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01.03.2013 13:15

Psychiatrie stellt sich ihrer Vergangenheit

Ingrid Rieck Presse und Kommunikation
Universität Rostock

    Verbrechen an Kindern und Jugendlichen während der
    NS-Zeit

    Die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie e.V. (DGKJP) stellt sich auf ihrem 33. Kongress, der vom 6. – 9. März in Rostock stattfindet (http://www.dgkjp-kongress.de/), ihrer Vergangenheit während der Zeit des Nationalsozialismus.

    Sie gehören zu den fast vergessenen Opfern der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft: Menschen, die wegen einer psychischen Erkrankung oder Behinderung als „Ballastexistenzen“ und „minderwertig“ etikettiert, keine Berechtigung auf Leben hatten. Auch Kinder waren unter ihnen. Ihre Zahl wird mittlerweile auf mehr als 10.000 geschätzt. Ihr Weg in die Vernichtung, von den Nationalsozialisten euphemistisch als „Euthanasie“ – wörtlich der leichte gute Tod – bezeichnet, konnte auf mehreren Ebenen stattfinden. In den so genannten Kinderfachabteilungen wurden sie mit Tabletten oder Injektionen getötet oder man ließ sie einfach verhungern; etwa 4.000 schickte man in die Gaskammern der „Euthanasie“-Anstalten. Gehirne und Rückenmark der Kinder wurden teilweise zu wissenschaftlichen Zwecken „nutzbar“ gemacht. Mediziner, unter ihnen viele Psychiater, waren nur allzu leicht bereit, ihre Patienten einem höheren, kaum hinterfragten Wissenschaftsideal zu opfern. Ethische oder moralische Bedenken traten dabei in den Hintergrund.

    Da es bisher weder eine systematische wissenschaftliche Aufarbeitung der Verwicklungen der deutschen Kinder- und Jugendpsychiatrie und ihrer Vertreter noch ein durch alle drei Fachverbände getragenes öffentliches Bekennen zur Verantwortung gab, ist es 70 Jahre nach den Gräueltaten an der Zeit, dieses im Gedenken an die Opfer zu tun. Die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie e.V. (DGKJP), deren Vorgängerorganisation die Deutsche Gesellschaft für Kinderpsychiatrie und Heilpädagogik, an den Verbrechen beteiligt war, wird sich ihrer Vergangenheit stellen. Auch unter ihrer Obhut konnten die Verantwortlichen an den schrecklichen Verbrechen an Kindern und Jugendlichen weiterhin tätig sein, waren und wurden nach 1945 Mitglieder, teilweise Ehrenmitglieder der Gesellschaft. „Hier gilt es aufzuklären und aufzudecken. Nicht zuletzt soll der Opfer gedacht werden. Ihnen, den häufig nur statistisch erfassten, soll ihre Identität und Würde zurückgeben geben“, sagt Kongress-Präsident Prof. Dr. Frank Häßler, Direktor der Klinik für Psychiatrie, Neurologie, Psychosomatik und Psychotherapie im Kindes- und Jugendalter an der Universitätsmedizin Rostock.

    Foto:
    Prof. Dr. Frank Häßler (Universität Rostock)

    Kontakt:
    Universitätsmedizin Rostock
    Klinik für Psychiatrie, Neurologie, Psychosomatik und Psychotherapie im Kindes- und Jugendalter
    Prof. Dr. Frank Häßler
    Fon: +49 (0)381 494 4600
    Mail: frank.haessler@med.uni-rostock.de

    Presse+Kommunikation
    Dr. Ulrich Vetter
    Fon: +49 (0)381 498 1013
    Mail: ulrich.vetter@uni-rostock.de
    Web: www.uni-rostock.de


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten, Wissenschaftler
    Medizin
    überregional
    Wissenschaftliche Tagungen
    Deutsch


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