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26.02.2013 12:31

Magdeburger Hirnforschungsinstitut gründet neue Forschergruppen

Anika Zachert Wissenschaftsorganisation & Öffentlichkeitsarbeit
Leibniz-Institut für Neurobiologie

    Vom Molekül in der Synapse bis zum traumatischen Erlebnis

    Das Leibniz-Institut für Neurobiologie (LIN) hat drei neue Forschergruppen eingerichtet. Junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sollen dadurch die Möglichkeit bekommen, sich speziellen Fragen in der Hirnforschung zu widmen und innovative Arbeitsrichtungen zu etablieren.

    „Besonders stolz sind wir, dass wir hochkarätige junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler mit diesem Angebot sowohl nach Magdeburg holen als auch hier halten konnten. Wir fördern mittlerweile sieben Forschergruppen und sichern damit nicht nur unseren eigenen Nachwuchs sondern schaffen auch neue Arbeitsplätze“, fasst Prof. Dr. Eckart Gundelfinger, wissenschaftlicher Direktor des Leibniz-Institutes für Neurobiologie zusammen.

    Die neuen Gruppen im Einzelnen:

    Wie wirkt sich ein traumatisches Erlebnis auf unser späteres Verhalten aus? Diese Frage stellt sich die neue Forschergruppe “Molekulare Systembiologie des Lernens“ am LIN. Leiterin der Forschergruppe ist Frau Dr. Ayse Yarali aus der Türkei, die nach ihrem Studium in Ankara und Tübingen, in Würzburg promovierte und am Max-Planck-Institut für Neurobiologie in Martinsried geforscht hat. Ihre Arbeit zeigt, dass ein traumatisches Erlebnis zwei Arten von Gedächtnis hinterlässt: Dinge, die vor dem Trauma passieren, werden als „Schlecht“ gelernt und danach gemieden. Dinge, die nach dem Trauma passieren, im Moment der Erleichterung, werden dagegen als etwas „Gutes“ gelernt und später aufgesucht. Die neue Forschergruppe will nun die Erbfaktoren aufklären, die diese beiden Arten von Gedächtnis im Gleichgewicht halten, und zwar am Beispiel der Taufliege Drosophila. Diese Insekten teilen einen Großteil der Erbinformation mit dem Menschen, einschließlich Gene, die an der Gedächtnisbildung beteiligt sind. Im nächsten Schritt kann dann überprüft werden, ob die entdeckten Erbfaktoren auch im Zusammenhang mit menschlichen Traumata eine Rolle spielen. Somit können, so die Hoffnung, posttraumatischen Erkrankungen besser verstanden und behandelt werden.

    Die Forschergruppe „Präsynaptische Plastizität“, unter der Leitung von Dr. Anna Fejtova, einer tschechischen Neurobiologin, die in Zürich promovierte, beschäftigt sich mit der neuronalen Plastizität, also der Fähigkeit des Gehirns sich zu verändern. Dabei werden die Funktionen der Nervenzellen je nach Bedarf erhalten, angepasst oder verstärkt. Vor allem durch Lernprozess, aber auch nach Schädigungen verändert sich das Gehirn, Hirnareale vernetzen sich, Synapsen bauen sich um. Genau dort setzt die Arbeit dieser Forschergruppe an. Hier geht es vor allem um die molekulare Ebene der Signalweiterleitung in den Synapsen, speziell der Presynapse, also der signalgebenden Nervenzelle. Die Ergebnisse könnten beispielsweise helfen Depressionen oder Demenzerkrankungen besser zu verstehen und möglicherweise auch den Weg zu ebnen, um perspektivisch zielgerichtete Arzneimittel zu entwickeln.

    Die dritte Forschergruppe „Neurophysiologie von Lernen und Gedächtnis“ um den argentinischen Neurobiologen Dr. Diego Moncada aus Buenos Aires geht der spannenden Frage nach, wie das Langzeitgedächtnis funktioniert. Hierbei geht es darum, warum einige Ereignisse in unserem Leben für immer abgespeichert werden und andere wiederum nicht. Darüberhinaus geht es auch um die Frage, welche Areale des Gehirns dabei zusammenwirken und wie aktive Gedächtnisspuren in den Hirn-Netzwerken „markiert“ werden. Die Forschung dieser Gruppe wird wichtige Grundlagen für das Verständnis von Lernstörungen im Jugend- und Erwachsenenalter liefern und kann dazu beitragen, aus neurobiologischer Sicht optimale Bedingungen für langfristige Lernerfolge zu gestalten.

    Das Leibniz-Institut für Neurobiologie zählt zu den international führenden Hirnforschungszentren. Seine Mission besteht im Studium der Mechanismen von Lernen und Gedächtnis sowie deren krankhafter Störungen auf allen Ebenen der Hirnorganisation. Forschungsfelder sind die Verarbeitung von akustischen Informationen und Sprache, die Langzeit-Veränderung stimulierter Nervenzellen durch neuronale Erregungsmuster sowie die Mechanismen der Bildung und Aktivierung von Synapsen.


    Weitere Informationen:

    http://www.lin-magdeburg.de/de/organisation/presse/index.jsp


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten, Lehrer/Schüler, Studierende, Wissenschaftler
    Biologie, Medizin, Pädagogik / Bildung, Psychologie
    überregional
    Forschungs- / Wissenstransfer, Forschungsprojekte
    Deutsch


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