Wechselwirkung zwischen Körper und Seele. Dies spiegelt sich auch in der fundierten psychotherapeutischen Ausbildung und Zusammenarbeit mit somatischen Ärzten wider“, erläutert Professor Dr. med. Johannes Kruse, Vorsitzender der DGPM, Gießen. So arbeiten die über 4000 tätigen Fachärzte für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie hierzulande eng mit unterschiedlichen Fach- und Hausärzten zusammen, wenn es beispielsweise um psychische Belastungen aufgrund von körperlichen Erkrankungen geht. Dazu gehören Mutlosigkeit nach Herzinfarkt oder neu aufgetretenem Diabetes sowie Angst bei Krebsleiden. Aber auch Menschen mit körperlichen Beschwerden, für die Ärzte keine Ursache an Organen, Bewegungsapparat oder Nervensystem finden, machen mit zwanzig Prozent der Hausarzt-Patienten eine große Patientengruppe aus. Ihnen muss bei stärkeren Beschwerden von ausgewiesenen Spezialisten für Psychosomatik geholfen werden.

    Mehr als 40 Prozent aller frühzeitigen Berentungen und bis zu 20 Prozent aller Krankschreibungen in Deutschland erfolgen wegen psychischer und psychosomatischer Störungen. „Das Krankheitsspektrum in Deutschland hat sich tiefgreifend verändert. Psychische und psychosomatische Störungen sind eine Herausforderung für die Gesellschaft und müssen adäquat behandelt werden“, betont Kruse, der als Direktor die Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie des Universitätsklinikums Gießen und Marburg leitet. Darauf hat die medizinische Versorgung reagiert und 1990 das eigenständige Fachgebiet der Psychosomatischen Medizin geschaffen, das sich auf die psychotherapeutische Behandlung psychosomatischer Erkrankungen spezialisiert. Fachärzte für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie arbeiten als niedergelassene Ärzte oder in Klinken. Der gewachsene Bedarf an psychosomatischer-psychotherapeutischer Versorgung zeigt sich unter anderem in der Zahl der stationären psychosomatischen Behandlungsplätze. Diese hat sich entgegen dem Trend in der somatischen Medizin und in der Psychiatrie in den letzten zehn Jahren verdoppelt. In mehr als 170 Krankenhäusern und 175 Rehabilitationskliniken werden somit heute jährlich über 180 000 Patienten stationär psychosomatisch behandelt.

    Dabei erfolgt die psychosomatische Grundversorgung zunächst meist in der Hausarztpraxis. „Viele medizinische Fachgebiete fordern inzwischen von ihren Ärzten zu Recht eine psychosomatische Basiskompetenz“, erläutert DGPM-Vorstand Kruse. Professor Dr. med. Stephan Zipfel, Ärztlicher Direktor der Psychosomatik an der Uniklinik in Tübingen und Vorsitzender des DKPM ergänzt in seiner Funktion als Studiendekan, dass die Psychosomatische Medizin schon seit 1970 ein verbindliches Fach im Medizinstudium ist.

    Wenn diese erste Stufe der Versorgung nicht mehr ausreicht, dann ist der Spezialist gefragt. Der Facharzt für Psychosomatische Medizin und Psy-chotherapie ist am umfassendsten in diesem Gebiet weitergebildet. „Es darf nicht zum Etikettenschwindel kommen, denn nur wo eine qualifizierte Psychosomatische Medizin betrieben wird, darf auch Psychosomatische Medizin drauf stehen“, erläutert Kruse den Standpunkt der DGPM. Der Facharzt für Psychosomatische Medizin gewährleiste diesen hohen Quali-tätsstandard. Deutschland habe in der Versorgung in der Psychosomati-schen Medizin eine weltweit führende Rolle übernommen.

    Eine jetzt erschienene Denkschrift zeigt die wichtigsten Einsatzgebiete der spezialisierten Psychosomatik und die Erfolge der psychosomatisch-psychotherapeutischen Behandlung. Eine wichtige Zielsetzung wird auch in Zukunft die Erforschung wirksamer Methoden in der Psychotherapie sein. Diese erfolgt im Gegensatz zu benachbarten Fächern völlig unabhängig, weitgehend ohne die Unterstützung der pharmazeutischen oder medizinisch-technischen Industrie.

    Literaturhinweis:
    Denkschrift der DGPM: „Psychosomatische Medizin und Psychotherapie heute: Zur Lage des Fachgebietes in Deutschland" (herausgegeben von Wolfgang Herzog, Manfred E. Beutel und Johannes Kruse, Schattauer 2012)

    Terminhinweis:
    Deutscher Kongress für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie
    6. bis 9. März 2013, Heidelberg
    http://www.deutscher-psychosomatik-kongress.de

    Pressekontakt für Rückfragen:
    Deutsche Gesellschaft für Psychosomatische Medizin und Ärztliche Psy-chotherapie
    Pressestelle
    Anne-Katrin Döbler, Christine Schoner
    Postfach 30 11 20, 70451 Stuttgart
    Tel: 0711 8931-573; Fax: 0711 8931-167
    schoner@medizinkommunikation.org
    http://www.dgpm.de


    Anhang
    attachment icon Pressemeldung der DGPM als pdf

    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten
    Medizin, Psychologie
    überregional
    Wissenschaftspolitik
    Deutsch


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