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08.03.2013 14:34

Chronische Schmerzen nach Operationen vermeiden

Barbara Ritzert ProScience Communications - die Agentur für Wissenschaftskommunikation GmbH
Deutsche Gesellschaft für Schmerztherapie e.V.

    Nach bestimmten Operationen, etwa am Herzen, bei Brustkrebs, der nicht organerhaltend operiert werden kann, oder Kniegelenk-Ersatz, entwickeln sich bei bis zu zehn Prozent der Patienten chronische Schmerzen. Dr. Reinhard Sittl vom Interdisziplinären Schmerzzentrum des Universitätsklinikums Erlangen, der Träger des Deutschen Schmerzpreises 2013, konnte mit seiner klinischen Forschergruppe Faktoren identifizieren, die das Risiko für postoperative chronische Schmerzen erhöhen und daraus Empfehlungen ableiten, wie diesen Schmerzen vorgebeugt werden kann.

    In Deutschland griffen Chirurgen im Jahr 2011 bei 15 Millionen Operationen zum Skalpell. „Bei vier Prozent der Patienten klingt der Schmerz nach der Operation nicht mehr ab, wenn die Wunde heilt, sondern wird chronisch“, weiß der Erlanger Schmerzforscher Dr. Reinhard Sittl. Wenn es gelänge, die Häufigkeit dieser Schmerzen nur um ein Prozent zu reduzieren, ließe sich nicht nur 150000 Menschen viel Leid ersparen, sondern dem Gesundheitswesen grob geschätzt über 100 Millionen Euro, rechnet Sittl vor.

    Das Risiko für postoperative chronische Schmerzen ist von OP zu OP unterschiedlich. Patienten, die am Brustkorb operiert werden und Frauen, denen die Brust amputiert werden muss, entwickeln meistens Nervenschmerzen. Sie sind die Folge einer direkten Verletzung von Nervenbahnen und sind besonders schwer zu behandeln. Patienten, denen ein Knie- oder Hüftgelenk eingepflanzt wird, entwickeln demgegenüber meistens sogenannte nozizeptive Schmerzen. Bei diesen werden die Schmerzfühler im Gewebe etwa durch Entzündungsboten-stoffe aktiviert.

    Wenn Patienten chronische Schmerzen nach einem Eingriff entwickeln, können viele Faktoren die Ursache sein. Allerdings ist nicht bei allen klar, wie stark ihr Einfluss tatsächlich ist. Dies gilt beispielsweise für die Operationstechnik. „Hier fehlen prospektive Studien“, sagt Sittl. Starke Schmerzen vor und vor allem nach der Operation spielen eine Rolle, ebenso genetische Faktoren. Auch Schmerzpatienten, die lange Zeit mit Opiaten behandelt werden, könnten ein erhöhtes Risiko für postoperativen chronischen Schmerz haben, da Opiate die Schmerzempfindlichkeit erhöhen und so Schmerz verstärken können.

    REDUZIERTE KÖRPEREIGENE SCHMERZHEMMUNG
    Untersuchungen von Sittl belegen, dass eine reduzierte körpereigene Schmerzhemmung ein messbarer Risikofaktor für chronischen postoperativen Schmerz ist. Auch psychosoziale Faktoren, beispielsweise eine erhöhte Aufmerksamkeit für Schmerzreize, sind nachweisbare Risikofaktoren, wie Sittl mit seiner klinischen Forschergruppe herausgefunden hat. Kommen dann starke postoperative Akutschmerzen hinzu, beeinflussen diese ihrerseits die psychologischen Faktoren – ein Teufelskreis aus Schmerz und Psychologie kommt in Gang.

    KLINISCHE STUDIE
    Bei Patienten, die aufgrund einer Trichterbrust operiert wurden und Patientinnen, denen die Gebärmutter entfernt werden musste, setzt die klinische Forschergruppe von Sittl, die von der Deutschen Forschungsgemeinschaft gefördert wird, verschiedene Testmethoden ein, um jene Patienten zu identifizieren, die schmerzbezogenen Reizen besondere Aufmerksamkeit schenken. Im Rahmen einer klinischen Studie wurde die Vorhersagekraft dieser Methoden untersucht. „Präoperative Aufmerksamkeitverzerrungen sind Prädiktoren starker akuter und chronischer Beeinträchtigungen durch postoperative Schmerzen, die Wochen und Monate nach der OP anhalten können“, resümiert Sittl seine Forschungsergebnisse. Trotz optimaler Akuttherapie und dem Ausschluss anderer präoperativer Risikofaktoren entwickelten 13 Prozent der untersuchten Patienten binnen eines Jahres therapiebedürftige chronische Schmerzen.

    PATIENTEN MIT STARKEN SCHMERZEN NACH EINER OP BRAUCHEN SPEZIALISTEN
    „Patienten mit starken Schmerzen nach einer Operation brauchen daher eine gute Akutschmerzbehandlung“, fordert Sittl. Lassen die Schmerzen nach drei Tagen nicht nach, sollte dies ein Warnsignal sein. Sittl: „Dann sind Spezialisten gefordert.“ Noch wirksamer wäre es nach Meinung des Experten, wenn Risiko-Patienten bereits vor einem Eingriff identifiziert und das Risiko für chronische Schmerzen nach dem Eingriff durch vorbeugende Strategien und eine optimale Therapie rund um die Operation gemindert würde.

    Pressestelle Deutscher Schmerztag 2013
    Barbara Ritzert · ProScience Communications GmbH
    Während der Tagung: Fon: 069 7575-73130 · ritzert@proscience-com.de

    Andechser Weg 17 · 82343 Pöcking
    Fon: 08157 9397-0 · ritzert@proscience-com.de


    Weitere Informationen:

    http://www.schmerz-und-palliativtag.de


    Bilder

    Dr. Reinhard Sittl vom Universitätsklinikum Erlangen wurde am Freitag, den 08. März 2013 auf dem 24. Deutschen Schmerz- und Palliativtag in Frankfurt/Main mit dem DEUTSCHEN SCHMERZPREIS ausgezeichnet. Der Preis wurde im Rahmen eines wissenschaftlichen Symposiums verliehen und ist mit 10.000 Euro dotiert.
    Dr. Reinhard Sittl vom Universitätsklinikum Erlangen wurde am Freitag, den 08. März 2013 auf dem 24. ...
    Foto: Bernd Bostelmann
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    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten, Wissenschaftler
    Medizin
    überregional
    Forschungsergebnisse, Wissenschaftliche Tagungen
    Deutsch


     

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